Börse Dax schließt im Minus, Infineon gefragt

Der Dax schließt im Minus. Ein Rückruf beim VW Golf belastet die Aktien von Volkswagen. Dagegen legt der Chiphersteller Infineon deutlich zu.
Börse Frankfurt: Der Dax schwankt um die Marke von 14.000 Punkten

Börse Frankfurt: Der Dax schwankt um die Marke von 14.000 Punkten

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Frank Rumpenhorst / dpa

Ungeachtet eines womöglich noch länger dauernden Lockdowns als bisher geplant hat sich der  Dax   am Dienstag recht wacker geschlagen. Der deutsche Leitindex beendete den Handel mit minus 0,1 Prozent auf 13.925 Punkten. Der MDax für mittelgroße Werte gewann 0,28 Prozent auf 31.188Punkte. Der EuroStoxx 50   schloss 0,23 Prozent schwächer auf 3612,13 Punkte zu. Moderat im Minus lagen auch der französische Cac 40 und der britische FTSE 100 , während sich der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss nur wenig verändert zeigte.

Politiker in Deutschland diskutieren derzeit bereits angesichts einer neuen, wohl noch wesentlich ansteckenderen Variante des Coronavirus über eine Verlängerung des aktuellen Lockdowns bis weit über den Januar hinaus, möglicherweise sogar bis Ostern. Dass sich der Dax vor diesem Hintergrund nicht weiter von der 14 000er-Marke nach unten absetze und eine erstaunliche Stabilität zeige, sei eine Überraschung.

Eine Anhebung der Prognose trieb die Aktien der Deutschen Post um 2,15 Prozent nach oben. An ihr vor zwei Monaten erreichtes Rekordhoch kamen sie aber nicht heran. Der Logistiker geht dank der anhaltend guten Geschäftslage in der Corona-Pandemie noch selbstbewusster in die Folgejahre. Mit dem vierten Quartal habe der Konzern die Erwartungen klar übertroffen, sagten Analysten. Von Analystenurteilen bewegt wurden Infineon mit plus 3,19 Prozent. Die Deutsche Bank äußerte sich nach positiven Zwischenberichten aus der Halbleiterbranche optimistisch zu den Aktien des Chipherstellers Infineon und setzte das Kursziel auf 40 Euro hoch. Die Aktien der Versorger RWE und Eon zählten zu den schwächsten Werten im Dax mit Abschlägen von 2,85 beziehungsweise 2,33 Prozent.

Die Anteile von Shop Apotheke sprangen um 8,66 Prozent hoch und waren damit Spitzenreiter im Index der mittelgroßen Werte. Die Bank of America nahm die Bewertung der Aktien mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 200 Euro auf.

Gold und Rohöl gefragt, Bitcoin erholt sich

So versprächen sich Anleger von den erwarteten weiteren staatlichen Konjunkturhilfen in den USA einen Schub für die Weltwirtschaft, sagte der unabhängige Analyst Ross Norman. Dadurch werde wohl auch die Inflation anziehen, weshalb einige von ihnen zur Absicherung zu Gold griffen. Das Edelmetall verteuerte sich um ein knappes Prozent auf 1860 Dollar je Barrel (159 Liter). Rohöl war ebenfalls gefragt. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee stieg um 1,4 Prozent auf 56,44 Dollar je Barrel (159 Liter). Saudi-Arabien sorge mit seinen freiwilligen zusätzlichen Produktionskürzungen dafür, dass die Nachfrage über dem Angebot verharre, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Für Bitcoin ging es ebenfalls wieder aufwärts. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise legte auf 34.708 Dollar zu, nachdem sie in den vorangegangenen Tagen um knapp 30 Prozent eingebrochen war.

Dax

Rückruf beim VW-Golf setzt Volkswagen-Aktie zu

Am deutschen Aktienmarkt rückte Volkswagen ins Rampenlicht. Der Autobauer ruft 56.000 Fahrzeuge seines Erfolgsmodells Golf wegen Softwareproblemen in die Werkstätten. VW-Aktien verloren daraufhin 1,5 Prozent. Es sind nicht die ersten Softwareprobleme bei Volkswagen. Konkurrent Tesla ist den Wolfsburgern in dieser Hinsicht auf Jahre voraus. Der weltgrößte Autobauer hat außerdem im Corona-Krisenjahr 2020 mit seiner Kernmarke VW 15,1 Prozent weniger Autos verkauft als noch im Vorjahr, teilten die Wolfsburger am Vormittag mit. Weltweit brachte die Marke VW Pkw im abgelaufenen Jahr rund 5,3 Millionen Wagen an die Kunden - fast eine Million weniger als noch im Vorjahr. Besonders die Heimatregion Westeuropa schnitt dabei spürbar schlechter ab, hier betrug das Minus knapp ein Viertel (23,4 Prozent). China, wo sich die Pandemie-Lage zwischenzeitlich wieder stabilisiert hatte, stand mit einer Abnahme um 9,9 Prozent in der Jahres-Absatzstatistik.

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Wall Street startet kaum verändert

In den USA sind Dow Jones und Nasdaq kaum verändert in den Handel gedroht. In den USA steigt der Druck auf den scheidenden Präsidenten Donald Trump (74) - mit einem drohenden Amtsenthebungsverfahren. "Das Verfahren an sich hat für die Börsen keine allzu große Bedeutung. Denn in acht Tagen muss Trump das Weiße Haus ohnehin verlassen", sagte Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. Sollte es jedoch zu weiteren gewaltsamen Aufständen der Trump-Anhänger kommen, sieht der Experte dies anders. Unter den Anlegern überwiege derzeit der Optimismus, dass der designierte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag ein milliardenschweres Konjunkturprogramm vorstellen wird und dass die US-Notenbank Fed noch weit von einer strafferen Geldpolitik entfernt ist, erklärte Marktanalyst Edward Moya vom Broker Oanda.

Nasdaq 100

Zoom und Uber im Blick

Bei den Einzelwerten könnten die Aktien von Zoom einen Blick wert sein. Der Videokonferenzdienst will seine Kassen mit einer Aktienplatzierung im Wert von mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar auffüllen. Der Zeitpunkt ist allerdings nicht besonders günstig für Zoom: Der Aktienkurs liegt momentan um rund 40 Prozent unter dem Höchststand von Mitte Oktober. Im frühen US-Handel notierten die Papiere rund 2,6 Prozent im Minus.

Dagegen stiegen die Anteilsscheine von Uber um 1,1 Prozent, obwohl der Vision Fund der Softbank Group mitgeteilt hatte, Uber-Aktien im Wert von rund 2 Milliarden Dollar verkauft zu haben. Wie aus einer Einreichung bei der U.S. Securities & Exchange Commission hervorgeht, hält SoftBank noch etwa 184 Millionen Papiere des Fahrdienst-Vermittlers, die zum aktuellen Kurs rund 10 Milliarden Dollar wert sind.

Asien: Nikkei erklimmt neues 30-Jahres-Hoch

An den asiatischen Börsen haben Anleger leichte Kursrücksetzer zu Aktienkäufen genutzt. In Tokio kletterte der japanische Leitindex am Dienstag auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten. Vor allem Pharmawerte ließen den Nikkei-Index  0,1 Prozent auf 28.164 Punkte anziehen.

"Investoren kauften Aktien zurück, sobald der Markt zu fallen begann, was die fundamentale Stärke der Nachfrage zeigt", sagte Marktstratege Masahiro Ichikawa vom Vermögensverwalter Sumitomo Mitsui. Für positive Stimmung sorgte ein Bericht, demzufolge ein Medikament von Chugai Pharmaceutical bei der Behandlung von Covid-19-Patienten wirksam sei. Die Aktien des Pharmakonzerns legten rund 6 Prozent zu. Der Branchenindex zog 1,7 Prozent an.

Die Börse in Shanghai sowie der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen stiegen um mehr als 2 Prozent. Auch in Hongkong ging es nach oben. Dagegen setzten Gewinnmitnahmen den Index in Südkorea unter Druck. 

Euro kaum verändert unter 1,22 Dollar

Der Euro stabilisierte sich nach einer knappen Woche mit überwiegenden Kursverlusten. Nach Börsenende kostete die Gemeinschaftswährung 1,2169 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2161 (Montag: 1,2163) Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,8223 (0,8222) Euro gekostet. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,56 Prozent am Vortag auf minus 0,51 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,22 Prozent auf 145,80 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,25 Prozent auf 176,46 Punkte nach.

EUR/USD

Seit Mitte der vergangenen Woche hat der Euro im Handel mit dem Dollar etwa 1,5 Prozent an Wert verloren. Ursache war eine Stärke der amerikanischen Währung, die den Euro im Gegenzug unter Druck setzte. Als eine Ursache für den Kursgewinn des Dollar gilt der zuletzt vergleichsweise starke Anstieg der Renditen für amerikanische Staatsanleihen.

Mittlerweile werden amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren mit einer Rendite von etwa 1,15 Prozent gehandelt. Zum Vergleich: Bei der zehnjährigen Bundesanleihe liegt die Rendite deutlich niedriger bei minus 0,50 Prozent. Im weiteren Tagesverlauf wird mit einem eher impulsarmen Handel am Devisenmarkt gerechnet. Es stehen keine wichtigen Konjunkturdaten auf dem Programm, an denen sich die Anleger orientieren könnten.

Ölpreis steigen leicht

Die Ölpreise haben am Dienstag etwas zugelegt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 55,75 US-Dollar. Das waren neun Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 13 Cent auf 52,38 Dollar.

Brent

Brent

Am Ölmarkt ist der starke Preisanstieg seit dem Jahresbeginn vorerst beendet. Am Markt wird auf die Kursentwicklung des Dollar verwiesen, der die Ölpreise bremst. In den vergangenen Handelstagen hatte die amerikanische Währung an Wert gewonnen. Ein stärkerer Dollar macht das in Dollar gehandelte Rohöl auf dem Weltmarkt teurer und belastet somit die Nachfrage.

Außerdem rückten Aussagen der Internationalen Energiebehörde (IEA) in den Mittelpunkt. Der Interessenverband führender Industriestaaten rechnet wegen der höheren Ölpreise mit einer deutlichen Zunahme der Ölförderung in den USA durch die vergleichsweise kostspielige Fracking-Methode. Eine höhere Fördermenge in den USA könnte allerdings zu einer Überversorgung des Marktes mit Rohöl führen.

mg/dpa-afx, Reuters
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