Börse Dax rettet sich in Plus, Bitcoin stürzt

Die dritte Covid-Welle rollt, das Impfen geht zu langsam voran, zugleich ist mit dem Suezkanal die weltweit wichtigste Wasserstraße blockiert. Anleger ziehen sich zurück. Der Ölpreis fällt, der Bitcoin stürzt, der Dax schafft's gerade so ins Plus.
Gewinnmitnahmen an den Börsen: Dax, Nasdaq und Bitcoin sind unter Druck geraten

Gewinnmitnahmen an den Börsen: Dax, Nasdaq und Bitcoin sind unter Druck geraten

Foto: JIM URQUHART/ REUTERS

Die harte Corona-Realität hat die Stimmung am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag weiter getrübt. Allerdings schaffte es der Dax , nach einem nervösen Handelsverlauf zwischenzeitliche Verluste von fast 1,3 Prozent wettzumachen. Der deutsche Leitindex schloss dank des Rückenwindes von der Wall Street rund 0,1 Prozent höher bei 14.621 Punkten. Der MDax  erholte sich nur etwas und verlor am Ende 0,60 Prozent auf 31.321 Punkte.

Dax

Auf europäischer Bühne schloss der EuroStoxx 50  kaum verändert bei 3832 Punkten. Der New Yorker Dow Jones Industrial  stand zum europäischen Handelsschluss moderat im Plus. Jüngste Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell hatten am Markt vorübergehend für Irritation gesorgt. Ihm zufolge soll sehr vorsichtig und mit großer Transparenz nach einer fast vollständigen Erholung der Wirtschaft die in der Krisenzeit geleistete geldpolitische Unterstützung für die Märkte zurückgefahren werden.

Mit 14.804 Punkten hatte der Dax noch vor einer Woche, nicht zuletzt getrieben von immens starken Autowerten, eine Bestmarke erreicht und damit für dieses Jahr einen Gewinn von fast 8 Prozent erzielt. Seitdem bremsten insbesondere Corona-Sorgen. Die Anzahl der dem Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Neuinfektionen steigt weiter. Die Infektionszahlen legen dem RKI zufolge aktuell in allen Altersgruppen zu, besonders stark jedoch bei Kindern und Jugendlichen. Nach dem Verzicht auf eine bundesweite Osterruhe driften indes die Corona-Regelungen in den einzelnen Bundesländern immer weiter auseinander.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Zudem ist die wichtige Wasserstraße, der Suezkanal, noch immer von einem 400 Meter langen Containerschiff blockiert. Die Bemühungen, das Schiff freizubekommen, wurden am Donnerstag bei Flut wieder aufgenommen. Etwa 10 Prozent des Welthandels gehen über den Suezkanal. Mit dem Schiffstracker von "Vesselfinder" kann man die Bergungsversuche live im Internet verfolgen .

Bitcoin stürzt, Ölpreis unter Druck, Dollar und Anleihen gefragt

Die Furcht vor einer sinkenden Nachfrage schickte den Ölpreis erneut auf Talfahrt. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um vier Prozent auf 61,90 Dollar je Barrel (159 Liter). "Während wir uns auf Europa konzentrieren, steigen die Coronafälle auch in Ländern wie Indien oder Brasilien", sagte Analyst Vivek Dhar von der Commonwealth Bank. Diese Länder seien entscheidend für eine Erholung der weltweiten Nachfrage.

Bitcoin

Daher nahmen einige Investoren Kurs auf "sichere Häfen" wie Bundesanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,385 Prozent. Andere Anleger flohen in die Weltleitwährung und hievten den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Vier-Monats-Hoch von 92,859 Punkten.

Abwärts ging es dagegen für Bitcoin. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise fiel um fast sieben Prozent auf 50.391 Dollar. Investoren schichteten Gelder teilweise in Währungen wie Dollar oder Euro um. "Ein Rutsch unter die psychologische Marke von 50.000 Dollar könnte weitere Verluste bis auf 44.000 Dollar provozieren", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Adidas auf tiefstem Niveau seit sieben Wochen

Deutlich abwärts ging derweil für Aktien von Adidas  - die am Indexende um rund sechs Prozent absackten. Ein Sturm der Entrüstung chinesischer Internetnutzer gegen den US-Sportartikelhersteller Nike machte auch dem deutschen Sportartikelhersteller zu schaffen. Nike hatte mit seiner Distanzierung von Arbeitslagern in China den Ärger der chinesischen Social-Media-Nutzer auf sich gezogen. Der Sportartikelhersteller schrieb auf der Twitter-ähnlichen Plattform Weibo, das Unternehmen sei "besorgt" über Berichte über Zwangsarbeit in Xinjiang und würde keine Baumwolle aus der Region verwenden. Peking rief daraufhin dazu auf, ausländische Merken daran zu hindern, Chinas Namen zu beschmutzen.

Nach Geschäftszahlen gingen Aroundtown  im MDax ähnlich deutlich in die Knie. Der Vermieter von Büro-, Hotel- und Gewerbeimmobilien habe beim Ergebnis die Erwartungen verfehlt, schrieb Analyst Thomas Rothäusler von Jefferies in einer ersten Reaktion.

SGL Carbon brechen um fast 15 Prozent ein

Die Anteilscheine des Kohlefaserspezialisten SGL Carbon  knickten nach einem hohen Verlust im abgelaufenen Jahr um fast 15 Prozent ein und waren damit das Schlusslicht im Nebenwertindex SDax . Enttäuschende Ausblicke hatten der Hamburger Hafenbetreiber HHLA und der Solarkonzern SMA Solar präsentiert. Deren Aktien brachen um mehr als 11 beziehungsweise fast 12 Prozent ein.

Brent

Euro fällt weiter

Der Euro hat am Donnerstag an seine schwache Tendenz der vergangenen Wochen angeknüpft und ist weiter gefallen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1786 US-Dollar und damit so wenig wie zuletzt vor gut vier Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1802 (Mittwoch: 1,1825) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8473 (0,8456) Euro.

Schon seit einiger Zeit wird der Euro durch den aufwertenden Dollar belastet. Waren es zunächst steigende Wachstumserwartungen in den USA, die den Dollar antrieben, kam zuletzt die trübere Marktstimmung hinzu. Der Dollar gilt als eine Art Reservewährung, die in schwächeren Aktienmarktphasen angesteuert wird.

Der Euro wird seinerseits durch die schleppend verlaufende Impfkampagne in weiten Teilen Kontinentaleuropas belastet. In den USA, Großbritannien und erst recht in Israel sind aktuell weit mehr Menschen gegen das Corona-Virus geimpft als in Deutschland und anderen Euroländern. Dadurch verzögere sich die erwartete Konjunkturerholung, hieß es beim Analysehaus Capital Economics.

USD/EUR

Neue Konjunkturdaten gaben dem Dollar zusätzlichen Auftrieb. Nicht nur haben in der vergangenen Woche so wenig Amerikaner erstmalig Arbeitslosenhilfe beantragt wie seit etwa einem Jahr nicht mehr. Auch ist die US-Wirtschaft im Schlussquartal 2020 etwas stärker gewachsen als bisher bekannt. Im Gegensatz dazu ist die Wirtschaft der Eurozone im selben Quartal geschrumpft.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86068 (0,86250) britische Pfund, 128,75 (128,60) japanische Yen und 1,1045 (1,1068) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1731 Dollar gehandelt. Das waren drei Dollar weniger als am Vortag.

mit Nachrichtenagenturen
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