Dax mit größtem Wochenplus seit November Bayer-Aktie haussiert

Der Dax hat auf Wochensicht das größte Plus seit neun Wochen verbucht. Sogar die Aktie von Bayer steigt wieder - und zwar um mehr als 10 Prozent binnen fünf Handelstagen.
Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Knackt der Dax heute sein Rekordhoch?

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Knackt der Dax heute sein Rekordhoch?

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Rupert Oberhäuser/ imago images

Der Dax  hat sich am Freitag seinem Rekordhoch angenähert, wurde im späten Handel jedoch von enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten ausgebremst. In der Tagesspitze fehlten dem deutschen Leitindex gerade einmal 18 Punkte bis zu einem Höchststand von 14.131 Punkten. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) gab der Dax um 0,1 Prozent auf 14 056 Punkte nach, fuhr aber auf Wochensicht ein kräftiges Plus von 4,6 Prozent ein. Dies war seine beste Wochenbilanz seit Mitte November zu Zeiten der US-Wahl.

Laut Marktbeobachter Edward Moya vom Broker Oanda klammerten sich die Märkte zu Wochenschluss an ihre jüngsten Gewinne. Die Bereitschaft der Anleger, nach dem guten Lauf Kasse zu machen, habe sich wegen der Hoffnung auf ein bald nachgelegtes US-Konjunkturpaket in Grenzen gehalten. Den Indizes aus der zweiten Börsenreihe dagegen gelangen am Freitag Bestmarken, im Falle des MDax nahe der Marke von 32 500 Punkten. Auch der SDax schraubte seinen Rekord nochmals nach oben.

Frische US-Konjunkturdaten fielen am Freitag gemischt aus. In den USA ist die Arbeitslosenquote auf 6,3 Prozent gesunken nach 6,7 Prozent im Vormonat, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag meldete. Die Zahl der Beschäftigten ist im Januar dagegen nur um rund 50.000 gestiegen, das ist nur halb so viel wie erwartet. An der Wall Street notierten Dow Jones und Nasdaq am Freitag jeweils kaum verändert.

Dax

Bayer mit 12 Prozent Wochenplus, RTL-Aktie gefragt

Der erhoffte Durchbruch, den Bayer am Mittwochabend im langen und zähen Streit mit US-Klägern um den Unkrautvernichter Glyphosat mit einer formellen Einigung vermeldete, verschaffte den Aktien auch am Freitag noch Luft nach oben. Sie stiegen an der Dax-Spitze um 2,8 Prozent und bauten ihr Wochenplus auf fast zwölf Prozent aus. Der Bayer-Aktie dicht auf den Fersen waren die Papiere der Deutschen Post mit einem Kursplus von 2,6 Prozent. Die US-Investmenthäuser Goldman Sachs und Jefferies schraubten die Kursziele nach oben und rieten weiter zum Kauf. Goldman-Experte Matija Gergolet behält die Aktien wegen einer günstigen Bewertung auf einer Liste der besonders überzeugenden Anlageideen.

Eine weitere Stütze für den Dax waren die mittlerweile sehr gewichtigen Aktien von Linde , die nach Geschäftszahlen um 1,4 Prozent stiegen. Der Hersteller von Industriegasen hat 2020 unter dem Strich mehr verdient als vom Markt erwartet und will sein rasantes Wachstum fortsetzen. Die Aktien von RWE ließen überzeugende Eckdaten für das Jahr 2020 nur kurzzeitig nach oben ausschlagen. Letztlich zeigten sich die Anleger hier deutlich gelassener, die Papiere gingen sogar 0,03 Prozent tiefer aus dem Handel. Mit einer positiven Überraschung habe man am Markt bereits irgendwie gerechnet, schränkte ein Börsianer ein.

An die Spitze des SDax  der kleineren Börsentitel setzten sich RTL  mit einem Plus von fast 8 Prozent. Die Mediengruppe will ihre Werbe-Tochter Spotx für 1,17 Milliarden US-Dollar (0,97 Milliarden Euro) an das US-amerikanische Ad-Tech-Unternehmen Magnite verkaufen.

US-Börsen: Dow Jones und Nasdaq kaum verändert

An der Wall Street sind die wichtigsten Indizes am Freitag kaum verändert in den Handel gestartet. Der Dow Jones Industrial  notierte am Abend knapp oberhalb von 31.000 Punkten. Damit ist das erst im Januar erreichte Rekordhoch bei 31 272 Punkten nicht weit weg. Bereits am Donnerstag hatten von den vier wichtigsten Aktienindizes zwei erneut Bestmarken erreicht: der breit gefächerte S&P 500 sowie der technologielastige Nasdaq Composite. Der Nasdaq-Auswahlindex 100  notiert unterdessen knapp unter Rekordhoch. Allgemein hat sich die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten bereits seit einigen Tagen verbessert. Nachdem in den vergangen Wochen noch Bedenken bezüglich höherer Schwankungen des Gesamtmarktes durch spekulationsgetriebene Käufe bei einzelnen Aktien für Verunsicherung gesorgt hatten, hoffen die Anleger nun wieder verstärkt auf positive Impulse aus Washington. Dort verhandeln Demokraten und Republikaner über ein Corona-Konjunkturpaket.

Nasdaq

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Snap und T-Mobile US unter Druck

Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von Ford im vorbörslichen Handel um fast drei Prozent. Der zweitgrößte US-Autobauer war zwar zum Jahresende tief in die roten Zahlen geraten, will die Investitionen in Elektrofahrzeuge aber kräftig erhöhen. Zudem schaffte der Konzern auf bereinigter Basis einen Gewinn je Aktie - erwartet worden war hier ein Verlust. Die Foto-App Snapchat gewann im vergangenen Quartal 16 Millionen tägliche Nutzer hinzu. Die Anteilsscheine der Betreibergesellschaft Snap verloren im vorbörslichen Handel dennoch rund sieben Prozent, nachdem die Prognose für das laufende Quartal die Anleger enttäuscht hatte. Für die Papiere von T-Mobile US ging es vorbörslich um rund zwei Prozent nach unten. Die Übernahme des kleineren Rivalen Sprint hatte zwar das Wachstum der US-Tochter der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr angetrieben. Aber auch hier enttäuschte die Prognose, und zwar mit Blick auf den Gewinn.

Halbleiterwerte von Übernahmefantasien getrieben

Übernahmefantasie in der Halbleiterbranche trieb die Kurse nach oben: An die Spitze des Dax setzten sich Infineon  mit einem Plus von gut 2 Prozent. Die Papiere von Dialog Semiconductor  gewannen mehr als 5 Prozent. Nach Kursgewinnen im vorbörslichen Handel fielen die Aktien von Aurubis  um 2,6 Prozent. Mit der Integration des 2020 übernommenen belgisch-spanischen Metallrecyclers Metallo kommt die Hamburger Kupferschmelze schneller voran als gedacht. Anleger entschieden sich jedoch für Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Kursanstieg.

Die Kryptowährung Bitcoin pendelte am Freitag weiterhin um die Marke von 38.000 US-Dollar. die Kryptowährung Ethereum erreichte unterdessen ein neues Rekordhoch bei knapp 1700 US-Dollar.

Euro bleibt unter Druck

Der Euro hat am Freitag im frühen Handel auf dem tiefsten Stand seit Anfang Dezember notiert. Der Eurokurs fiel bis auf 1,1952 Dollar - damit baute der Euro die Verluste vom Donnerstag leicht aus. Zuletzt lag der Kurs der Gemeinschaftswährung mit 1,1960 Dollar nur etwas über dem Tief aus der Nacht. Am Donnerstag war der Euro erstmals seit zwei Monaten unter die Marke von 1,20 Dollar gefallen, nachdem er Anfang des Jahres noch bis auf 1,2349 Dollar gestiegen war.

USD/EUR

Trotz der jüngsten Verluste liegt der Euro noch deutlich über dem Niveau, das er vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa und den USA hatte. Vor einem Jahr hatte ein Dollar rund 1,10 Euro gekostet. Die jüngste Schwäche des Euro ist nach Einschätzung der Commerzbank auf die Wirtschaftsentwicklung in Europa und den Vereinigten Staaten zurückzuführen. In den USA sehe es derzeit einfach besser aus, was die konjunkturelle Erholung angehe, hieß es in einer Studie vom Freitag. Auch verlaufe die Corona-Impfkampagne reibungsloser.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise sind am Freitag gestiegen. Nachdem sie im Verlauf der Woche kräftig zulegen konnten und neue Jahreshöchststände erreichten, ging es im frühen Handel nur noch leicht nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 59,16 US-Dollar und damit 32 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 36 Cent auf 56,59 Dollar.

Brent

Brent

Seit Beginn der Woche befinden sich die Ölpreise in einem Höhenflug, angetrieben durch die Fortschritte bei den Corona-Impfungen in den USA und durch eine Reihe robuster Konjunkturdaten aus der größten Volkswirtschaft der Welt. Außerdem sorgte im Wochenverlauf eine insgesamt freundliche Stimmung an den internationalen Finanzmärkten für Rückenwind bei den Ölpreisen.

Marktbeobachter sprachen vom größten wöchentlichen Anstieg der Ölpreise seit Oktober. Neben der freundlichen Marktstimmung wurden die Ölpreise auch durch jüngste Aussagen aus den Reihen der in der Opec+ organisierten Förderstaaten gestützt, die ein Abschmelzen der globalen Lagerbestände an Rohöl anstreben.

mit Nachrichtenagenturen

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