Börse Rekordjagd an US-Börse geht weiter

Die Aussicht auf einen baldigen Corona-Impfstoff treibt wichtige Aktienindizes in den USA erneut auf Rekordstände. Am deutschen Aktienmarkt dagegen sorgt der starke Euro für Verluste.
Börsianer in New York: Der Dow Jones pendelt weiter um 30.000 Punkte

Börsianer in New York: Der Dow Jones pendelt weiter um 30.000 Punkte

Foto: Courtney Crow / dpa

In der Hoffnung auf eine rasche Genesung der US-Wirtschaft von der Coronavirus-Pandemie steigen weitere Anleger in den dortigen Aktienmarkt ein. Der US-Standardwerteindex Dow Jones  eroberte am Donnerstag die psychologisch wichtige 30.000er Marke zurück und stieg um ein halbes Prozent auf 30.046 Punkte. Der breit gefasste S&P 500  und der technologielastige Nasdaq  markierten mit 12.439,02 beziehungsweise 3681,45 Zählern sogar neue Bestmarken.

So lange es beim Fahrplan für die Markteinführung eines Corona-Impfstoffs keine Verzögerungen gebe, seien Investoren bereit, die weiter steigenden Infektionszahlen und enttäuschende Konjunkturdaten beiseitezuschieben, sage Michael Sheldon, Chef-Anleger des Vermögensverwalters RDM. Parallel dazu machte Anlegern die Bewegung im Streit um ein weiteres staatliches Hilfspaket für die US-Wirtschaft Mut. Dessen Volumen soll 908 Milliarden Dollar betragen.

Dollar-Talfahrt geht weiter

Für die Weltleitwährung ging es dagegen erneut abwärts. "Da Investoren in Bezug auf einen Corona-Impfstoff und eine Einigung in Washington auf ein Konjunkturpaket immer optimistischer werden, ist der Dollar, die Fluchtwährung in den dunkelsten Stunden des Jahres 2020, nicht mehr so gefragt", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel zeitweise auf 90,511 Punkte, den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren.

Parallel dazu verfolgten Investoren aufmerksam die Verhandlungen der "Opec+", zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, über die Produktionsquoten. Insidern zufolge steht einer Anhebung der Fördermengen um 500.000 Barrel pro Tag zur Debatte. Ursprünglich wären die Förderquoten mit dem Auslaufen der aktuellen Vereinbarung zum Jahreswechsel um zwei Millionen Barrel gestiegen. Die US-Ölsorte WTI verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 45,60 Dollar je Barrel (159 Liter).

Dax

Als Gegenstück zum Dollar legt indes der Euro weiter zu - und belastet die Entwicklung am am deutschen Aktienmarkt. Der Dax  notierte zum Handelsschluss mit 0,5 Prozent im Minus bei 13.252 Punkten. Der Euro war im frühen europäischen Handel auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2018. Gerade für die im Dax schwer gewichteten deutschen Exporteure wird die aufwertende Gemeinschaftswährung zunehmend zum Problem.

Der MDax  der 60 mittelgroßen Werte schlug sich etwas besser, legte um 0,15 Prozent zu auf 29.287 Zähler. Der EuroStoxx 50  als Leitindex für die Eurozone gab 0,1 Prozent auf 3517 Zähler ab.

Angesichts der Lockdown-Maßnahmen in vielen Euro-Ländern ist die Wirtschaftsleistung der Währungsunion im November erstmals seit fünf Monaten wieder zurückgegangen, wie der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit signalisierte. "Das Eurozonen-Wirtschaftswachstum im vierten Quartal dürfte markant schrumpfen. Besonders schlimm sieht es aktuell in Frankreich, Spanien und Italien aus", sagte IHS Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Unterstützt vom schwächeren Dollar blieb der Euro dennoch über der Marke von 1,21 Dollar und notierte mit 1,2139 Dollar zeitweise auf seinem höchsten Stand seit April 2018. Das dürfte auch bei der Europäischen Zentralbank für Gesprächsstoff sorgen, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Brokerhaus Axi. "Konkrete Maßnahmen oder eine überzeugende verbale Intervention dürften aber ausbleiben und den Kursanstieg daher nur temporär bremsen." Ein stärkerer Euro könnte vor allem den exportorientierten Unternehmen aus dem Währungsraum Wettbewerbsnachteile einbrocken.

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Der starke Euro fließt in die Schätzungen von Analysten und Analystinnen ein und hat Auswirkungen auf deren Empfehlungen und Kursziele. So senkte beispielsweise James Gordon von der Bank JPMorgan das Kursziel für die Morphosys -Aktie um 10 auf 120 Euro und begründete dies mit dem starken Euro. Das Biotech-Unternehmen erwirtschaftet einen großen Umsatzanteil in Nordamerika.

EUR/USD

Als kursbewegend erwies sich ein weiterer Analystenkommentar. So setzten sich die Papiere von Siemens Healthineers  mit einem Aufschlag von zuletzt mehr als 3 Prozent an die Spitze des MDax. Sie profitierten von einer Kaufempfehlung der Commerzbank.

Die Lufthansa  meldete derweil Buchungszahlen für Flüge an Weihnachten und Neujahr. Der Kurs rückte daraufhin um 1,4 Prozent vor. Thyssenkrupp  zählten zu den schwächsten Titeln im MDax mit Verlusten von zuletzt rund 3 Prozent. Der Kurs war zuletzt immer wieder am Sprung über die Marke von 6 Euro gescheitert.

Ceconomy  kletterten im SDax um 6,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Februar. Anleger setzen laut Händlern darauf, dass der Betreiber von Saturn und Mediamarkt vom Weihnachtsgeschäft profitiert, zumal beide Elektronikmärkte das Online-Geschäft forciert hätten.

rei/dpa-afx
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