Börse Dax auf Rekordhoch, Nasdaq und Ölpreise knicken ein

Der Dax bleibt auf Rekordjagd und nähert sich der Marke von 15.000 Punkten. In den USA trennen sich Anleger von Techwerten - der Nasdaq 100 rauscht abwärts.
Die Bullen sind los: Der Dax markiert am Donnerstag ein weiteres Rekordhoch. Im späten Handel nehmen Anleger jedoch Gewinne mit

Die Bullen sind los: Der Dax markiert am Donnerstag ein weiteres Rekordhoch. Im späten Handel nehmen Anleger jedoch Gewinne mit

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Die weiterhin sehr lockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat die Börsen-Rally am Donnerstag befeuert. Der Dax  rückte bis zum Schluss des Xetra-Handels um 17.30 Uhr um 1,2 Prozent auf 14.775 Punkte vor und erklomm eine weitere historische Höchstmarke. "Der Dax läuft und läuft und läuft", hieß es in einem Marktkommentar der Bank HSBC. Im späten Handel gab der Dax jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab, da der US-Techindex Nasdaq 100 am Donnerstag seine Verluste zeitweise auf 3 Prozent ausbaute. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen blieb mit einem Aufschlag von 0,33 Prozent auf 31 972 Punkte hinter dem Dax zurück. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50  beendete den Handel 0,46 Prozent höher auf 3867,54 Zähler und erreichte den höchsten Stand seit fast 13 Jahren.

Dax

Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend die Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Preise kräftig erhöht und setzt im Kampf gegen die Corona-Krise unverändert auf eine extrem lockere Geldpolitik. Trotz der höheren Inflationsprognose haben die Notenbanker ihre Zinserwartungen nicht verändert und rechnen bis 2023 weiter mit Leitzinsen an der Nullmarke. Hohes Wachstum bedeute für die Fed noch lange nicht, dass die Leitzinsen steigen - kein Wunder also, dass die Börsen die jüngsten Beschlüsse der Fed mit Kursgewinnen begrüßten, schrieb Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Anleihen unter Verkaufsdruck - Bitcoin testet 60.000 Dollar

Wegen der Aktienrally zogen Investoren Geld aus "sicheren Häfen" wie Staatsanleihen ab. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds auf ein 14-Monats-Hoch von plus 1,754 Prozent. Vergleichbare Titel des Bundes rentierten bei minus 0,264 Prozent.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Der Bitcoin sprang zeitweise erneut über die 60.000er Marke. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise gewann dreieinhalb Prozent auf 60.099 Dollar, gab dann aber wieder nach. "Kryptowährungen bleiben in den Augen vieler Investoren ein Fluchtweg, um sich gegenüber Inflationsrisiken abzusichern", hieß es am Markt.

Bitcoin

VW-Vorzugsaktie schließt nach Kurssprüngen im Minus

Im Dax setzten die Volkswagen -Vorzüge ihren Höhenflug fort. In der Spitze stiegen sie um weitere fast zehn Prozent, bröckelten dann aber wieder ab und büßten am Ende 3,4 Prozent ein. US-Anleger machten Kasse, nachdem sie VW in Foren wie "Wall Street Bets" auf der Internet-Plattform Reddit als das neue Tesla gefeiert hätten, sagte ein Börsianer. Die Offensive des Autobauers in puncto E-Mobilität hatte die Papiere seit Tagen stark nach oben getrieben. Volkswagen hat inzwischen SAP als wertvollstes Unternehmen im Dax abgelöst. Daimler  und BMW  verbuchten dagegen Kursgewinne von 4,2 beziehungsweise 0,8 Prozent.

Bankenaktien profitierten von weiter steigenden Anleiherenditen. Deutsche Bank  gewannen auf dem ersten Platz im Dax 4,9 Prozent, Commerzbank  auf Platz zwei im MDax 4,3 Prozent.

Der Pharmazulieferer Sartorius  erhöhte nach einem starken Jahresstart die Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr. Die Anhebung falle extrem aus und überrasche, sagte ein Händler. Die im MDax notierten Vorzüge schossen in der Spitze um mehr als 11 Prozent hoch und notierten zum Handelsschluss dann acht Prozent im Plus. Dagegen zogen überraschend hohe Verluste des schweizerischen Arzneihändlers Zur Rose hierzulande die Papiere der Shop Apotheke  mit nach unten. Sie waren mit minus 5,3 Prozent das Schlusslicht im MDax.

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US-Börsen: Dow im Minus, Nasdaq knickt ein

Die Freude der US-Anleger über eine anhaltend lockere Geldpolitik der Fed ist am Donnerstag wieder verpufft. Steigende Anleiherenditen machten vor allem Technologiewerten zu schaffen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent tiefer auf 32.862 Punkten. Im Handelsverlauf hatte das Marktbarometer noch einen neuen Rekord aufgestellt. Der technologielastige Nasdaq gab sogar drei Prozent auf 13.116 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 1,5 Prozent auf 3915 Punkte ein.

US-Notenbankchef Jerome Powell hatte den Anlegern signalisiert, dass die verbesserten Konjunkturaussichten nicht mit einem nachhaltigen Inflationsanstieg verbunden sind und die Fed die Geldschleusen weit geöffnet lassen wird. Auch in den USA seien Aktienanleger weiterhin grundsätzlich positiv gestimmt, sagte Chris Zaccarelli, Chefstratege beim Vermögensberater Independent Advisor Alliance. "Der Markt denkt aber bereits einen Schritt voraus und macht sich Sorgen über die Inflation", fügte er hinzu. Wegen der Aktienrally zogen Investoren Geld aus "sicheren Häfen" wie Staatsanleihen ab. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds auf ein 14-Monats-Hoch von plus 1,754 Prozent. Steigende Anleihe-Renditen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen.

Das machte vor allem den Tech-Riesen wie Apple, Facebook, Netflix und Amazon.com zu schaffen, deren Aktien bis zu 3,8 Prozent abgaben. Papiere von Geldhäusern profitierten hingegen von dem Zinsanstieg.

Nasdaq 100

Euro erholt sich gegenüber dem Dollar

Der Euro konnte die Gewinne aus dem frühen Handel nicht halten. Starke Konjunkturdaten aus den USA favorisierten den US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung wechselte am Abend mit 1,1933 Dollar den Besitzer. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1912 Dollar noch etwas tiefer festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,37 Prozent am Vortag auf minus 0,33 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,21 Prozent auf 144,69 Punkte. Der Bund-Future sank am Abend um 0,34 Prozent auf 170,76 Punkte.

USD/EUR

Ölpreise stark unter Druck

Die Ölpreise sind am Donnerstag im Nachmittagshandel stark unter Druck geraten. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete zuletzt 65,55 US-Dollar. Das waren 3,45 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) fiel um 3,58 Dollar auf 61,03 Dollar.

Brent

Händler verwiesen auf den gestiegen Wechselkurs des US-Dollar. Rohöl wird in Dollar gehandelt. Ein höherer Dollarkurs macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer. Zudem verweisen auch auf die nur schleppend verlaufenden Impfungen in einigen Teilen der Welt. Anfang März war der Brent-Preis noch über 71 Dollar gestiegen.

Auslöser für den starken Rückgang sind auch Sorgen über ein möglicherweise überhöhtes Ölangebot. Hierzu trugen zum einen Äußerungen der Internationalen Energieagentur IEA vom Vortag bei. Die IEA trat Prognosen einiger Rohstoffanalysten entgegen, die am Erdölmarkt teils starke Preisanstiege erwarten. Dagegen verwies die Organisation auf ein hohes Angebot. "Die IEA versetzt Optimisten am Ölmarkt einen Dämpfer", kommentierte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Er verwies außerdem auf die Aussagen des Interessenverbands zu den Ölreserven. Demnach gibt es auf dem Weltmarkt weiterhin reichlich Lagerbestände.

mit Nachrichtenagenturen