Börse Euro-Rally bremst Dax erneut aus

Der Dax legt wieder zu. Spekulationen, dass die SPD möglicherweise doch noch einer Großen Koalition zustimmen könnte, gibt Anlegern Hoffnung. Allerdings sorgt der Euro, der auf ein Zweimonatshoch zum Dollar steigt, im späten Handel für einen Dämpfer.
Bundespräsident Steinmeier im Gespräch mit SPD-Chef Martin Schulz: Kommt doch noch die Große Koalition?

Bundespräsident Steinmeier im Gespräch mit SPD-Chef Martin Schulz: Kommt doch noch die Große Koalition?

Foto: Getty Images/ Bundesregierung

Erholungsversuch: Der Dax  legte am Freitag wieder zu und kletterte zeitweise wieder über die Marke von 13.100 Punkten. Vor allem die Spekulation, dass die SPD möglicherweise doch noch in Gespräche mit der Union über die Bildung einer Großen Koalition eintreten könnte, nährte die Hoffnung, dass die politische Krise in Deutschland ohne Neuwahlen überstanden werden könnte. SPD-Chef Martin Schulz hat angekündigt, die Parteimitglieder über eine mögliche Regierungsbeteiligung abstimmen zu lassen. Er zeigte sich am Freitag auch zu den von Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier geforderten Gesprächen mit der Union bereit, betonte aber gleichzeitig: "Es gibt keinen Automatismus in irgendeine Richtung." Im späten Handel gab der Dax jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab und schloss auf Xetra schließlich 0,4 Prozent fester bei 13.059 Punkten.

Dollar als Dax-Bremse: Euro steigt zum Dollar auf Zweimonatshoch

Als Bremse für den Dax wirkte am Nachmittag jedoch der starke Euro. Devisenanleger haben den US-Dollar am Freitag links liegengelassen und den Euro  auf Höhenflug geschickt. Die Gemeinschaftswährung legte bis zu 0,6 Prozent auf 1,1929 Dollar zu und notierte so hoch wie seit zwei Monaten nicht mehr.

Analysten sehen die US-Devise auch mittelfristig unter Druck. "Bei einem gesunden Risikoappetit weltweit, stabilem Wachstum im Firmensektor und festeren Rohstoffpreisen gibt es so gut wie keine Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen wie dem Dollar", sagte Währungsstratege Stephen Gallo vom Broker BMO Capital Markets.

Auch spielte der im November auf einen Rekordwert gestiegene Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts der Gemeinschaftswährung in die Hände und stütze damit den Euro-Kurs.

BASF: Mögliche Fusion der Ölsparte mit Dea

Größter Gewinner im Dax war BASF : Der Chemiekonzern BASF prüft offenbar eine Zusammenlegung seines Öl- und Gasgeschäfts mit der Ölgesellschaft Dea des russischen Milliardärs Mikhail Fridman. Die Gespräche zwischen der BASF-Tochter Wintershall sowie der Dea Deutsche Erdöl AG seien in einem fortgeschrittenem Stadium, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter der Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. BASF könnte dabei zwei Drittel des neuen Unternehmens halten. Die Unternehmen wollten dies auf Anfrage von Bloomberg nicht kommentieren. Die BASF-Aktie reagierte mit einem Kurssprung und setzte sich mit einem Plus von rund 2,5 Prozent an die Dax -Spitze.

Wall Street: Nasdaq und S&P markieren neue Rekorde

Mit leichten Gewinnen sind die US-Aktienmärkte in den "Black Friday" gestartet. Dabei haben der S&P 500 und die beiden wichtigsten Indizes an der Computerbörse Nasdaq Composite  und Nasdaq Stock Market (Kurswerte anzeigen) neue Bestmarken aufgestellt. Unterstützung erhielten die US-Börsen vom schwächeren US-Dollar, der die im Ausland verkauften Produkte von US-Unternehmen lukrativer macht.

Nach dem gestrigen "Thanksgiving"-Feiertag endet der Handel an diesem Freitag bereits um 19.00 Uhr MEZ und damit drei Stunden früher als üblich.

Der Dow Jones  notierte im frühen Handel 0,2 Prozent höher bei 23 575 Punkten. Damit steuert der US-Leitindex auf einen Wochengewinn von knapp 1 Prozent zu.

Aus Asien waren am Morgen keine klaren Impulse für den Dax gekommen, nachdem Vorgaben aus New York wegen Thanksgiving ausblieben.

ifo-Geschäftsklima: "In Deutschland läuft es rund"

Zentrales Thema am Markt dürfte nun hierzulande der Ifo-Geschäftsklimaindex werden, der eine Stunde nach dem Auftakt veröffentlicht wird. Nach Auffassung von Dirk Gojny von der National-Bank dürfte dieser seinen bekannten Trend bestätigen. "In Deutschland läuft es", so der Experte.

In den vergangenen Tagen hatte ein wieder erstarkter Euro (Kurswerte anzeigen) die Erholung des Dax  im Bereich um die 13 200 Punkte ausgebremst. Bei 1,1850 US-Dollar ist die Gemeinschaftswährung nun aber vorerst zum Stillstand gekommen, sodass dies die Exportaussichten für die hiesigen Unternehmen zunächst nicht weiter eintrübte. Der EuroStoxx 50 wird vor diesem Hintergrund am Freitag ebenfalls nur wenig verändert erwartet.

Miniplus auf Wochensicht möglich

Für den Dax  zeichnet sich nach zwei Verlustwochen in Folge in der nun endenden Woche immerhin ein Miniplus ab. Die Bodenbildung sei aber kein Selbstläufer, erklärte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Dass im ersten Anlauf der Sprung über eine Widerstandszone zwischen 13.180 und 13.250 Punkten nicht gelungen sei, ändere nichts am langfristigen positiven Trend. Kurzfristig Vorsicht wäre geboten, falls der Index unter die Unterstützung um 12.850 Punkte rutscht.

Steuerpläne von Trump müssen Senat-Abstimmung überstehen

"Für weihnachtliche Vorfreude ist es allerdings noch etwas zu früh", gibt die Helaba-Expertin Claudia Windt zu bedenken. Denn nach der Zustimmung im Repräsentantenhaus müssten die Steuerpläne von Donald Trump noch die Abstimmung im Senat überstehen, wo die republikanische Partei des US-Präsidenten "nur eine denkbar knappe Mehrheit" habe.

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