Börse Dax und Dow Jones mit Gewinnen, Curevac steigt zweistellig

Der Dax startet einen Erholungsversuch. Pharmawerte wie Bayer und Curevac sind gefragt. Flashmob-Trader lassen den Silberpreis deutlich steigen.
Dax im Plus: Anleger greifen wieder zu

Dax im Plus: Anleger greifen wieder zu

Foto: A3472 Frank May/ dpa/dpaweb

Erholung nach dem Kursrutsch: Nach der schwachen Vorwoche ist der deutsche Leitindex Dax am Montag bis zum Schluss des Xetra-Handels (17.30 Uhr) um 1,4 Prozent auf 13.622 Zähler gestiegen. In der Vorwoche hatte der Dax  unter starken Schwankungen mehr als 3 Prozent verloren. Der MDax der mittelgroßen Werte stieg zu Wochenbeginn um 1,14 Prozent auf 31 441,30 Punkte.

Dax

Im Kampf gegen das Coronavirus gab es zu Wochenbeginn gute Nachrichten: Nach dem schleppenden Start der Impfungen in Deutschland kommt mehr dringend erhoffter Nachschub in Sicht. Bis zum Sommer sollen die Liefermengen deutlich anziehen, wie aus einer neuen Schätzung des Gesundheitsministeriums hervorgeht.

Flashmob-Trader in Aktion: Silberpreis legt zu, Varta fällt

Für Unsicherheit und starke Kursschwankungen sorgt auch hierzulande weiter der «absurde Kurskrieg um Gamestop & Co», wie es die Landesbank Baden-Württemberg formuliert. Es findet ein Kräftemessen zwischen professionellen Leerverkäufern und privaten Anlegern statt, die sich zuvor in Internet-Foren mobilisiert haben. Allgemein stehen daher Werte im Fokus, in denen große Spekulanten auf fallende Kurse setzen. Ein Spielball sind etwa die Papiere von Varta, die in der Vorwoche zeitweise um über ein Drittel nach oben geschossen waren. Am Montag nun rutschten die Anteile des Batterieherstellers als klarer MDax-Verlierer um rund acht Prozent ab, nachdem sich die Leerverkäufer in der Vorwoche wohl zumindest größtenteils zurückgezogen hatten. Den Silberpreis trieben Spekulationen derweil zu Wochenbeginn auf das höchste Niveau seit Anfang 2013.

Silberpreis schießt in die Höhe

Unterdessen schoss der Preis für Silber in GameStop-Manier auf ein Acht Jahres-Hoch von 30,03 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). "Die Reddit-Gemeinde hat ihre Aufmerksamkeit von Gamestop ab- und dem Edelmetallmarkt zugewendet", sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Dies verschaffe Aktien-Investoren nach den jüngsten Kurskapriolen bei dem US-Videospielehändler und anderen Werten eine Verschnaufpause.

Nach einer Branchenstudie der Investmentbank Barclays standen zudem Immobilienwerte im Fokus der Anleger - vor allem Aktien von Wohnimmobilien-Unternehmen, die der Analyst Sander Bunck weiter bevorzugt. Für Deutsche Wohnen und Grand City Properties sprach der Experte Empfehlungen aus, was den Papieren kräftig Auftrieb gab. Deutsche Wohnen waren mit 3,47 Prozent plus der beste Dax-Wert.

Europaweit hat sich die Stimmung derweil ebenfalls wieder deutlich aufgehellt. So zog der EuroStoxx 50 um 1,42 Prozent auf 3530,85 Punkte an. Der französische Cac 40 und der britische FTSE 100 schlossen jeweils rund 1 Prozent im Plus. In New York legte der Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss um knapp 1 Prozent zu.

Ebenfalls eine Empfehlung, diesmal von der Deutschen Bank, stellt die Papiere von Sartorius ins Rampenlicht. Der Analyst Falko Friedrichs setzt darauf, dass sich das starke Wachstum des Pharma- und Laborausrüsters auch im laufenden Jahr fortsetzt - und vermutlich auch künftig.

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Wall Street startet mit Gewinnen

Nach deutlichen Verlusten in der Vorwoche haben die US-Börsen am Montag einen Erholungsversuch gestartet. Der Dow Jones Industrial legte zum Handelsstart 0,75 Prozent zu auf 30 208 Punkte und der Nasdaq 100 notierte mit plus 1,1 Prozent bei 13 062 Punkten. Vor allem der Kampf zwischen im Internet organisierten Kleinspekulanten einerseits und den auf fallende Kurs setzenden professionellen Hedgefonds hatte laut der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Käufervertrauen an der Wall Street zuletzt belastet. Nun sei die Börsenaufsicht in der Pflicht.

Nasdaq

Curevac mit Kurssprung an der Nasdaq - Bayer hilft bei der Produktion

Curevac gewannen im frühen 10 Prozent. Gemeinsam mit dem Pharmakonzern Bayer soll die Produktion des Covid-19-Impfstoffs ausgeweitet werden. Eine bereits Anfang Januar geschlossene Kooperation wurde erweitert.

Mit Quartalszahlen werden zudem im Tagesverlauf die Papiere von Warner Music , Electronic Arts und NXP Semiconductors in den Blick rücken. Außerdem werden kurz nach dem Handelsstart die viel beachteten ISM-Stimmungsdaten aus der US-Industrie veröffentlicht. Zudem stehen noch Daten zu Bauinvestitionen an.

Erste Justizbehörden zumindest haben sich in die Auseinandersetzung um die Spekulationen mit den Aktien des Videospielhändlers Gamestop und anderer Unternehmen an der US-Börse inzwischen eingeschaltet. Der Broker Robinhood, der bereits mit Nutzungsbeschränkungen reagiert hatte, schränkt zudem weiter den Handel mit Gamestop-Aktien sowie von weiteren sieben Unternehmen, darunter auch AMC Entertainment , ein.

Vorbörslich zeigten sich die Gamestop-Papiere heftig schwankend, aber überwiegend mit Verlusten. Zuletzt zeigten sie sich dann unverändert. Allerdings ist die Aktie allein am Freitag um 68 Prozent nach oben geschossen und - seit dem Freitag davor - in der Spitze um rund 640 Prozent. Die Papiere der ebenfalls zum Spielball gewordenen Kinokette AMC, die am Freitag um 54 Prozent hochgeschossen waren, legten indes vorbörslich um weitere 24 Prozent zu.

Impfgipfel bei Bund und Ländern

Unabhängig davon warteten Börsianer gespannt auf Ergebnisse des Impfgipfels, auf dem Bund und Länder über eine Verbesserung des Impfstoff-Nachschubs beraten. Mehrere Pharmafirmen kündigten bereits eine Ausweitung ihrer Produktion an. Die rasche Überwindung der Coronavirus-Pandemie sei wichtig für die Börse, sagte John Brigs vom Brokerhaus NatWest Markets. "Ein Großteil der Marktbewertungen setzt voraus, dass wir das Licht am Ende des Corona-Tunnels sehen." Vor diesem Hintergrund stiegen die Aktien der Pharmafirmen Bayer , Curevac  und Biontech  um bis zu 8,4 Prozent. In Paris markierten die Titel von Valneva  mit 11,10 Euro ein Rekordhoch, nachdem Großbritannien seine Bestellung für den noch nicht marktreifen Corona-Impfstoff der Biotechfirma aufgestockt hatte.

Euro kaum verändert, Pfund steigt nach Impffortschritten

Der Euro litt unter schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2084 (Freitag: 1,2136) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8275 (0,8239) Euro. In Deutschland war der Umsatz im Einzelhandel im Dezember wegen Corona-Beschränkungen überraschend stark eingebrochen. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,54 Prozent. Der Rentenindex Rex gab um 0,01 Prozent auf 146,04 Punkte nach. Der Bund-Future fiel um 0,06 Prozent auf 177,21 Punkte.

EUR/USD

Im Tagesverlauf dürften Konjunkturdaten stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken und für neue Impulse sorgen. Auf dem Programm stehen am Vormittag Kennzahlen zur Stimmung der Einkaufsmanager in den Industriebetrieben der Eurozone. Die Daten werden am Markt stark beachtet. Zuletzt hatte sich die Industrie vor dem Hintergrund hoher Zahlen von Neuinfektionen in der Corona-Pandemie vergleichsweise robust gezeigt.

Großbritannien verimpft 600.000 Dosen an einem Tag

Zu den Gewinnern am Devisenmarkt zählte das britische Pfund, das am Morgen zu allen anderen wichtigen Währungen zulegen konnte. Marktbeobachter verwiesen auf Fortschritte Großbritanniens bei den Corona-Schutzimpfungen. Während das Corona-Impfprogramm in der Europäischen Union nur schleppend vorankommt, verzeichnet das Vereinigte Königreich Rekordzahlen. Allein am Samstag wurden nach Angaben der Regierung in London knapp 600.000 Impfdosen verabreicht. Die Zahl der Erstimpfungen stieg damit auf knapp neun Millionen.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind am Montag gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 55,47 US-Dollar. Das waren 43 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 30 Cent auf 52,50 Dollar.

Brent

Brent

Seit Mitte Januar hielten sich die Ölpreise vergleichsweise stabil, nachdem sie in der ersten Januarhälfte stark gestiegen waren. Zunächst hatte die Hoffnung auf wirksame Corona-Impfstoffe für Kauflaune gesorgt, zuletzt rückte aber die Pandemie wieder stärker in den Vordergrund und verstärkte die Sorge vor einem Rückgang der Nachfrage nach Rohöl durch Beschränkungen der Mobilität in führenden Industriestaaten.

rei/la/dpa-afx
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