Börse Nasdaq auf Rekordhoch, Dax trotz EZB-Milliarden schwächer

Die Große Koalition hat sich gegen eine Kaufprämie für Verbrenner entschieden - das belastet Autoaktien und bremst den Dax. Der Tech-Index Nasdaq 100 erreicht hingegen ein Rekordhoch. Seit Ende März hat der Index rund 44 Prozent zugelegt und nähert sich der 10.000-Punkte-Marke.
Dax-Kurve in Frankfurt am Main

Dax-Kurve in Frankfurt am Main

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Gewinnmitnahmen nach der Kursrally: Nach den fulminanten Kursgewinnen der vergangenen Tage haben Dax-Anleger nach dem Motto "Sell on good News" Kasse gemacht. Zwar brachte neben dem 130 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket der Bundesregierung auch ein milliardenschweres Konjunkturpaket der Europäischen Zentralbank (EZB) kräftig Bewegung in die Kurse; am Ende schloss der Dax  jedoch mit einem Minus von 0,45 Prozent auf 12 430 Punkte.

Möglicherweise ist die Luft für den Leitindex nach einigen außerordentlich starken Börsentagen doch etwas dünn geworden. Auch der US-Techindex Nasdaq , der am Donnerstag im frühen Handel noch ein Rekordhoch erreicht hatte, drehte am Abend zurück ins Minus, weil Anleger Gewinne mitnahmen.

Als die EZB am frühen Nachmittag eine Aufstockung des Anleihekaufprogramms um 600 Milliarden Euro ankündigte, stieg der Dax  zunächst auf den höchsten Stand seit Ende Februar. Anschließend legte er aber wieder den Rückwärtsgang ein. Analyst David Iusow vom Broker IG vermutete, dass Anleger mit dem starken Anstieg der Kurse in den vergangenen beiden Tagen die positiven Nachrichten von der EZB bereits "eingepreist" hätten.

Der MDax  schloss hingegen mit 0,31 Prozent im Plus bei 26 760,42 Zählern. Hier stützten die Kursgewinne schwer gewichteter Aktien wie Airbus Group  , Deutsche Wohnen  und LEG Immobilien den Index der mittelgroßen Börsentitel.

Nasdaq erreicht Rekordhoch - 44 Prozent Plus seit Tief im März

An der Wall Street drehte der Dow Jones  dagegen ins Plus. Der Tech-Index Nasdaq 100  erreichte sogar ein Rekordhoch von 9743 Punkten. Trotz Coronakrise sind Tech-Aktien so teuer wie nie zuvor: Die runde Marke von 10.000 Punkten ist in Reichweite. Mitte März war der Nasdaq noch auf 7000 Punkte gefallen und hat seitdem wieder 44 Prozent an Wert gewonnen. Damit hat der Tech-Index seit seinem Absturz Anfang März eine V-förmige Erholung gezeigt und notiert nun so hoch wie nie zuvor.

Mit einem Kursplus von knapp zwölf Prozent gehörte Ebay (Kurswerte anzeigen) zu den Favoriten am US-Aktienmarkt. Außerdem markierten die Aktien des Online-Händlers ein Rekordhoch von 51,88 Dollar. Wegen des Booms beim Internet-Handel als Folge der Coronavirus-Restriktionen hob das Unternehmen sein Umsatzziel für das laufende Quartal auf 2,75 bis 2,80 von 2,38 bis 2,48 Milliarden Dollar an.

Die Titel des Tesla  -Rivalen Nio rückten gut sieben Prozent vor und waren mit 6,01 Dollar so teuer wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Der Elektroauto-Bauer lieferte im Mai nach eigenen Angaben 3436 Fahrzeuge aus, so viel wie noch nie und rund drei Mal so viel wie vor Jahresfrist.

Weiter laufen könnte trotz der leicht getrübten Marktstimmung die Rekordrally von Zoom Video . Das zu toppende Hoch lautet nun 224,46 Dollar. Im frühen Handel stieg die Aktie um 0,7 Prozent auf 225,34 Dollar. Der Anbieter von Software für Video-Konferenzen hatte am Dienstag nach Handelsschluss über ein außerordentlich starkes erstes Geschäftsquartal berichtet. Zugleich hatte das erst im April 2019 zu 36 US-Dollar je Aktie an die Börse gegangene Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtgeschäftsjahr 2020/21 verdoppelt.

Warner Music klettert weiter

Auch die Anteilsscheine des am Mittwoch an die Börse zurückgekehrten Musikkonzerns Warner Music Group legten weiter zu. Zuletzt ging es um 2,4 Prozent auf knapp unter 31 Dollar nach oben. Der Ausgabepreis je Aktie hatte bei 25 Dollar gelegen. Warner Music ist der bislang größten US-Börsengang im Jahr 2020.

Daimler und Bayer unter Druck - keine Kaufprämie für Verbrenner

Auf Unternehmensseite im Dax belastete die Enttäuschung über die geplanten Hilfen der Koalition in der zuletzt stark gelaufenen Autobranche vor allem die Daimler -Papiere . Diese stachen mit einem Abschlag von in der Spitze mehr als viereinhalb Prozent am Index-Ende heraus. Für die übrigen Branchenwerte ging es um bis zu zwei Prozent abwärts. Zulieferer wie Continental  verloren in diesem Sog vier Prozent. Hella dämmten ihren Verlust von bis zu acht Prozent auf zuletzt etwa zweieinhalb Prozent ein, hier belastete zudem eine Verkaufsempfehlung durch die Analysten von Oddo BHF.


Kursübersicht: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit 


Bayer -Aktien fanden sich mit einem Minus von drei Prozent ebenfalls unter den schwächsten Dax-Werten wieder. Für die Verluste sorgten Nachrichten aus den USA, wo ein Gericht eine unter Einschränkungen erteilte Zulassung des Unkrautvernichters Dicamba des Konzerns wieder aufgehoben hatte. Die Entscheidung bedeutet, dass Landwirte Dicamba nun nicht mehr verwenden dürfen. Von dem Urteil ist auch der Chemiekonzern BASF (Kurswerte anzeigen)betroffen, dessen Papiere um rund ein Prozent nachgaben.

Lufthansa (Kurswerte anzeigen)büßten angesichts gemischt ausfallender Analystenkommentare nach dem starken Lauf am Vortag rund zwei Prozent ein. Börsianer bereiten sich derweil auf ein Ausscheiden der Airline aus dem Dax vor. Die Deutsche Börse gibt die Ergebnisse der Index-Überprüfung am späten Abend nachbörslich bekannt.

Europaweit gefragt waren dagegen vor allem als defensiv geltende Branchen. Im Dax schafften es Beiersdorf (Kurswerte anzeigen)mit einem Plus von mehr als zwei Prozent an die Index-Spitze. Adidas (Kurswerte anzeigen)profitierten mit einem Plus von knapp einem Prozent von positiven Aussagen des Sportartikelherstellers zum China-Geschäft.

Im MDax verteuerten sich derweil die Papiere des Dax-Aspiranten Deutsche Wohnen (Kurswerte anzeigen)um knapp ein Prozent - es wird erwartet, dass der Immobilienkonzern die Lufthansa in der ersten Börsenliga ersetzen wird.

Anleger in Asien werden vorsichtiger

An den asiatischen Aktienmärkten sind die Investoren am Donnerstag nach der Erholungsrally im bisherigen Wochenverlauf etwas vorsichtiger geworden. Die anfänglichen Gewinne bröckelten ab. Im frühen Handel noch hatten positive Impulse von der Wall Street zahlreichen asiatischen Börsen zu deutlicheren Gewinnen verholfen, denn die jüngsten US-Wirtschaftsdaten hatten die Hoffnung auf eine rasche Erholung von der Corona-Krise befeuert.

Der japanische Leitindex Nikkei (Kurswerte anzeigen) schloss letztlich mit einem moderaten Plus von 0,36 Prozent auf 22.695,74 Punkte.

In China legte der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen im späten Handel um 0,07 Prozent auf 3986,53 Punkte zu. Der Hang Seng in Hongkong gab seine Gewinne zuletzt vollständig ab und gab um 0,01 Prozent auf 24 322,75 Punkte nach.

Gute Wirtschaftsdaten stützen Dow Jones

Positive Signale aus der Wirtschaft haben die Erholungsrally an den US-Börsen auch am Mittwoch weiter getrieben. Der Leitindex Dow Jones  übersprang bereits im frühen Handel die Marke von 26.000 Punkten und schloss mit plus 2,05 Prozent auf 26.269,89 Punkten.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,36 Prozent auf 3122,87 Zähler hoch. Der technologielastige Nasdaq 100 kam dicht an sein im Februar erreichtes Rekordhoch heran und beendete den Handel mit plus 0,49 Prozent auf 9704,69 Punkten.

Leichte Kursverluste bei Devisen

Nach den zuletzt deutlichen Kursgewinnen ist der Euro (Kurswerte anzeigen) am Donnerstag etwas gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Morgen mit 1,1219 US-Dollar gehandelt. In der Nacht hatte sie noch etwas höher notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1194 (Dienstag: 1,1174) Dollar festgesetzt.

Nach den zuletzt deutlichen Kursgewinnen handelt es sich offenbar um eine leichte Gegenbewegung. Die zuletzt positive Stimmung an den Finanzmärkten hatte den Euro gestützt. "Was den Euro am ehesten ausbremsen könnte, ist die Tatsache, dass bereits sehr viele positive Wirtschaftsnachrichten eingepreist scheinen - vielleicht sogar schon zu viele", sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. So hatten sich angesichts der Lockerungsmaßnahmen der Corona-Beschränkungen einige wirtschaftliche Frühindikatoren erholt. "Die Frage aller Fragen bleibt jedoch, ob die Krise einen bleibenden Schaden hinterlässt, und wenn ja, wie groß dieser ist."

Ölpreise fallen leicht

Die Ölpreise sind am Donnerstag etwas gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 39,29 US-Dollar. Das waren 50 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 73 Cent auf 36,56 Dollar.

Die Ölpreise leiden unter dem Streit zwischen wichtigen Förderländern. In dem Verbund Opec+ geht es derzeit darum, ob und wie lange die bestehenden Förderbeschränkungen verlängert werden sollen. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg wollen Russland und Saudi-Arabien die derzeit geltenden Beschränkungen um einen Monat verlängern. Es sei hier eine vorläufige Einigung gefunden worden. Beide Länder fordern jedoch laut dem Bericht andere Länder auf, ihre Förderung stärker zu reduzieren, da sie sich zuletzt nicht an die beschlossen Quoten gehalten hätten. Im Fokus der Kritik steht offenbar vor allem der Irak.

Die Rohölbestände in den USA waren laut Daten vom Mittwochabend in der vergangenen Woche überraschend gefallen. Die Ölpreise profitierten davon aber nicht. Händler verwiesen auf die deutlich gestiegenen Destillatebestände (Heizöl, Diesel). Die Nachfrage nach Diesel fiel laut Energieministerium auf den tiefsten Stand seit 21 Jahren. Die Daten zeigen, dass die Nachfrage nach Ölprodukten nicht so anzieht, wie von vielen erwartet.

Mit Nachrichtenagenturen
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