Mittwoch, 27. Mai 2020

Börse Dax und Dow beschließen historisch schwache Quartale

Börse: Der Dax schaffte am Dienstag nur kurz den Sprung über die Marke von 10.000 Punkten.

Auch ein leichtes Plus am letzten Märztag hat den Dax nicht über die Schwelle von 10.000 Punkten hieven können. Der Index beendet damit ein historisch schwaches erstes Quartal - wie auch der Dow Jones in den USA.

Die US-Börsen haben am Dienstag nach einer zuletzt rasanten Erholungsrally einen kleinen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben. Die Anleger agierten angesichts des sich in den Vereinigten Staaten ausbreitenden Coronavirus vorsichtiger. Vor allem in der letzten Handelsstunde kam es verstärkt zu Aktienverkäufen. Die Aussicht auf ein womöglich viertes Hilfspaket, dieses Mal für die Infrastruktur, stützte nur bedingt; ebenso wie schwache, aber dennoch besser als erwartet ausgefallene Stimmungsdaten von Unternehmen und Verbrauchern.

Der Dow Jones Industrial schloss letztlich mit minus 1,84 Prozent auf 21.917,16 Punkte knapp über seinem kurz zuvor erreichten Tagestief. Seit seiner heftigen virusbedingten Talfahrt im Februar, mit der die langjährige Rekordjagd abrupt endete und der US-Leitindex im Tief bis rund 18.200 Punkte absackte, hatte er seither bereits mehr als 20 Prozent zurückerobert. Mitte Februar allerdings hatte der Dow noch bei mehr als 29 500 Punkten gestanden. Das erste Quartal beendete er mit einem historisch kräftigem Verlust von rund 23 Prozent. Das ist der heftigste Einbruch in einem Vierteljahr seit 1987.

Der marktbreite S&P 500 verlor am Dienstag 1,60 Prozent auf 2584,59 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 gab um 0,96 Prozent auf 7813,50 Punkte nach

Dax mit leichtem Tagesplus

Am deutschen Aktienmarkt hat die Covid-19-Pandemie für ein historisch schwaches erstes Quartal gesorgt. Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen ging am Dienstag nach einem schwankungsreichen Tag zwar mit einem Plus von 1,22 Prozent bei 9935,84 Punkten aus dem Handel. Über der Marke von 10 000 Punkten konnte er sich dabei aber nicht halten. Seit Jahresbeginn hat der Index damit satte 25 Prozent an Wert verloren. Allein im März wurde ein Minus von mehr als 16 Prozent verbucht. Dabei fing alles so gut an: Noch im Februar verbuchte der Index ein Rekordhoch bei 13 795 Punkten. Ab dann ging es jedoch bergab.

Der MDax Börsen-Chart zeigen beendete den Handel seinerseits mit einem Plus von 1,89 Prozent bei 21.040,71 Punkten. Auch hier steht ein Quartalsverlust von mehr als einem Viertel zu Buche.

Am Morgen hatten unerwartet robuste chinesische Konjunkturdaten für Unterstützung gesorgt. Später waren die Vorgaben in den USA ebenfalls dank überraschend stabiler Konjunkturdaten positiv. Die britische Bank HSBC empfiehlt den Anlegern allerdings, sich angesichts der Beruhigung nach dem Corona-Crash nicht zu sehr in Sicherheit zu wähnen. Auch wenn die Kurserholung bei Investoren Optimismus geweckt habe, dass das Schlimmste vorbei sei, sollte noch nicht von einer Bodenbildung gesprochen werden, bemerkte HSBC-Marktstratege Alastair Pinder.

Bayer-Aktie profitiert nur kurz von Einigung mit Sammelklägern

In Europa setzte sich die leichte Erholung der vergangenen Tage ebenfalls fort. Der Eurostoxx 50 stieg um 0,77 Prozent auf 2786,90 Punkte. Im Februar stand der Index zwischenzeitlich noch bei 3867 Punkten. Der französische Leitindex Cac 40 legte am Dienstag um 0,40 Prozent zu und der britische FTSE 100 um rund 2 Prozent. In den USA stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss nur knapp in der Gewinnzone.

Nach einem kurzen Rutsch in die Verlustzone fingen sich die Bayer-Aktien am Nachmittag wieder und endeten mit einem Plus von 0,32 Prozent. Der Konzern hat sich mit US-Sammelklägern auf einen Vergleich im Rechtsstreit um eine angeblich irreführende Vermarktung von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat geeinigt. Bayer zahlt dafür knapp 40 Millionen US-Dollar an die Kläger. Am Vormittag hatte das noch mehr Begeisterung unter den Anlegern hervorgerufen. Die Aktie legte zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent zu. Größter Favorit im Dax waren letztlich aber die Titel von Heidelbergcement mit einem Plus von fast 6 Prozent.

Im MDax schnellten die Anteilscheine von Hellofresh dank eines optimistischen Ausblicks um mehr als 13 Prozent nach oben. Zuvor hatten sie mit 32,10 Euro ein weiteres Rekordhoch markiert. Der Kochboxenlieferant zementiert seinen Ruf als Gewinner der Corona-Krise. Im ersten Quartal dürften sowohl der Umsatz als auch der Betriebsgewinn über den Markterwartungen liegen, teilte das Unternehmen mit.

Varta schnellt hoch und stürzt dann ab

Am anderen Ende des Index gaben die Aktien des Batterieherstellers Varta um knapp 6 Prozent nach. Noch am Morgen, nachdem das Unternehmen im Rahmen seiner Zahlenvorlage einen zuversichtlichen Blick auf das laufende Jahr geworfen hatte, hatten die Papiere um fast 9 Prozent zugelegt. Ein Börsianer hatte sich jedoch skeptisch gezeigt: Die Ziele von Varta berücksichtigten noch keine Belastungen aus der Corona-Krise.

Der Bausoftwareanbieter Nemetschek geht angesichts der Coronavirus-Pandemie vorsichtig, aber letztendlich auch zuversichtlich in das neue Geschäftsjahr. Der Umsatz dürfte sich zumindest stabil entwickeln. Die Nemetschek-Titel rückten um fast 6 Prozent vor.

Schlusslicht im SDax waren die Drägerwerk-Aktien mit einem Verlust von fast 10 Prozent. Die Papiere waren in der Virus-Krise allerdings zuletzt stark gestiegen, viele Anleger sehen in der Branche einen Profiteur der Pandemie. Am Dienstag teilte der Medizin- und Sicherheitstechnik-Konzern mit, einen Großauftrag für die Lieferung von Atemschutzmasken aus Washington bekommen zu haben. Drägerwerk solle sogenannte FFP2-Masken im höheren zweistelligen Millionenbereich an das US-Gesundheitsministerium liefern.


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Euro fällt unter 1,10 Dollar

Der Euro hat am Dienstag an die Kursverluste vom Montag angeknüpft und ist unter die Marke von 1,10 US-Dollar gefallen. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,0970 Dollar gehandelt, nachdem der Kurs in der Nacht noch bei 1,1050 Dollar gestanden hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0956 (Montag: 1,1034) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9127 (0,9063) Euro.

Der Dollar konnte einen Teil seiner jüngsten Kursverluste aufholen, während der Euro im Gegenzug unter Druck geriet. Insgesamt hat sich die Lage an den Finanzmärkten etwas beruhigt. Dazu trugen positiv aufgenommene Konjunkturdaten aus China bei. Im März hatte sich die Stimmung in chinesischen Unternehmen viel stärker aufgehellt als erwartet, nachdem sie im Februar infolge der Corona-Krise beispiellos eingebrochen war.

Die am Nachmittag veröffentlichten US-Konjunkturdaten verschlechterten sich angesichts der Corona-Krise. So trübten sich das Verbrauchervertrauen und die Unternehmensstimmung in der Industrieregion Chicago im März ein. Die Rückgänge fielen aber nicht so stark aus wie erwartet. Die aktuelle Zuspitzung der Lage in den USA und die massive Einschränkung des öffentlichen Lebens war in den Daten noch nicht enthalten.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,88643 (0,88900) britische Pfund, 118,90 (119,34) japanische Yen und 1,0585 (1,0571) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1611 Dollar gehandelt. Das waren 12 Dollar weniger als am Vortag.

mit dpa und reuters

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