Börse Dax schließt hauchdünn im Plus

Nach der Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns kommt an der Börse keine Euphorie auf. Anleger wechseln zu defensiven Branchen - der Dax rettet ein dünnes Plus ins Ziel.
Zurückhaltend: Das ist die Haltung vieler Anleger am Dienstag

Zurückhaltend: Das ist die Haltung vieler Anleger am Dienstag

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Lockdown-Verlängerung in Deutschland drückt den Menschen in Deutschland aufs Gemüt, Anleger bleiben jedoch gelassen. Der deutsche Leitindex Dax  drehte im späten Handel leicht in die Gewinnzone und kletterte wieder über die Marke von 14.600 Punkten. Zum Handelsschluss notierte der Dax bei 14.662 Punkten. Der MDax  verlor 0,3 Prozent, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  um ein halbes Prozent fiel.

Dax

Der seit Monaten andauernde Lockdown in Deutschland wird angesichts steigender Corona-Infektionszahlen bis zum 18. April verlängert, dies hatte sich zuvor aber schon angedeutet. Laut dem Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners müssten Börsianer jetzt bestimmen, wie groß die Auswirkungen auf die Unternehmen werden und wie sehr sich die wirtschaftliche Erholung dadurch nach hinten verschiebt.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Vermehrte Kursgewinne bei vielen Aktien, die in unsicheren Zeiten bei Anlegern in der Gunst steigen, wurden im Laufe des Tages aber mehr und mehr zur Stütze für den Dax. «Der deutsche Aktienmarkt zeigt derzeit eine erstaunliche Widerstandskraft gegen die negativen Einflussfaktoren», kommentierte Andreas Lipkow von der Comdirect.

Anlegern sattelten also um von zyklischen, konjunkturempfindlichen Aktien in defensive Branchen wie etwa Konsumgüter, Immobilien, Versorger, Gesundheit oder Telekommunikation. Kursgewinne zwischen einem und drei Prozent gab es bei Merck, Henkel, RWE, Eon, der Deutschen Telekom sowie Deutsche Wohnen und Vonovia.

Im Autosektor ging es nun wegen Gewinnmitnahmen vor allem bei VW deutlich bergab. Nach den jüngsten Kurssprüngen kamen die im Dax notierten Vorzugsaktien  des Autobauers nun um 4,9 Prozent zurück. Die zuletzt noch stärker ausgeschlagenen Stammaktien  verloren sogar 6,2 Prozent an Wert. Für die Papiere der VW-Beteiligungsholding Porsche  ging es nach einem früh erreichten Hoch seit 2008 sogar um 7 Prozent bergab.

Wall Street auf Erholungskurs, Technologiewerte gefragt

Die US-Aktienmärkte haben sich nach einem freundlichen Wochenbeginn am Dienstag wenig bewegt präsentiert. Der Leitindex Dow Jones  verlor zuletzt 0,3 Prozent auf 32.637 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,2 Prozent auf 3933 Punkte nach unten. Dagegen hielt sich der technologielastige Nasdaq 100  mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 13.104 Zähler wie schon vortags besser als die Standardwerte-Indizes.

Nasdaq 100

Microsoft -Aktien waren mit einem Plus von 1,3 Prozent einer der besten Werte im Dow. Der Softwaregigant will Kreisen zufolge durch einen Zukauf sein Angebot im Geschäft für Computerspiele ausbauen. Microsoft sei in Gesprächen, die private US-Firma Discord für mehr als 10 Milliarden US-Dollar zu kaufen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg in der Nacht zu Dienstag unter Berufung auf Insider. Discord startete 2015 und ist ein Onlinedienst für Sprach-, Video- und Textkommunikation.

Euro kaum verändert bei 1,19 Dollar

Am Devisenmarkt ist der Euro am Dienstag unter Druck geraten, zuletzt wurden nur noch 1,1879 US-Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1926 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite deutscher Anleihen von minus 0,37 Prozent am Vortag auf minus 0,39 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 145,14 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,36 Prozent auf 172,03 Punkte.

USD/EUR

Im weiteren Tagesverlauf dürfte sich der Fokus am Devisenmarkt stärker auf Konjunkturdaten richten. Am Vormittag werden Stimmungsdaten aus den Unternehmen der Eurozone erwartet. Diese werden am Markt stark beachtet und könnten für neue Impulse sorgen.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind am Dienstag wegen der Sorge vor einem Rückgang der Nachfrage gesunken. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete am Morgen 63,99 US-Dollar. Das waren 63 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) fiel um 62 Cent auf 60,94 Dollar.

Am Ölmarkt blicken die Anleger besorgt auf die jüngste Entwicklung der Corona-Krise. Neue Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie schürten die Sorge vor einem Rückgang der Nachfrage nach Rohöl. So wurden Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung in Europa wieder eingeführt oder ausgeweitet. Unter anderem hat Deutschland in der vergangenen Nacht einen harten Lockdown über die Osterfeiertage beschlossen.

Beobachter wiesen aber darauf hin, dass am Markt nur kurzfristig eine geringere Nachfrage befürchtet werde. Längerfristig wird nach wie vor fest mit dem Erfolg der Corona-Impfungen und einem starken Anziehen der Weltwirtschaft gerechnet. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung in der Corona-Krise wird am Markt außerdem davon ausgegangen, dass die in der Opec+ organisierten Ölstaaten ihre Fördermenge kurzfristig nicht einschränken werden.

mit Nachrichtenagenturen