Rekordhoch Dax geht durch die Decke

Der Dax springt zu Wochenbeginn auf über 14.400 Punkte - zum Schluss steht ein Plus von 3,3 Prozent. Lieblinge der Corona-Zeit verlieren, starke Käufe treiben BMW, Daimler und Bankenwerte. "Wahnsinn! Es wird alles andere ausgeblendet", sagt ein Händler.
Beste Laune an der Frankfurter Börse: Kein Wunder - bei diesem Kurssprung im Dax ...

Beste Laune an der Frankfurter Börse: Kein Wunder - bei diesem Kurssprung im Dax ...

Foto: A4014 Marius Becker/ picture alliance / dpa

Der deutsche Aktienindex Dax  hat zum Wochenbeginn eine Bestmarke erreicht. Der Leitindex baute nach freundlichem Start seine Gewinne stetig aus und stellte am Nachmittag mit 14.402 Punkten den nächsten Rekord auf. Am Ende brachte der Dax mit 14.381 Punkten ein Plus von 3,31 Prozent über die Ziellinie. Der MDax  konnte dem nur etwas reduziert folgen, er rückte um 1,94 Prozent vor auf 31.310 Punkte.

Dax

"Was hier passiert, ist der Wahnsinn. Es wird alles andere ausgeblendet", kommentierte ein Händler den rasanten Kursanstieg. Dabei sei bei den billionenschweren Corona-Staatshilfen in den USA lediglich alles so gekommen wie angekündigt. Alles andere wie etwa die Inflationssorgen oder der Einbruch der Wirtschaft durch den Lockdown würden zurzeit zur Seite geschoben.

Anfang Januar hatte der Dax erstmals die Latte von 14.000 Zählern übersprungen, sich im Anschluss aber schwergetan, sich von dieser Marke abzusetzen. "Der Index profitiert jetzt von dem, was ihm zuvor das Leben schwer machte, dem Mangel an Technologieaktien", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. "Banken, zyklische Aktien, Industrie – sie sind stattdessen die neuen Favoriten der Aktienkäufer."

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

International folgte der gesamteuropäische EuroStoxx 50  dem Dax um 2,6 Prozent nach oben. Auch der Pariser Cac stieg um mehr als zwei Prozent, der Londoner FTSE 100 jedoch hinkte etwas hinterher. In New York lag der Dow Jones  Industrial zum hiesigen Handelsschluss mit 1,4 Prozent im Plus, baute seine Zugewinne aber bis 18.45 Uhr auf rund 1,9 Prozent aus. Technologiewerte standen mehrheitlich auf den Verkaufslisten: Der Nasdaq 100  mit 0,7 Prozent im Minus notierte.

Der jüngste Paradigmenwechsel setzte sich am Montag fort: Anleger verabschiedeten sich weiter von ihren bisherigen Lieblingen in der Corona-Zeit und setzten auf die im Dax besonders stark vertretenen Zykliker, deren Geschäfte von einem Abklingen der Pandemie profitieren können. Allen voran rutschten die Aktien des Kochboxenlieferanten Hellofresh  im MDax um fünf Prozent ab. Hier kam laut Händlern eine Abstufung durch die Experten von Exane BNP als Belastung hinzu.

Das Umschichten der Anleger machte sich in Kurssprüngen bei den Aktien aus dem Auto- und Bankensektor bemerkbar. Papiere von Continental , BMW  und Daimler  rückten zwischen 3,2 und 5,3 Prozent vor, während jene der Deutschen Bank  um 4,3 Prozent auf ein Hoch seit 2018 stiegen. Im Finanzsektor sieht JPMorgan-Aktienstratege Mislav Matejka ein attraktives Anlageumfeld auch in Erwartung weiter steigender Marktzinsen.

Allgemein sieht Matejka weiteres Potenzial in Werten, die von einer Lockerung der Restriktionen in der Corona-Pandemie profitieren - ein Szenario, auf das sich Aktienanleger derzeit vor allem im Reise- und Freizeitsektor einlassen. So ging es für die Papiere der Lufthansa  und des Flughafenbetreibers Fraport  im MDax um 5,7 respektive 7,4 Prozent bergauf.

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Auch die Aktien aus der Flugzeugindustrie waren vor diesem Hintergrund gefragt. Airbus  verzeichneten einen Kursanstieg von 5,4 Prozent. Bei dem Flugzeugbauer nahm die Auslieferung neuer Maschinen nach einem schwachen Jahresstart im Februar etwas an Fahrt auf. Im Schlepptau legten die Aktien des Triebwerkbauers MTU  im Dax um 4,9 Prozent zu.

Zum Spitzenreiter im Dax avancierten aber die Aktien der Deutschen Post , die ihre Gewinne im Tagesverlauf auf 6,5 Prozent ausbauten. Der Logistiker erfreute seine Aktionäre mit der Ankündigung eines Aktienrückkaufs und einer höheren Dividende.

Unter den übrigen Nebenwerten sorgten die Anteile des Autozulieferers Leoni  mit einem Kurssprung um fast zwölf Prozent für Aufsehen. Als Treiber galten hier neben der allgemein guten Branchenstimmung die Pläne des neuen Aktionärs Stefan Pierer, der in einem Medieninterview eine Erhöhung seiner Beteiligung nicht ausschließen wollte. Laut Händlern schürte dies Übernahmespekulationen.

Schlagzeilen machte in New York, dass das billionenschwere Konjunkturpaket von US-Präsident Joe Biden am Wochenende den Senat passiert hat. "Für die Anleger dürften weitere Liquiditätsschwemmen weiteres Wasser auf die Mühlen sein", kommentierte Marktexperte Timo Emden. Die Kehrseite besteht aus steigenden Zinsen als Ausdruck von Wachstumsoptimismus und Inflationsängsten.

Euro fällt auf Dreimonatstief

Der Euro ist am Montag zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende November gefallen. Am Nachmittag sank der Kurs der Gemeinschaftswährung bis auf 1,1857 US-Dollar. Zuletzt erholte sich der Euro etwas und kostete 1,1881 Dollar. Am Morgen hatte er noch über 1,19 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1866 (Freitag: 1,1938) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8427 (0,8377) Euro.

USD/EUR

Der Euro wird schon seit einiger Zeit durch einen steigenden Dollar unter Druck gesetzt. "Grund für die Dollar-Stärke sind die rosigen Konjunkturaussichten in den USA", kommentierte Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank. "Schnelle Impfungen, ein sich schnell erholender Arbeitsmarkt, all das sind Signale, die in diese Richtung deuten." Bis in Europa deutliche Impffortschritte sichtbar würden, dürfte der Euro laut Leuchtmann unter Druck bleiben.

Ölpreise steigen zeitweise stark

Die Ölpreise sind am Montag nach anfänglichen Kursgewinnen unter Druck geraten. Zu Handelsbeginn hatten die Preise noch mit deutlichen Aufschlägen auf einen Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen reagiert.

Brent

Ein Barrel (159 Liter) Brent kostete zuletzt 69,57 Dollar. Das waren 78 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Erdöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) sank um 85 Cent auf 65,20 Dollar. Am Morgen war der Brent-Preis bis auf 71,38 Dollar gestiegen, ein Fass WTI kostete bis zu 67,98 Dollar. Der WTI-Preis erreichte so zeitweise den höchsten Stand seit Oktober 2018.

Auslöser des Preissprungs war ein Angriff jemenitischer Huthi-Rebellen auf Ölanlagen Saudi-Arabiens. Die Raketen wurde jedoch von Saudi-Arabien abgefangen und beeinträchtigten so die Ölförderung nicht. Es wurden Erinnerungen an einen ähnlichen Angriff im Spätsommer 2019 wach. Auch damals wurden Ölanlagen in Saudi-Arabien attackiert, seinerzeit wurden jedoch schwere Schäden angerichtet. In Ras Tanura, das jetzt zu den Zielen der Rebellen zählte, befinden sich die größten Ölhäfen und Exportterminals Saudi-Arabiens.

Vergangene Woche hatte der Ölverbund Opec+ seine Förderung zur Überraschung vieler Marktteilnehmer nicht angehoben und für Auftrieb bei den Ölpreisen gesorgt. Vielfach war erwartet worden, dass die Produktion in der Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung erhöht wird. Die Rohölpreise sind in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen und haben ihren schweren Einbruch während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 wettgemacht.

mit Nachrichtenagenturen
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