Kursrally an der Börse Dow und Nasdaq auf Rekordhoch, Luminar-Aktie hebt ab

In den USA treibt die Geldflut die Börsen auf immer neue Bestmarken, der Dow Jones markiert ein weiteres Rekordhoch. Der Dax dagegen tritt auf der Stelle. Und ein junger US-Milliardär wird noch reicher.
New York Stock Exchange: Die US-Börsen steigen immer weiter, der Dax dagegen tritt auf der Stelle

New York Stock Exchange: Die US-Börsen steigen immer weiter, der Dax dagegen tritt auf der Stelle

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Der Dax hat nach einem insgesamt eher trägen Verlauf am Freitag zum Handelsschluss nochmals einen kleinen Spurt hingelegt. Am Ende stand ein Plus von 0,35 Prozent auf 13 298,96 Punkte zu Buche. Das Wochenminus wurde damit auf 0,3 Prozent begrenzt. Der MDax legte am Freitag um 0,79 Prozent auf 29 517,75 Zähler zu. Hoffnungen auf ein baldiges staatliches Corona-Hilfspaket in den USA gaben auch dem deutschen Aktienmarkt Auftrieb, nachdem die Arbeitsmarktdaten für November zum Teil schwach ausgefallen waren. Die Beschäftigung außerhalb der US-Landwirtschaft war deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Der MDax  legte um 0,8 Prozent im Plus auf 29.517 Zähler zu. Hier stützten nicht zuletzt die Kursgewinne des Schwergewichts Airbus . Der EuroStoxx 50  als Leitindex für die Eurozone stieg um ein Drittelprozent. Die zu Ende gehende Woche war erneut ein Ringkampf des Dax um die Marke von 13.300 Punkten - mit bis dato leichten Verlusten. Der Dax und die im Index hoch gewichteten deutschen Exporteure leiden unter dem starken Euro, der am Donnerstagnachmittag einen weiteren Höchststand zum US-Dollar seit dem Frühjahr 2018 erreichte. Aktuell notiert er knapp darunter.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite "

Daneben rückt ein altes Thema wieder in den Fokus: "Die Brexit-Gespräche stecken noch immer fest", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Die Zeit dränge: Ein Vertrag müsste noch vor dem Jahresende ratifiziert werden, denn dann endet die Übergangsphase nach dem britischen EU-Austritt von Ende Januar.

Dow Jones, Nasdaq 100 und S&P 500 erreichen Rekordhoch

Erneute Kursgewinne dagegen am Freitag an der Wall Street: Der  Dow Jones  startete am Freitag über 30 000 Punkten einen neuen Angriff auf seine bisherige Bestmarke. Der Leitindex eröffnete nach dem US-Arbeitsmarktbericht freundlich, zuletzt baute er seine Gewinne auf 0,6 Prozent aus und erreichte mit 30.125 Zählern einen neuen historischen Höchststand.

Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq stiegen um je 0,7 Prozent auf 3693 und 12.459 Punkte und markierten ebenfalls Allzeithochs. Auch in Europa schlossen Dax & Co im Plus.

Am US-Arbeitsmarkt schufen die Firmen außerhalb der Landwirtschaft im November nur noch 245.000 Jobs. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 469.000 gerechnet. Die in einer getrennten Umfrage ermittelte Arbeitslosenquote fiel im November indes auf 6,7 Prozent von 6,9 Prozent im Oktober. Analysten halten es für möglich, dass sich Demokraten und Republikaner im US-Kongress doch noch auf ein Konjunkturpaket mit einem Volumen von gut 900 Milliarden Dollar einigen könnten. "Die schlechte Nachricht von der sich abschwächenden Beschäftigungslage ist potenziell eine gute Nachricht für Investoren, denn sie bedeutet, dass das Konjunkturpaket viel wahrscheinlicher in einem ziemlich kurzen Zeitrahmen stattfinden wird", sagte Ryan Detrick, leitender Marktstratege beim Vermögensverwalter LPL Financial.

Zuversicht im Brexit-Krimi

Dem Dollar versetzten die Jobdaten vorübergehend einen Schlag. Nach dem Abtauchen in Richtung Zweieinhalb-Jahres-Tief konnte sich die Devise aber wieder fangen. Euro-Anleger gingen Händlern zufolge nach der Kursrally der vergangenen Wochen auf Nummer sicher und nahmen Gewinne mit. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,2130 Dollar. Am Mittag hatte sie 1,2177 Dollar erreicht, den höchsten Stand seit fast drei Jahren. "Offenbar bekommen einige Investoren vor der EZB-Sitzung in der kommenden Woche kalte Füße", sagt Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Sie befürchteten, dass die Währungshüter deutlich Stellung zu der raschen Euro-Aufwertung beziehen werden.

Das britische Pfund profitierte von der Hoffnung auf eine Einigung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien auf eine Handelsvereinbarung und schnellte um 0,3 Prozent auf 1,3494 Dollar hoch. Ein EU-Vertreter sagte, eine Vereinbarung stehe bevor und werde zum Ende des Wochenendes erwartet.

SAP und HeidelbergCement gefragt

An die Dax-Spitze setzen sich die Aktien von HeidelbergCement mit einem Plus von 2 Prozent. Händler sehen das Unternehmen als Profiteur von milliardenschweren Investitionen der US-Regierung in die Infrastruktur. Auch die Aktie des Softwareanbieters SAP legte um knapp 2 Prozent zu und setzte damit ihre Erholung vom jüngsten Kurssturz fort.

Bei den Aktien von RWE nahmen Anleger dagegen Kursgewinne mit, sie verloren am Dax-Ende 1,5 Prozent. Am Mittwoch waren die Anteilscheine des Stromversorgers auf den höchsten Stand seit acht Jahren geklettert. Im laufenden Börsenjahr zählen sie zu den großen Gewinnern im Dax.

Luftfahrt-Aktien wie Fraport und Airbus im Plus

Aktien von Fraport stiegen an der MDax-Spitze um 3,8 Prozent auf den höchsten Stand seit Juni. Die Deutsche Bank riet bei den Papieren wieder zum Kauf. Die jüngsten Impfstoffmeldungen und die zeitlichen Prognosen für eine Herdenimmunität deuteten auf eine Erholung des Luftverkehrs in der zweiten Jahreshälfte 2021 hin, schrieb Analystin Siobhan Lynch. Auch die Aktie des Flugzeugherstellers Airbus legte im MDax deutlich zu.

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Der europäische Index für den Reise- und Freizeitsektor legte als einer der gefragtesten Indizes um 1,3 Prozent zu. Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von IAG um 4,3 Prozent und die von Ryanair und Air France-KLM um jeweils 3,3 Prozent. Easyjet gewannen 1,9 Prozent, während sich die der Lufthansa mit plus 0,1 Prozent kaum bewegten. Die Papiere der Kreuzfahrt-Reederei Carnival gewannen 2,9 Prozent. Die Aktien des Hotelbetreibers Accor stiegen um 3,5 Prozent.

Nachdem sich Mitte November die Experten der US-Bank Goldman Sachs und von Kepler Cheuvreux positiver zur Branche geäußert hatten und von verringerten Abwärtsrisiken sprachen, äußerten sich nun auch die der Deutschen Bank optimistischer. Die Experten der UBS sind zwar noch zurückhaltender, sehen aber inmitten von Neuinfektionszahlen und Reisebeschränkungen für die weltweite Luftverkehrsbranche zumindest eine Stabilisierung der Trends im Dezember und Januar.

Siemens Energy ersetzt Grenke im MDax

Einen Blick wert sein könnten Änderungen in den Aktienindizes. In den MDax  der mittelgroßen Börsentitel rücken Siemens Energy  auf, die Papiere von Grenke müssen dafür weichen. Im SDax der kleineren Werte gibt es gleich mehrere Änderungen, während im Leitindex Dax alles beim Alten bleibt. Wirksam werden die Neuerungen zum Handelsschluss am 18. Dezember.

Ölaktien profitieren von Opec-Einigung

Am Rohstoffmarkt sorgte die Entscheidung der Opec-Staaten und ihrer Verbündeten für Erleichterung, die Ölförderung ab Januar nur sehr behutsam hochzufahren. Der Preis für ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent stieg in der Spitze um 2,5 Prozent. Anschließend schmolz das Plus bei einem Kurs von 49,20 Dollar je Fass auf rund ein Prozent ab. Die großen Erdöl-Exporteure einigten sich auf eine Lockerung ihrer Förderbremse und kündigten an, ihre Förderpolitik in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Bei den Investoren waren angesichts steigender Ölpreise auch die Papiere von großen Ölkonzernen gefragt. Aktien von wie Chevron verteuerten sich um 2,8 Prozent, Titel von Occidental Petroleum sogar um 8,9 Prozent.

Am Aktienmarkt waren zudem Finanzwerte gefragt, nachdem der Sektor sich seit Jahresbeginn schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt hatte.

Luminar-Aktie hebt ab - Kurssprung um 40 Prozent

Austin Russell (25) ist jetzt einer der jüngsten Milliardäre der Welt. Das rechnet das "Wall Street Journal " nach dem ersten Handelstag der Luminar-Aktie  an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq vor. Am Donnerstag durfte der junge Chef des Herstellers von Lidar-Sensoren die Börsenglocke läuten. Zum Handelsschluss war die von ihm 2012 gegründete Firma mit einem Kurs von 23 Dollar 28 Prozent mehr wert: Am Freitag legte sie um weitere 40 Prozent und kletterte über die Marke von 30 US-Dollar. Alles über Austin Russell lesen Sie hier.

Euro hält sich bei Zweieinhalbjahreshoch

Der Euro hat sich am Freitag in der Nähe seines am Vortag erreichten zweieinhalbjährigen Höchststands gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,2155 US-Dollar und damit in etwa so viel wie im asiatischen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,2151 Dollar festgesetzt.

EUR/USD

Der Euro hat in den vergangenen Wochen von mehreren Entwicklungen profitiert. In erster Linie kommt der Gemeinschaftswährung der schwache US-Dollar zugute. Die Weltreservewährung Dollar wird einerseits durch die Hoffnung auf baldige Corona-Impfungen belastet. Zum anderen ist er als sicherer Hafen weniger gefragt, weil in den USA die Möglichkeit eines neuen Konjunkturpakets besteht.

Vor dem Wochenende steht mit dem Arbeitsmarktbericht aus den USA eine wichtige Konjunkturzahl an. Seit dem Corona-Einbruch im Frühjahr hat sich die dortige Lage tendenziell entspannt. Allerdings sind immer noch Millionen Arbeitnehmer ohne Job. Analysten rechnen mit einer weiteren Verbesserung.

Ölpreise legen zu - Opec+ einigt sich

Die Ölpreise haben am Freitag mit Aufschlägen auf die Einigung des Ölverbunds Opec+ vom Vortag reagiert. Dem Verbund war es nach tagelangen Unstimmigkeiten gelungen, sich auf eine kurzfristige Förderpolitik zu einigen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 49,58 US-Dollar. Das waren 87 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 70 Cent auf 46,34 Dollar.

Ölpreis

Brent

Am Donnerstag hatten sich die 23 in der Opec+ verbündeten Länder auf eine Förderstrategie für das neue Jahr verständigt. Die Einigung sieht vor, dass ab Januar 500.000 Barrel Rohöl mehr je Tag fließen sollen. Monatlich soll das weitere Vorgehen geprüft werden.

Damit weicht die Opec+ von einem früheren Beschluss ab, der eine Anhebung um knapp zwei Millionen Barrel je Tag vorsah. Hintergrund der neuen Regelung ist die ungewisse Aussicht über den Fortgang der Corona-Pandemie. Die Förderländer wollen offenbar flexibel auf die kurzfristige Entwicklung reagieren.

la/rei/dpa-afx
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