Börse Dax legt zu, Lufthansa auf 10-Jahres-Hoch

Der Dax setzt seine Erholung fort. Obwohl die US-Firmen im August weniger Jobs geschaffen haben als erwartet, legt der Dow Jones leicht zu. Der Euro schwankt stark. Gerüchte katapultieren die Medigene-Aktie in die Höhe.

Der deutsche Aktienmarkt hat seine Erholung am Freitag fortgesetzt. Bis zum Handelsschluss auf Xetra kletterte der Dax  um 0,7 Prozent auf 12.142 Punkte. Auch die Nebenwerte-Indizes MDax  und TecDax  gingen jeweils mit Gewinnen ins Wochenende.

Dabei waren die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA eher ernüchternd. Die US-Firmen haben im August 156.000 Jobs geschaffen und blieben damit hinter der Erwartung von 200.000 Jobs zurück. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 Prozent. Der Dollar  gab daraufhin zeitweise deutlich nach, und der Euro näherte sich wieder der Marke von 1,20 US-Dollar. Anschließend kehrte sich diese Entwicklung jedoch wieder um, und der Euro fiel unter starken Schwankungen unter die Marke von 1,19 US-Dollar zurück.

Dow Jones legt trotz schwacher US-Jobdaten zu

An der Wall Street ließen sich Anleger die Kauflaune vom US-Jobreport nicht verderben. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) hat dann auch am Freitag die zuletzt Mitte August erreichte Marke von 22.000 Punkten zurückerobert. Zudem könnte der technologielastige Nasdaq Stock Market  zum Wochenschluss ein Rekordhoch erreichen, nachdem er am Donnerstag noch knapp an einer Bestmarke vorbeigeschrammt war.

Schwacher Lohndruck in USA verschafft US-Notenbank mehr Zeit

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der viel beachtete monatliche Arbeitsmarktbericht. Die Beschäftigungszahl war im August weniger als erwartet gestiegen. Zudem erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent. Allerdings präsentiere sich der Arbeitsmarkt ungeachtet dieser Enttäuschungen in einer soliden Verfassung und unterstütze das Wachstumsszenario, schrieb Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba. Derweil habe sich an dem übergeordneten Bild schwachen Lohndrucks nichts verändert. Insofern könnte die US-Notenbank den Leitzins eher später als früher weiter erhöhen, was wiederum Aktien gegenüber Anleihen in einem günstigeren Licht erscheinen lassen würde.

Lufthansa-Aktie klettert auf 10-Jahres-Hoch

Lufthansa  haben ihre Kursrally am Freitag nach einem positiven Analystenkommentar mit dem Sprung auf den höchsten Stand seit dem Herbst 2007 fortgesetzt. Sie stiegen am Vormittag bis 21,42 Euro. Zuletzt führten sie den Dax mit einem Plus von 1,64 Prozent auf 21,415 Euro an. Das Analysehaus Bernstein Research hatte zuvor die Aktien der Fluggesellschaft von "Underperform" auf "Market-Perform" hochgestuft und das Kursziel von 15,40 auf 22,00 Euro angehoben. Dem Experten zufolge sollte die Lufthansa von der Insolvenz von Air Berlin profitieren.

Mit einem Plus von rund 74 Prozent im bisherigen Jahresverlauf müssen sie die Aktien der Lufthansa  im Dax derzeit lediglich den Papieren des Versorgers RWE geschlagen geben, die auf ein Plus von rund 80 Prozent kommen.

VW profitiert von abgewiesener Klage

Am deutschen Aktienmarkt legten die Vorzugsaktien von Volkswagen (Kurswerte anzeigen) um 1,3 Prozent zu. Sie profitierten davon, dass eine Klage des US-Bundesstaates Wyoming wegen Verstößen gegen Umweltgesetze vom zuständigen Richter abgewiesen wurde. Die Entscheidung könnte das Unternehmen vor weiteren Milliardenkosten im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bewahren, da sie richtungsweisend für ähnliche Fälle sein dürfte.

TecDax: Medigene setzt Kursrally fort

Die Titel des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines (Kurswerte anzeigen) verteuerten sich dank einer Kaufempfehlung der britischen Investmentbank HSBC. Der Gegenwind durch den schwachen US-Dollar sei angesichts des Kursrückgangs mehr als eingepreist, schrieb Analyst Richard Schramm in einer aktuellen Studie. Die fundamentale Wachstumsstory bleibe intakt, und bald sollte das Unternehmen die Früchte seiner jüngsten Investitionen ernten.

Im Technologieindex TecDax  sprangen die Titel von Medigene  um 11 Prozent nach oben, nachdem sie am Donnerstag bereits 19 Prozent zugelegt haben. Händler führten den Anstieg auf Übernahmespekulationen zurück.

Euro schwankt stark

Die Verunsicherung über den Zeitpunkt einer Kurswende der Europäischen Zentralbank hat dem Euro  am Freitag im späten Handel zugesetzt. Die Gemeinschaftswährung rutschte um 0,5 Prozent auf 1,1848 Dollar ab, nachdem er in Reaktion auf schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten bis auf 1,1979 Dollar zugelegt hatte.

Es gebe unterschiedliche Signale, wann die EZB das Eindämmen der Geldflut einläuten werde, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. "Das trägt zur Verunsicherung bei und drückt den Euro." Der steile Anstieg der Gemeinschaftswährung der vergangenen Monate könne dazu führen, dass die EZB-Anleihekäufe langsamer heruntergefahren würden als gedacht, hatten mit der Situation vertraute Personen am Donnerstag zu Reuters gesagt.

EZB-Chef Mario Draghi hatte angekündigt, im Herbst über die Zukunft der billionenschweren Anleihekäufe entscheiden zu wollen. Bloomberg zufolge könnte sich das angesichts der Komplexität bis Dezember hinziehen.

Überschwemmungen durch den Tropensturm "Harvey" hatten zum Ausfall von Raffinerien in den USA geführt und die Preise stärker schwanken lassen.

Die jüngst angezogenen Ölpreise sind am Freitagmorgen wieder gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Morgen 52,73 US-Dollar. Das waren 13 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 31 Cent auf 46,92 Dollar.

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