Börsenschluss Kartellverdacht und Euro drücken Daimler, VW und BMW

Erneut kräftige Kursverluste bei Daimler , BMW und VW haben zusammen mit einem starken Euro am Montag den Dax belastet. Bankenwerte gehörten zu den größten Gewinnern.
Dax fällt weiter: Der Euro ist auf Rekordjagd, und Autotitel sind stark unter Druck

Dax fällt weiter: Der Euro ist auf Rekordjagd, und Autotitel sind stark unter Druck

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Anleger haben Grund zur Sorge: Der weiterhin starke Euro und der Kartellverdacht gegen die deutschen Autobauer dürften auch in der neuen Woche für schwankende Kurse sorgen. Der Dax  startete am Montag um 0,7 Prozent tiefer und fiel zeitweise unter die Marke von 12.200 Punkten. Mit fiel Mühe konnte der Leitindex diese Marke halten und schloss am Montag 0,25 Prozent leichter bei 12.208 Punkten. Zu den größten Verlierern im Index gehörten erneut die Autowerte Volkswagen , BMW  und Daimler , die ihre Talfahrt vom Freitag fortsetzten und zwischen 1,5 und rund 3 Prozent verloren.

Seit vergangenem Freitag, als die Berichte über mögliche Karteallabsprachen bekannt wurden, haben die Aktien der drei Autobauer in Summe mehr als 10 Milliarden Euro an Wert verloren, rechneten Händler vor. Was den Dax zusätzlich unter Druck setzte. Von seinem Mitte Juni erreichten Höchststand bei 12.951 Punkten hat sich der deutsche Leitindex mittlerweile mit einem Verlust von rund 700 Punkten deutlich nach unten abgesetzt - für Daniel Saurenz von Feingold Research kein gutes Omen. "Die Korrektur könnte in den kommenden Wochen noch weitergehen", so der Marktexperte.

Der MDax (Kurswerte anzeigen) der mittelgroßen deutschen Unternehmen sank um 0,12 Prozent auf 24.525 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax  ging es um 0,74 Prozent auf 2258 Zähler runter. Nennenswerte Gewinne im Dax verzeichneten lediglich Bankenwerte: Die Papiere der Deutschen Bank  rückten um 2,1 Prozent vor, Aktien der Commerzbank  verteuerten sich am Montag um 1,84 Prozent.

US-Börsen kaum verändert, Anleger warten auf Alphabet-Bilanz

Die US-Börsen sind vor den Geschäftszahlen wichtiger Technologiefirmen unverändert in die neue Handelswoche gestartet. Händler erhoffen sich aus den Zahlen der Google-Mutter Alphabet  , die nach Börsenschluss vorgelegt werden sollen, und denen der Internetkonzerne Amazon und Facebook in den kommenden Tagen Impulse.

Schon jetzt lägen viele Indizes auf Rekordniveau, sagte Craic Erlam, Marktanalyst beim Onlinebroker Oanda. Zudem straffe die Zentralbank die geldpolitischen Zügel. Dies lasse die Geschäftszahlen vermehrt in den Blick rücken.

Der Dow Jones  eröffnete am Montag unverändert bei 21.575 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte mit 2471 Zählern auf dem Stand vom Freitag. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte minimal zu auf 6389 Stellen.

Bei den Einzelwerten schnellten die Aktien des Gesundheitsinformations-Anbieters WebMD Health knapp 20 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen geht für 2,8 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor KKR.

Euro auf Zweijahreshoch: Euro nähert sich 1,20 US-Dollar

Der Euro  setzte unterdessen seinen Höhenflug fort, nachdem er in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit 2 Jahren erreicht hatte. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1670 US-Dollar, nachdem sie in der Nacht auf Montag bis auf 1,1684 Dollar gestiegen war. Anleger gehen davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi bald das Ende der Geldschwemme in Europa einläuten wird.

Durch den starken Euro bleibt der Dax unter Druck: Am Freitag hatte der Dax  mehr als eineinhalb Prozent und auf Wochensicht sogar mehr als 3 Prozent verloren. Trotz dieser deutlichen Verluste sei das heimische Börsenbarometer aber noch nicht überverkauft, konstatierten die Experten von IG Markets. Der Abgabedruck könnte daher durchaus noch eine Weile andauern.

Dax ist charttechnisch angeschlagen - Autotitel tauchen ab

Unter Charttechnikern mehrt sich ebenfalls Skepsis. Das Börsenstatistik-Magazin Index-Radar etwa hält es für angebracht, vor den statistisch schwachen Sommerwochen auf fallende Kurse zu setzen. Einen Grund dafür, dass "die Bären die Kontrolle übernehmen", sehen sie in ihrer Beobachtung, dass kurze Erholungen in den vergangenen Wochen von Anlegern immer wieder zum Ausstieg genutzt wurden. Zudem sind die Verluste der drei Auto-Schwergewichte VW, Daimler  und BMW  eine zusätzliche starke Belastung für den Dax.

Fed äußert sich zur Zinspolitik

In geldpolitischen Fragen kehrt nach dem jüngsten Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Ruhe ein. Schon am Mittwoch wartet der nächste Zinsentscheid der US-Kollegen. Da der Markt noch nicht mit einem weiteren Schritt rechnet, sollten vor allem die begleitenden Aussagen der Fed - etwa zum Abbau der aufgeblähten Bilanz - im Mittelpunkt stehen. "Sie dürfte sich vor der Sommerpause hinsichtlich der im Herbst zu erwartenden Entscheidungen ähnlich zurückhaltend äußern wie die EZB", erwartet Chefstratege Robert Greil von Merck Finck.

Zahlen von Alphabet, Hochtief und Drillisch

Richtig ins Rollen kommt zudem die Berichtssaison. Zu Beginn bleiben die Blicke hier zwar noch nach Übersee gerichtet, wo am Montag der Google-Mutterkonzern Alphabet und tags darauf eine Flut an Dow-Unternehmen berichten. In Deutschland beginnt der Zahlenreigen am Dienstag mit Covestro , Hochtief und Aixtron . Aktionäre von Drillisch und United Internet werden dann gespannt nach Frankfurt schauen, wo die Drillisch-Aktionäre über die geplante Fusion abstimmen.

Daimler und Deutsche Börse melden am Mittwoch ihre Zahlen

Am Mittwoch legen dann die ersten Dax-Unternehmen ihre Karten auf den Tisch. Bei Daimler rechnet UBS-Experte Patrick Hummel mit einer schwungvollen Entwicklung, er sieht nach dem bereits angehobenen Ausblick aber keinen Raum für höhere Unternehmensprognosen. Auch bei der Deutschen Börse wird trotz des ruhigen Finanzmarktumfelds und der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse mit einem ordentlichen zweiten Quartal gerechnet.

Donnerstag: BASF, VW, Bayer und Deutsche Bank melden Quartalszahlen

Der erste Höhepunkt in dieser Saison ist der Donnerstag, wenn neben BASF und der Deutschen Bank auch Volkswagen und Bayer ihr Zahlenwerk offenlegen. Für Anleger der Deutschen Post und von Linde dürften dann außerdem Resultate des US-Logistikers UPS und des Linde-Fusionspartners Praxair von größerem Interesse sein. Der Handelsriese Amazon rundet die Tagesagenda am Donnerstagabend in den USA ab.

Auch auf Konjunkturseite hat die Agenda einiges zu bieten. Hierzulande dürfte vor allem der Ifo-Index am Dienstag im Mittelpunkt stehen: Nachdem das Stimmungsbarometer zuletzt auf Höchststände gestiegen war, will die Postbank eine weitere Rekordjagd nicht ausschließen. Sie glaubt jedoch an einen geringfügigen Rückgang von 115,1 auf 115,0 Punkte. In den USA stehen am Freitag vor allem aktuelle BIP-Zahlen im Mittelpunkt.

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la/dpa