Optimismus treibt Börse Dax schließt über 12.300 Punkten, Dow im Plus

In Erwartung der Einigung auf ein 100 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket der Bundesregierung setzt der Dax seine Erholungsrally fort. Neben Bayer und Tui stehen auch die Autokonzerne im Fokus.
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Nach dem fulminanten Start in den Juni zeigt der Dax  auch am Mittwoch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Der Leitindex festigte vom Start weg die Marke von 12.000 Punkten, die er am Vortag zurückerobert hatte. Zum Handelsschluss notierte er mehr als 2 Prozent im Plus bei 12.304 Punkten.

"Die Börsenampel bleibt ganz klar auf grün, und die Bullen dürften nach dem Sprung über die psychologisch wichtige Marke nun noch mutiger werden", erklärte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. Unter Anlegern herrscht weiter Hoffnung auf eine schnelle Wirtschaftserholung von der Corona-Krise. Der MDax  stieg um 1,4 Prozent auf 26.450 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx  legte 1,7 Prozent auf 3212 Zähler zu.

Auch an der Wall Street bleibt die Stimmung von Zuversicht geprägt. Ermutigende Konjunkturdaten und Firmen-Ausblicke locken weitere Anleger an den US-Aktienmarkt zurück. Die Leitindizes Dow Jones  , Nasdaq (Kurswerte anzeigen) und S&P 500 stiegen bis zum Handelsschluss in Europa zum Teil um mehr als 1 Prozent.

Mut machten Investoren unter anderem die Beschäftigungsdaten der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Zwar wurden im Mai knapp drei Millionen Jobs gestrichen. Analysten hatten aber einen rund drei Mal so hohen Wert befürchtet.

Der Dax hatte am Dienstag dank Spekulationen auf eine kraftvolle Erholung der Wirtschaft von der Corona-Krise 3,8 Prozent auf 12.021,28 Punkte zugelegt. Nach einem rund neunstündigen Treffen vertagten die Spitzen von CDU, CSU und SPD ihre Beratungen am späten Dienstagabend. Zum Stand der Verhandlungen wurden zunächst keine Details bekannt. Die Koalitionspartner hatten bereits vor dem Treffen vereinbart, dass die Beratungen gegen 23.00 Uhr beendet und am Mittwochvormittag fortgesetzt würden.

Auch die Aktienmärkte in Asien haben am Mittwoch erneut Kursgewinne verzeichnet. In Japan legte der Nikkei 225  zuletzt um rund ein Prozent zu, nachdem der Leitindex bereits an den Vortagen deutlich zugelegt hatte. In Shanghai gewann der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen rund 0,6 Prozent. Weiter nach oben ging es auch am Aktienmarkt in Hongkong, der Hang Seng zog nach dem kräftigen Schub zu Wochenbeginn um über ein Prozent an.


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Lufthansa und Bayer im Fokus

Unternehmensseitig stehen die Papiere von Lufthansa , Bayer  und Tui  im Fokus. Aber auch für die Autobauer ging es nach dem rasanten Kursanstieg am Vortag im Dax weiter bergauf. Spitzenreiter im Leitindex wurden aber Infineon mit einem Kurssprung um vier Prozent. Händlern zufolge sorgte dabei das US-Unternehmen Microchip mit einem angehobenen Umsatz- und Gewinnausblick weiter für gute Stimmung in der ganzen Chipbranche.

Im Schadenersatz-Streit um den zum Bayer-Konzern gehörenden Unkrautvernichter Glyphosat begann vor einem kalifornischen Gericht das erste Berufungsverfahren in den USA. In der einstündigen Anhörung legten die Anwälte beider Parteien ihre Argumente dar. Die drei Richter erörterten mit ihnen Verfahrensfragen. In welche Richtung ihre Entscheidung gehen könnte, war nicht erkennbar. Eine Kaufempfehlung treibt zudem die Aktien von BASF an. Sie legen im Frankfurter Frühhandel um 3,6 Prozent zu. Die Analysten der Investmentbank Jefferies stuften die Titel auf "Buy" von "Hold" nach oben.

Die Corona-Pandemie hat bei Lufthansa im ersten Quartal zu einem Geschäftseinbruch geführt. Von Januar bis März summierte sich der Fehlbetrag nach Steuern und Abschreibungen auf 2,1 Milliarden Euro. Die Aktien reagierten nach der jüngsten Rally der Papiere bis an die 10-Euro-Marke vorbörslich marktkonform, wie ein Anstieg um 1,2 Prozent zeigt.

Der Reisekonzern Tui hat sich mit dem US-Flugzeughersteller Boeing auf eine Kompensation für den finanziellen Schaden verständigt, der durch Flugverbote für Maschinen des Typs 737 Max entstanden ist. Die Titel gewinnen im Frankfurter Frühhandel 6,7 Prozent, später lag das Plus bei 2,2 Porzent.

In Erwartung eines milliardenschweren Konjunkturpakets sind Auto-Aktien weiter im Aufwind. Die Anteilsscheine von Daimler  legen am Vormittag um 2,4 Prozent zu , nachdem sie am Vortag bereits um 7,7 Prozent gestiegen waren. Volkswagen -Aktien  notieren mit 2,7 Prozent im Plus, BMW -Papiere  sogar über 4 Prozent

Bei Südzucker (Kurswerte anzeigen) will der neue Vorstandschef Niels Pörksen die Strategie des im SDax  notierten Konzerns deutlicher herausarbeiten. "Für mich ist sie noch nicht klar genug", sagte er dem "Mannheimer Morgen". "Auch Mitarbeiter fragen sich, wie das große Bild aussieht, auf das wir zusteuern möchten."

Im SDax rückten die Papiere von Elmos als Klassenbester sogar um sechs Prozent vor. Im erweiterten Branchenkreis gewannen die Papiere des Waferproduzenten Siltronic und des Maschinenbauers Aixtron jeweils etwa drei Prozent.

Im MDax blieben die 3,3 Prozent höheren Papiere des Immobilienkonzerns Aroundtown wegen der anlaufenden Aktienrückkäufe gefragt. Am Vortag hatten sie schon von der Ankündigung mächtigen Rückenwind erhalten. Von diesem Mittwoch an bis zum Jahresende wollen die Luxemburger nun für eine halbe Milliarde Euro eigene Aktien zurückkaufen.

Eurokurs steigt über 1,12 US-Dollar

Der Kurs des Euro  ist am Mittwoch über 1,12 US-Dollar gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,1212 Dollar gehandelt. Dies ist der höchste Stand seit Mitte März. In der Nacht hatte der Euro noch merklich unter der Marke von 1,12 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,1174 (Montag: 1,1116) Dollar festgesetzt. Beobachter verweisen auf eine breit angelegte Schwäche des Dollar. Die Zuversicht an den Finanzmärkten würde die Nachfrage nach der Weltleitwährung dämpfen.

Die Kursverluste des Dollar sind aber offenbar nicht nur auf die freundliche Stimmung an den Finanzmärkten zurückzuführen. "Der Konflikt zwischen den USA und China sowie die anhaltenden Proteste in vielen Städten der USA fordern ihren Tribut", erklärten die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Zudem würden die Anleger darauf hoffen, dass die EZB ihr in der Corona-Krise aufgelegtes Anleihekaufprogramm (PEPP) an diesem Donnerstag ausweitet. Bisher hat PEPP schon ein Volumen von 750 Milliarden Euro.

Ölpreise legen erneut zu

Die Ölpreise haben am Mittwoch an ihre Kursgewinne vom Vortag angeknüpft. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 40,24 US-Dollar. Das waren 67 Cent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 99 Cent auf 37,80 Dollar.

Die in dem Verbund Opec+ zusammengefassten Ölförderstaaten diskutieren eine Verlängerung der Förderbeschränkungen. Sie hatten sich im April darauf verständigt, die Produktion um 9,7 Millionen Barrel pro Tag zu reduzieren. Diese Kürzung galt bisher nur für Mai und Juni, könnte aber um einem Monat verlängert werden.

mit Agenturen
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