Kursrutsch im Dax, Euro auf Zweijahreshoch Euro-Rekordjagd und Diesel-Dämmerung lassen Dax stürzen

Der Dax knickt ein. Die EZB lässt die Zinsen zwar auf Rekordtief. Doch Anleger kaufen EZB-Chef Mario Draghi seine Story nicht ab, der Euro setzt seinen Höhenflug fort. Zudem geraten die Autotitel VW, Daimler und BMW stark unter Druck.
Dax taucht ab: Der Euro ist auf Rekordjagd, und Autotitel sind stark unter Druck

Dax taucht ab: Der Euro ist auf Rekordjagd, und Autotitel sind stark unter Druck

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Kursrutsch zum Wochenschluss: Der steigende Euro sowie deutliche Verluste bei den deutschen Autobauern haben den Dax am Freitag erneut ins Minus geschickt. Der deutsche Leitindex Dax  verlor bis zum Ende des Xetra-Handels 1,7 Prozent auf 12.240 Punkte. Händler führten das Minus vor allem auf den Höhenflug des Euro zurück, der sich weiter verteuerte und mit 1,1677 Dollar so viel kostete wie zuletzt vor zwei Jahren.

Der Kursrutsch wurde von hohen Umsätzen begleitet, da am Freitag zudem einige Terminkontrakte ausliefern. Nun ist der Dax, der zeitweise unter die Marke von 12.200 Zählern fiel, auch charttechnisch angeschlagen. Hauptbremsklotz ist an den europäischen Börsen der starke Euro: Eine starke Gemeinschaftswährung macht Waren aus der Euro-Zone im Welthandel teurer und belastet vor allem die exportorientierten deutschen Unternehmen. Unter dem starken Euro litten auch die im MDax  notierten Nebenwerte, der Index gab ebenfalls deutlich nach.

Kartellverdacht: Autobauer tief im Minus

Die Aktien der deutschen Autobauer haben ihre Verluste am Freitagmittag nach einem Bericht des "Spiegel" über einen Kartellverdacht ausgeweitet. BMW fielen um zuletzt 3,2Prozent, Daimler gaben um 2,5 Prozent nach und Volkswagen büßten als Schlusslicht im Dax (Kurswerte anzeigen) 4,1 Prozent ein.

Die deutsche Autoindustrie habe sich seit den Neunzigerjahren in vielen Bereichen, auch abseits der Dieseltechnik, abgesprochen, schreibt der "Spiegel" unter Verweis auf einen Schriftsatz, den der Volkswagen-Konzern bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht haben soll. Damit stehen die deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler unter einem Diesel-Kartellverdacht.

Wall Street schwächer - General Electric mit Gewinneinbruch

Der Rekordlauf bei einigen wichtigen US-Indizes ist am Freitag erst einmal ins Stocken gekommen. Weder der marktbreite S&P 500 noch der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 konnten ihre am Vortag erreichten Bestmarken nochmals nach oben schrauben. Der S&P gab im frühen Geschäft um 0,29 Prozent auf 2466,37 Punkte nach. Der Nasdaq 100 fiel um 0,24 Prozent auf 5907,224 Punkte.

Schwächer zeigte sich auch der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen). Das vielbeachtete Kursbarometer der Wall Street fiel am Freitag um 0,44 Prozent auf 21 517 Punkte. Im Wochenvergleich steuert er damit auf ein Minus von etwa einem halben Prozent zu.

Börsianern zufolge drückten enttäuschende Geschäftszahlen von einigen US-Unternehmen auf die Stimmung. Dazu zählte vor allem ein Gewinneinbruch beim Industriekonzern General Electric  , aber auch durchwachsene Resultate der Online-Handelsplattform Ebay  oder des Konsumgüterherstellers Colgate-Palmolive .

Euro auf Rekordjagd: "Draghi lässt die Euro-Bullen los"

Hauptbelastungsfaktor für die europäischen Indizes blieb jedoch die Rekordjagd des Euro . "Mario Draghi hat am Donnerstag die Euro-Bullen von der Leine gelassen", kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets. Langfristig gesehen werde zwar die konjunkturelle Dynamik in der Eurozone, die eine baldige Normalisierung der EZB-Geldpolitik erst ermöglicht, auch die Gewinne im Dax wieder steigen lassen, so Stanzl. Bis dahin müssten Anleger aber einsehen, dass sie nicht gleichzeitig höheres Wachstum, Expansion der Gewinne und eine EZB haben können, die die Geldschleusen weit, weit offen hält.

"Die Rally im Euro ist auch deshalb so dynamisch, da sich eine Schere öffnet zwischen US- und europäischem Wirtschaftswachstum", so Stanzl. Interessanterweise steht dies diametral zu dem, was noch zu Jahresbeginn erwartet wurde, nämlich, dass die Fed ihre geldpolitischen Stellschrauben viel schneller und früher als die EZB festziehen wird. Nun scheint es eher so zu sein, als wäre die Fed zum Stillstand gezwungen, während die EZB fast ein wenig hinterher hinkt. Diese Veränderung der Rahmenbedingungen ist eine Überraschung für den Markt, der fast einheitlich vor einem halben Jahr noch auf die Parität des Euro zum Dollar gesetzt hatte.

EZB will Anleihenkäufe im Herbst überprüfen

Nach der EZB-Pressekonferenz rutschte der Dax am Nachmittag sogar zeitweise ins Minus, während der Euro weiter stieg. Für die EZB sei die Zeit noch nicht reif, um über Änderungen an ihrem Anleihen-Kaufprogramm zu beraten. Die Diskussion darüber solle erst "im Herbst geführt werden", sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. "Wir sind noch nicht so weit."

Der EZB-Rat hatte zuvor beschlossen, an der Option festzuhalten, den Umfang sowie die Dauer der Anleihenkäufe bei Bedarf zu erweitern. Bislang erwerben die EZB und die nationalen Notenbanken pro Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro. Das Programm soll noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden.

Experten erwarten, dass die EZB im September oder Oktober beschließen wird, was danach mit den Käufen passieren soll. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB die Transaktionen ab Januar langsam herunterfahren und damit den Einstieg in den Ausstieg wagen wird. Die Überzeugung, die Zeit des ultrabilligen Geldes neige sich auch in Europa dem Ende zu, stärkt seit Wochen den Euro gegenüber dem Dollar.

Lufthansa bricht Erholungsversuch ab, Infineon knickt ein

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten zunächst die Aktien der Lufthansa (Kurswerte anzeigen), die nach ihrem gestrigen Kurseinbruch von 8 Prozent einen Erholungsversuch starteten und leicht zulegten. Im weiteren Handelsverlauf fielen jedoch auch die Aktien der Lufthansa zurück ins Minus. Allerdings haben die Titel der Lufthansa in den vergangenen 7 Monaten auch mehr als 50 Prozent zugelegt, so dass das Risiko von Gewinnmitnahmen deutlich gestiegen ist.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten außerdem Infineon (Kurswerte anzeigen), nachdem Analysten von Exane BNP Paribas die Titel des Halbleiterkonzerns zurückgestuft hatten. Sie rutschten um rund 4 Prozent ab.

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