Mittwoch, 13. November 2019

Börse Ölpreisschock beendet Dax-Rally vorerst

Die Preise für Rohöl verteuerten sich zeitweise um bis zu 20 Prozent

Nach dem Angriff auf eine Raffinerie in Saudi-Arabien ist der Ölpreis sprunghaft angestiegen. Der Dax verliert zum Handelsschluss am Montag deutlich, der Dow Jones notiert im roten Bereich. Anleger flüchten in Gold und Anleihen, Aktien von Fluggesellschaften in Europa stehen unter Verkaufsdruck. Papiere von Ölgesellschaften sind dagegen gefragt.

Drohnen-Angriffe auf die wichtigste Ölraffinerie Saudi-Arabiens und ein damit einhergehender kräftiger Ölpreisanstieg haben die Rally am Aktienmarkt zunächst gestoppt. Der Dax Börsen-Chart zeigen und der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen verloren jeweils etwa 0,7 Prozent auf 12.380 beziehungsweise 3526 Punkte. In den USA sank der Dow Jones Börsen-Chart zeigen um 0,5 Prozent, der breiter gefasste S&P gab 0,2 Prozent nach. Zuvor hatte der Dax acht Handelstage in Folge Gewinne verbucht. Für den MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen deutschen Börsenwerte ging es um 1,07 Prozent bergab auf 25.976 Punkte.

Anleger bringen Geld in Sicherheit, Anleihen und Gold gefragt

Der Ölpreis schnellte am Montag zeitweise so stark in die Höhe wie seit dem Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Viele Investoren brachten ihr Geld in Sicherheit. Gefragt waren Anleihen und Gold, während Aktien auf der Verkaufsliste standen.

Die jüngste Dax-Rally werde nun einem ersten Belastungstest unterzogen, kommentierte Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. "Aus Angst vor Lieferengpässen springen die Ölpreise nach oben und werden damit zunächst zur Belastung für eine mögliche Erholung der Weltwirtschaft, auf die die Investoren nach den zuletzt versöhnlichen Tönen im US-chinesischen Handelsstreit gesetzt hatten", so der Analyst.

Ölpreis schnellt zeitweise um bis zu 20 Prozent in die Höhe

Die Ölsorte Brent Börsen-Chart zeigen aus der Nordsee verteuerte sich um zeitweise knapp 20 Prozent und kostete mit 71,95 Dollar je Barrel (159 Liter) so viel wie zuletzt vor vier Monaten, gab im Handelsverlauf aber einen großen Teil des Anstiegs wieder ab.

Bei den Angriffen auf saudi-arabische Ölanlagen vom Wochenende wurden fünf Prozent der weltweiten Rohöl-Produktion lahmgelegt. Die USA machen den Iran für die Drohnenattacken verantwortlich, zu denen sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Bürgerkriegsland Jemen bekannt haben. Iran weist die Anschuldigungen zurück.

Solange es nicht zu einer Eskalation der Situation kommt, dürften sich Marktexperten zufolge die Auswirkungen auf den Ölpreis in Grenzen halten. "Vor dem Angriff haben alle über ein Überangebot geredet. Und die Förderung von US-Schieferöl könnte ausgeweitet werden und so einen starken Preisanstieg verhindern", sagte Rupert Thompson, Chefanalyst beim Vermögensverwalter Kingswood.

Ölkonzern Saudi Aramco unter Druck

Einige Anleger nahmen Kurs auf "sichere Häfen". Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um bis zu 1,6 Prozent auf 1511,91 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch die Schweizer Währung war gefragt. Der Dollar verbilligte sich daher um bis zu 0,4 Prozent auf 0,9862 Franken. Anleihen waren ebenfalls begehrt: Die Rendite der deutschen Bundesanleihen sank im Gegenzug auf minus 0,444 Prozent.

Nach den Drohnenangriffen auf seine Anlagen muss der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco höhere Zinsen zahlen. Die Rendite der Anleihe mit Laufzeit bis 2049 stieg in der Spitze auf 4,057 Prozent, das ist so viel wie seit sechs Wochen nicht mehr. Einem Pressebericht zufolge erwägen Regierungsvertreter eine Verschiebung des Aramco-Börsengangs. Bevor die Pläne jedoch geändert würden, müsse Klarheit über die Schäden herrschen, berichtete das "Wall Street Journal".


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Aktien von Ölgesellschaften gefragt, Titel von Fluggesellschaften verlieren

Am Aktienmarkt deckten sich Investoren mit Werten aus der Ölbranche ein. So verteuerten sich die Titel der Förderer BP, OMV Börsen-Chart zeigen, Repsol Börsen-Chart zeigen, Shell Börsen-Chart zeigenund Total Börsen-Chart zeigenum bis zu 4,2 Prozent. Auch in den USA gehörten die Aktien von Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen und Schlumberger zu den Gewinnern.

Aus den Depots flogen dagegen Fluggesellschaften, da für diese Treibstoff der Hauptkostenfaktor ist. Die Aktien der Lufthansa Börsen-Chart zeigenund des Rivalen Air France Börsen-Chart zeigen sowie der British Airways-Mutter IAG Börsen-Chart zeigenverloren bis zu 3,6 Prozent.

An der Dax-Spitze gewannen Wirecard Börsen-Chart zeigengut 2,5 Prozent. Der Zahlungsdienstleister will über einen Ausbau der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kreditkartenriesen Unionpay die Geschäfte in China ankurbeln.

Am MDax-Ende rutschten Airbus Group Börsen-Chart zeigen um mehr als 3,4 Prozent ab. Als nicht gerade hilfreich bezeichnete JPMorgan-Analyst David Perry einen Medienbericht, dem zufolge die Welthandelsorganisation die Subventionen der Europäischen Union für den Flugzeugbauer für widerrechtlich und Strafzölle der USA auf europäische Importgüter mithin für rechtens erklären dürfte.

An der MDax-Spitze zogen die Anteilsscheine von Cancom um rund 5 Prozent an. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen berichtete, habe es für den IT-Dienstleister in den vergangenen Monaten wiederholt Interesse an einer Übernahme gegeben.

mit Nachrichtenagenturen

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