Börse Dax und Dow vierten Tag in Folge auf Rekordhoch

Die gute Stimmung an den Aktienmärkten hält an, bereits den vierten Tag in Folge erreichen Dax und Dow Rekordstände. Treiber hierzulande ist vor allem die Entscheidung der EZB, das Tempo ihrer Anleihenkäufe zu erhöhen.
Dax-Kurve in Frankfurt: Der deutsche Leitindex bleibt auf Rekordjagd

Dax-Kurve in Frankfurt: Der deutsche Leitindex bleibt auf Rekordjagd

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Der Dax  hat den vierten Handelstag in Folge ein Rekordhoch erreicht. Nach dem Kurssprung zu Wochenbeginn ließ die Dynamik allerdings spürbar nach - auch am heutigen Donnerstag, obwohl geldpolitische Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und neue Bestmarken an der Wall Street den deutschen Leitindex stützten.

Zum Handelsende behauptete der Dax  ein Plus von 0,20 Prozent auf 14.569,39 Punkte, nachdem er davor bis auf 14.595 Punkte geklettert war. Für den MDax  der mittelgroßen Unternehmen ging es letztlich um 1,16 Prozent auf 31.937,03 Punkte hoch. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  schloss 0,67 Prozent höher bei 3845,64 Zählern. In Paris und London legten die nationalen Indizes um 0,7 Prozent beziehungsweise 0,2 Prozent zu.

Dax

Die Währungshüter der Eurozone stemmen sich weiter mit aller Macht gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Zwar bleiben sowohl das milliardenschwere Notkaufprogramm für Anleihen als auch die Zinsen unverändert, wie der EZB-Rat in Frankfurt entschied. Das Tempo der Anleihenkäufe soll im zweiten Quartal allerdings deutlich erhöht werden. Händler sehen darin das Ziel, die zuletzt gestiegenen Renditen wieder zu drücken - was Aktien als Anlageklasse gegenüber festverzinslichen Wertpapieren begünstigt.

Experte Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel malt derzeit ein freundliches Bild für den Dax, der im Laufe dieser Woche bislang schon um über 4,5 Prozent zugelegt hat. "Der deutsche Leitindex eilt aktuell von Hoch zu Hoch", sagte der Charttechniker. Der kurzfristige Aufwärtsmodus sei damit wieder manifestiert worden. Er sieht die neuerlichen Bestmarken nur als "Durchgangsstation" zur 15.000-Punkte-Marke.

USA: Dow auf Rekordhoch, Techwerte erholen sich

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hat am Donnerstag den vierten Tag in Folge einen Rekord aufgestellt. Nach der ersten Handelsstunde gewann er 0,73 Prozent auf 32.532,29 Punkte. Beim marktbreiten S&P 500 fehlten nur etwas mehr als 14 Zähler bis zur Bestmarke, er notierte zuletzt mit plus 0,96 Prozent auf 3936,18 Punkten. Weiter auf Aufholjagd befand sich der technologielastige Nasdaq 100 mit plus 1,82 Prozent auf 12.984,34 Punkte.

Nasdaq 100

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Delivery Hero an Dax-Spitze

Bei den Einzelwerten waren die Kursbewegungen wie zuletzt von wechselnden Branchenpräferenzen geprägt. Im derzeit besonders schwankungsreichen Technologiesektor erholten sich die Aktien von Infineon  im Dax um über 3,5 Prozent von ihrem verlustreichen Vortag. Auch die Aktien von Corona-Gewinnern waren dieses Mal wieder gefragt: Delivery Hero  legten als Dax-Spitzenreiter um fast 4 Prozent zu und Hellofresh  im MDax um rund 6 Prozent.

Die zuletzt als Zykliker favorisierten Banken- und Autowerte waren dagegen unter den Verlierern zu finden. Papiere der Deutschen Bank  und von Volkswagen  büßten zwischen 1,5 und 2 Prozent ein. Die Aktien von BMW  weiteten ihr Minus sogar auf 3,5 Prozent aus. In den vom Autobauer vorgelegten Eckdaten sahen Experten aber nicht viele Neuigkeiten.

Die Anteilsscheine von Dax-Schlusslicht Bayer  rutschten um 3,7 Prozent ab. Hier drehte der Kurs scharf, nachdem am Vortag neue Mittelfristziele sehr gut angekommen waren. Am Donnerstag gab es nun aber vereinzelt kritische Stimmen vor allem zu den Aussichten im Pharmageschäft.

K+S und Lanxess unter Druck

Im MDax konnten sich die Aktien von K+S nach dem gestrigen Kurseinbruch um mehr als 2,5 Prozent erholen. Schwache Eckdaten und enttäuschende Ziele für 2021 waren schon bekannt, nun wurde den Aktionären für das vergangene Jahr auch die Dividende gestrichen.

Beim Index-Schlusslicht Lanxess  bestraften die Anleger enttäuschende Ziele mit einem Kursverlust von 4,8 Prozent nach einem Hoch seit zweieinhalb Jahren. Börsianer stellten fest, dass der Mittelwert der für 2021 vom Chemiekonzern angepeilten Zielspanne für den operativen Gewinn (Ebit) leicht unter den Markterwartungen liege.

Darüber hinaus berichtete der Modekonzern Hugo Boss  über das vergangene Jahr. Die zuletzt gut gelaufenen Aktien büßten rund 3,5 Prozent ein. Börsianer bewerteten das Ergebnis im vierten Quartal als schwach und den Ausblick als zurückhaltend.

Etwas besser wurden Neuigkeiten von Hannover Rück  aufgenommen: Die Aktien stiegen nach endgültigen Zahlen um 0,4 Prozent. Lob gab es am Markt für die Kapitalstärke des Rückversicherers. Euphorisch fiel die Kursreaktion angesichts einer gestrichenen Sonderdividende allerdings nicht aus.

Bitcoin über 55.000 Dollar

Gefragt war auch weiterhin die Digitalwährung Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise pendelte am Donnerstagmorgen um die Marke von 55.000 US-Dollar. Am Vortag hatte Bitcoin zeitweise wieder bei 57.000 US-Dollar und damit in der Nähe seines Rekordhochs notiert. "Anleger haben offensichtlich den jüngsten Kursrutsch als Wiedereinstiegsgelegenheit erachtet", sagte ein Börsianer.

Euro kann Gewinne nicht halten

Der Euro hat am Donnerstag zwischenzeitliche Gewinne nicht halten können. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1940 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Morgen. Zeitweise war der Euro bis auf 1,1974 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1969 (Mittwoch: 1,1892) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8355 (0,8409) Euro.

USD/EUR

Beflügelt wurde der Euro zunächst durch die gute Stimmung an den Aktienmärkten. Für leichte Belastung sorgte am Nachmittag die EZB. Zwar bestätigte die Notenbank des Euroraums ihre grundlegende geldpolitische Haltung. Allerdings will sie ihre Wertpapierkäufe zur Stützung der Konjunktur übergangsweise beschleunigen. Hintergrund ist der spürbare Anstieg der Kapitalmarktzinsen, der von den USA nach Europa herübergeschwappt ist. Auslöser ist das billionenschwere Konjunkturpaket der US-Regierung unter Präsident Joe Biden.

Die EZB reagiert auf den Zinsanstieg, weil er die Finanzierungsbedingungen von Verbrauchern, Unternehmen und Staaten zu verschlechtern droht. Die Entwicklung hatte in den vergangenen Wochen auf die Stimmung an den Aktienmärkten geschlagen. Der Euro wurde durch den Schritt der EZB belastet, weil er als übergangsweise geldpolitische Lockerung interpretiert werden kann.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85670 (0,85655) britische Pfund, 129,82 (129,12) japanische Yen und 1,1066 (1,1069) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1724 Dollar gehandelt. Das war gut ein Dollar weniger als am Vortag.

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise sind am Donnerstag kräftig gestiegen. Am Markt wurde die gute Börsenstimmung als Hauptgrund genannt. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 69,53 US-Dollar. Das waren 1,63 Dollar mehr als am Mittwoch. Der Preis für amerikanisches Erdöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,38 Dollar auf 65,82 Dollar.

Brent

Die Ölpreise profitierten vor allem von der Risikofreude der Anleger. Der Dollar als Weltreservewährung war aufgrund der guten Marktstimmung weniger gefragt. Davon profitierte Rohöl, weil es in der US-Währung gehandelt wird. Fällt der Dollarkurs, steigt meist die Nachfrage aus Ländern außerhalb des Dollarraums.

Die Ölpreise profitieren schon seit Längerem von der Aussicht auf eine Eindämmung der Corona-Pandemie. Damit werden eine konjunkturelle Erholung und eine steigende Erdölnachfrage in Verbindung gebracht. Auf der Angebotsseite wird die Förderung durch den Ölverbund Opec+ begrenzt. Das stützt die Preise.

mit Nachrichtenagenturen