Börse Trumps FBI-Putsch bringt Wall Street in Wallung

Der Dax bewegt sich kaum. Volkswagen, SAP und Linde stellen sich ihren Aktionären. US-Präsident Trump hat FBI-Chef James Comey entlassen - dieses Manöver bringt auch die Wall Street in Wallung.
Wall Street: Trump sorgt erneut für Nervosität

Wall Street: Trump sorgt erneut für Nervosität

Foto: BRYAN R. SMITH/ AFP

Nach seinem Rekordhoch am Vortag hat sich der Dax  zur Wochenmitte kaum vom Fleck bewegt. Die Nervosität unter Anlegern nimmt jedoch zu, da die Entlassung von FBI-Chef James Comey in den USA zu einer Verfassungskrise führen könnte. Der Dax  schloss am Mittwoch nahezu unverändert bei 12.757 Zählern. Tags zuvor hatte das wichtigste deutsche Börsenbarometer seine gut zweiwöchige Rally auf 6 Prozent ausgebaut. Zu den Gewinnern im Dax gehörten am Mittwoch die Aktien von Lufthansa , Infineon  und Continental , die jeweils zwischen 1 und 3 Prozent zulegten. Der MDax (Kurswerte anzeigen) der mittelgroßen Werte gab Mittwoch um 0,2 Prozent auf 25.121 Zähler nach. Für den Leitindex der Eurozone, den EuroStoxx 50 , ging es ebenfalls minimal nach unten.

Trump feuert FBI-Chef Comey

Ungemach könnte laut Börsianern den Märkten aber in den USA drohen. US-Präsident Donald Trump feuerte am Dienstagabend überraschend FBI-Chef James Comey - angeblich wegen seines Vorgehens in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton vor der Präsidentenwahl im November. Kritiker gehen davon aus, dass Trump in Comey, der auch in Trumps Russland-Affäre ermittelte, ein Risiko für sich selbst sah und ihn deshalb abservierte.

Die Investoren hätten sich zuletzt aber schon darauf eingestellt, dass Trump sich nun seinen Wirtschaftsplänen widme, sagte Cutkovic. "Sollte der Fokus wieder auf politische Streitigkeiten wandern, würde dies die Wall Street belasten." Seit der Wahl Trumps hatten die Märkte weltweit kräftig zugelegt, da sich die Investoren von Trumps Plänen für niedrigere Steuern sprudelnde Gewinne erhofften.

Wall Street startet mit leichten Verlusten

Die Aktienindizes Dow Jones  , Nasdaq Composite  und S&P 500 verloren am Mittwoch im frühen Handel jeweils 0,3 Prozent. Die Opposition wirft Trump vor, mit der Personalie sollten die aktuellen Ermittlungen des FBI wegen möglicher Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentschaftswahl behindert werden. Börsianer befürchten, dass dieser Streit die Verabschiedung von Trumps Wirtschaftsprogramm im Parlament erschwert.

Tesla setzt Rekordjagd fort

Kräftig zulegen konnten dennoch die Aktien von Abercrombie & Fitch, die sich um mehr als zwölf Prozent verteuerten. Insidern zufolge gibt es mehrere Interessenten für die schwächelnde Modefirma. Nvidia-Papiere gewannen 15 Prozent, nachdem der Chip-Hersteller einen überraschend großen Umsatzsprung von etwa 50 Prozent ausgewiesen hatte. Die Erlöse mit Spezialchips für Datenzentren stiegen sogar auf mehr als das Doppelte.

An der Nasdaq setzte unterdessen die Aktie von Tesla  ihre Rekordjagd fort und kletterte um weitere 1,1 Prozent auf 325 Dollar. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 50 Prozent zugelegt.

Lufthansa steigt auf Dreijahreshoch - UBS denkt um

Im Dax hat unterdessen die Aktie der Lufthansa  ihren Höhenflug fortgesetzt. Zuletzt stieg sie mit plus 3,0 Prozent auf 17,16 Euro auf den höchsten Kurs seit Mitte Juni 2014. Mit einem Kursplus von aktuell rund 40 Prozent seit Jahresbeginn ist das Papier der größten deutschen Fluggesellschaft mit Abstand der Favorit im Dax , gefolgt von RWE  mit einem Kursplus von knapp 32 Prozent.

Ferien, die Übernahme von Brussels Airlines und immer mehr Air-Berlin-Jets hatten Deutschlands größter Fluggesellschaft im Ostermonat April ein kräftiges Passagierplus beschert. Am Montag hatte die schweizerische Großbank UBS eine Kehrtwende gemacht und die Aktie von ehemals "Sell" auf "Buy" mit einem neuen Kursziel von 20 Euro hochgestuft.

Hauptversammlungen bei Volkswagen, Linde und SAP

Neben den Bilanzen standen einige Hauptversammlungen im Fokus, die turbulent werden könnten: Denn bei Linde, SAP und Volkswagen  empfehlen einflussreiche Aktionärsberater, das Management nicht zu entlasten.

Bei Linde  wird über die 60 Milliarden Euro schwere Fusion mit dem US-Rivalen Praxair diskutiert. Vorstandschef Aldo Belloni rechnet mit einem Vertrag bis Ende Juni.

Bei SAP  dürfte dagegen die Vergütung der Vorstände für Zündstoff sorgen. Das und die Dieselaffäre sind auch Thema bei VW. Während die Aktienkurse von Linde und SAP auf der Stelle traten, stiegen VW um rund ein Prozent.

HeidelbergCement nach Zahlen am Dax-Ende

Größter Verlierer im Dax waren nach enttäuschenden Quartalszahlen HeidelbergCement. Die Aktien des Baustoffherstellers fielen um 2,5 Prozent auf 87,50 Euro. HeidelbergCement  hatte einen Gewinnrückgang für das erste Quartal ausgewiesen. Der Gewinn sei noch niedriger als befürchtet ausgefallen - dabei seien die Erwartungen nicht sehr hoch gewesen, sagte ein Händler.

MDax: Kursrally bei Leoni

Im MDax  sorgte Leoni  für Furore: Der Autozulieferer überraschte die Anleger mit einer Gewinnverdoppelung im Quartal positiv. Die Aktien stiegen um 6,7 Prozent auf 54,26 Euro und notierten damit so hoch wie zuletzt im Oktober 2015.

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