Börse am Mittwoch Dow Jones zieht Dax zurück ins Plus

Nach den Verlusten am Vortag legt der Dax am Mittwoch wieder zu - von der Wall Street kommt Unterstützung. Die Aktien von Bayer und Lufthansa geben dagegen weiter nach.
Frankfurter Börse: Der Dax hält sich knapp in der Gewinnzone

Frankfurter Börse: Der Dax hält sich knapp in der Gewinnzone

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Rupert Oberhäuser/ imago images

Der deutsche Leitindex Dax  hat am Mittwoch knapp über der Marke von 13 000 Punkten geschlossen. Nach einem durchwachsenen Handelstag stand am Ende ein Plus von 0,07 Prozent auf 13 028,06 Punkte zu Buche. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsenwerte legte um 0,05 Prozent 27 888,65 Punkte zu. "Der Dax kämpft vor allem mit der unsicheren politischen Gemengelage dies- und jenseits des Atlantiks", schrieb Marktbeobachter Timo Emden von Emden Research. Mit der näher heranrückenden US-Präsidentschaftswahl, der Hängepartie zwischen Demokraten und Republikanern beim US-Konjunkturpaket und dem grassierenden Coronavirus in Europa bleibe die Risikoneigung der Anleger überschaubar. Seit Anfang Oktober hat sich der Dax   zwar bislang gut geschlagen mit einem Zuwachs von derzeit gut zwei Prozent. Doch die Nervosität an den Finanzmärkten nimmt zu. Wegen der steigenden Sorgen um die Corona-Neuinfektionen war das wichtigste deutsche Börsenbarometer am Vortag um knapp ein Prozent gesunken. Bislang waren solche Rückschläge meist von Schnäppchenjägern für Zukäufe genutzt worden. Für Unbehagen sorgen derzeit jedoch neue Rückschläge in der Impfstoffforschung.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Dax

In Deutschland beraten an diesem Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Bei dem Treffen im Kanzleramt wird es darum gehen, ob die Länder eine einheitlichere Linie finden und Regeln verschärft werden sollen.

Corona-Krisengewinner erneut an der Spitze von Dax und MDax

Unternehmensseitig langten die Anleger hierzulande zur Wochenmitte vor allem bei den Gewinnern der Covid-19-Krise zu: Im Dax führten die Anteile des Essenslieferdienstes Delivery Hero mit einem Aufschlag von gut zweieinhalb Prozent. Im MDax schafften es die Anteile am Kochboxenversender Hellofresh mit vier Prozent Kursplus an die Spitze. Shop Apotheke brachten es auf knapp zwei Prozent Plus. Papiere des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers verteuerten sich nach der Ankündigung eines Corona-Schnelltests um mehr als drei Prozent.

Covestro-Kapitalerhöhung kommt gut an

Aktien des Kunststoffkonzerns Covestro büßten bis zum Nachmittag einen Großteil ihrer Gewinne wieder ein und standen zuletzt nur noch moderat im Plus. Das Unternehmen hatte sich über eine bereits erwartete Kapitalerhöhung knapp eine Milliarde Euro beschafft. Das Geld soll Covestro bei der Übernahme des Geschäfts mit nachhaltigen Beschichtungsharzen vom Chemiekonzern DSM helfen. Beobachter sahen den Vollzug einer bereits länger erwarteten Kapitalerhöhung positiv für die Aktie, da damit eine Belastung wegfalle.

Sehr deutliche Kursausschläge gab es vor allem in den hinteren Börsenreihen. Dermapharm-Anteile lagen mit knapp acht Prozent Abschlag am SDax-Ende. Der Hauptaktionär Themis trennte sich von zehn Prozent der Anteile an dem Arzneiunternehmen.

Hapag-Lloyd-Papiere profitierten von positiven Expertenmeinungen und bauten ihr Plus auf zuletzt elfeinhalb Prozent aus. Die Analysten der US-Bank JPMorgan rechnen mit einer Gewinnbelebung bei der Containerreederei und hatten ihr bisheriges Verkaufsvotum für die Aktien in eine Kaufempfehlung geändert. Auch die Experten von Moody's zeigten sich zuversichtlich und hoben ihr Kreditrating für den Konzern an.

Lufthansa und Fraport bleiben unter Druck

Sorgen vor neuen Einschränkungen im weltweiten Reiseverkehr angesichts immer weiter steigender Coronavirus-Infektionen haben die im MDax notierten Papiere der Lufthansa am Mittwoch abermals belastet. Mit minus 1,7 Prozent waren die Titel unter den schwächsten Werten im MDax der 60 mittelgroßen Werte. Die Anteile des Flughafenbetreibers Fraport verloren 1,4 Prozent. Der europäische Reise- und Freizeitsektor war mit minus 0,7 Prozent das Schlusslicht der Stoxx-600-Branchenübersicht. Seit ihrem Corona-Hoch bei 12,56 Euro, das die Lufthansa-Papiere im Juni vor dem Staatseinstieg zur Rettung der Fluggesellschaft erreicht hatten, kommen die Anteile kaum mehr auf die Beine. Neue Einschnitte mit einem weiteren Abbau der Kapazitäten und die inzwischen wieder stärker aufflammende Corona-Krise setzen dem einstigen Dax-Konzern zu

Wall Street startet mit leichten Gewinnen

Gestützt von Kursgewinnen bei den Techwerten sind die US-Börsen am Mittwoch etwas fester in den Handel gestartet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete 0,2 Prozent fester bei 28.731 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,1 Prozent auf 3515 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,2 Prozent vor auf 11.889 Punkte. Schwindende Hoffnungen auf weitere Corona-Hilfen in den USA drückten aber auf die Stimmung. "Die Märkte haben eine Pause eingelegt und verdauend die jüngsten Kursgewinne", sagte Ryan Detrick, Marktstratege bei LPL Financial. "Sie bereiten sich auf die Berichtssaison und auf das anhaltende Hin-und-her in Washington vor, wo das Hilfspaket nicht vom Fleck kommt."

Nasdaq 100

Goldman Sachs stiehlt US-Banken die Show

In der Corona-Krise trennt sich bei den US-Banken die Spreu vom Weizen. Während Goldman Sachs  und JP Morgan ihre Gewinne dank eines florierenden Handels an den weltweiten Börsen überraschend steigerten, ächzen Institute wie Citigroup, Bank of America und Wells Fargo unter hohen Rückstellungen für faule Kredite und den niedrigen Zinsen. Jedoch scheint der Höhepunkt bei den Belastungen durch drohende Kreditausfälle überschritten - im zweiten Quartal hatten die sechs größten US-Banken zusammen noch über 30 Milliarden Dollar zurückgestellt. Anleger deckten sich am Mittwoch an der Wall Street mit Goldman-Aktien ein und warfen Titel von Bank of America und Wells Fargo aus ihren Depots. In den Sommermonaten brummte das Geschäft mit der Emission von Anleihen, Kunden fragten vermehrt Aktien, Währungs- und Rohstoffprodukte nach und suchten Möglichkeiten zur Absicherung ihrer Portfolien. Außerdem gab es wieder mehr Börsengänge. Den Investmentbanken bescherte das steigende Gebühreneinnahmen. Goldman Sachs verdoppelte den Gewinn von Juli bis September auf 3,5 Milliarden Dollar. JP Morgan verdiente mit 9,4 Milliarden Dollar vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Euro weiter unter 1,18 US-Dollar, US-Öl knapp über 40 Dollar

Der Euro legte zu und wurde am frühen Nachmittag bei 1,1762 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,1787 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,56 Punkten am Vortag auf minus 0,58 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,12 Prozent auf 146,16 Punkte. Der Bund-Future kletterte um 0,15 Prozent auf 175,37 Punkte.

EUR/USD

Die Ölpreise haben am Mittwoch im frühen Handel leicht nachgegeben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 42,32 US-Dollar. Das waren 13 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 15 Cent auf 40,05 Dollar. Der Preis für amerikanisches Öl pendelt seit Monatsbeginn um die 40-Dollar-Marke. Laut Marktbeobachtern belastete die schwindende Hoffnung auf ein US-Konjunkturpaket noch vor den Wahlen. Dies wog den Optimismus auf, für den die zuletzt gestiegenen chinesischen Rohöl-Importe gesorgt hatten.

Rückschläge bei Corona-Impfstoff drücken Asiens Börsen

Börsen in Asien Schwindende Hoffnungen auf eine rasche Marktreife eines Corona-Impfstoffs und ein baldiges neues US-Konjunkturpaket haben den asiatischen Aktienbörsen zu schaffen gemacht. Die Börse Shanghai büßte am Mittwoch 0,7 Prozent auf 3334 Punkte ein. Der japanische Nikkei -Index kam kaum vom Fleck und notierte bei 23.630 Zählern. Zuvor hatten die US-Pharmakonzerne Johnson & Johnson (J&J) und Eli Lilly die Tests ihrer jeweiligen Corona-Impfstoffe wegen Sicherheitsbedenken ausgesetzt. "Das ist ein Hinweis darauf, dass die Markteinführung einer Impfung länger dauern könnte als bislang erhofft", sagte Analyst Tom Piotrowski vom Brokerhaus CommSec.

Am chinesischen Aktienmarkt gehörten Immobilienfirmen zu den größten Verlierern. Viele von ihnen müssen sich frisches Geld besorgen, um die neuen Verschuldungsobergrenzen einzuhalten. Vor diesem Hintergrund brachen die Titel von China Evergrande in Hongkong um gut 17 Prozent ein. Der am höchsten verschuldete Immobilienentwickler des Landes hatte bei seiner Kapitalerhöhung mit umgerechnet 473 Millionen Euro gerade einmal halb so viel eingenommen wie angepeilt. In Japan folgten die Finanzwerte ihren US-Konkurrenten ins Minus.

Marktbeobachter zeigten sich trotz der leichten Preisaufschläge weiterhin skeptisch. Ein Grund lautet, die wieder anlaufende Ölförderung im Golf von Mexiko nach dem Wirbelsturm Delta treffe auf eine schwache Nachfrage. Diese wird weiterhin von der Corona-Krise belastet.

Die Internationale Energieagentur IEA erwartet derweil, dass die Belastung am Ölmarkt noch lange anhalten wird. Nachdem die Nachfrage in diesem Jahr um acht Prozent eingebrochen sei, wird es aus Sicht der IEA bis 2023 dauern, bis das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht ist. IEA-Chef Fatih Birol bekräftigte die Einschätzung, dass das Wachstum der Ölnachfrage im Verlauf des nächsten Jahrzehnts zum Erliegen kommen wird.

mit Material von Reuters und dpa