Börsenschluss Anleger nehmen nach Dax-Rekord Gewinne mit

Nach dem verhaltenen Wochenauftakt steigt der Dax am Dienstag auf einen neuen Höchststand, fällt dann aber zurück. Deutsche-Wohnen-Aktien legen einen Schlussspurt hin.
Börse in Frankfurt: Der Dax steigt auf ein neues Rekordhoch

Börse in Frankfurt: Der Dax steigt auf ein neues Rekordhoch

Foto: Boris Roessler / dpa

Gewinnmitnahmen nach seinem Rekord haben den Dax  am Dienstag leicht ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex schloss 0,07 Prozent tiefer bei 15.386,58 Punkten, nachdem er am Morgen noch ein Rekordhoch bei gut 15.538 Punkten erreicht hatte. Für den MDax  ging es um 0,5 Prozent auf 32.282,62 Zähler nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  schloss mit minus 0,04 Prozent bei 4005,34 Zählern. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial  stand zum europäischen Handelsende leicht im Minus.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Aus den Depots flogen die Papiere von AT&T, die sich um 5,6 Prozent verbilligten. Der Telekomkonzern will im Zusammenhang mit der geplanten Fusion der Mediensparte mit dem TV-Sender Discovery die Ausschüttungsquote den Angaben zufolge auf gut 40 von derzeit etwa 60 Prozent senken. Im Sog von AT&T büßten die Konkurrenten Verizon und T-Mobile US jeweils knapp 2 Prozent ein.

Joe Biden gibt Elektroautoaktien Schub

Die Aussicht auf 174 Milliarden Dollar schwere staatliche Hilfen zur Ankurbelung des Absatzes von Elektroautos beflügelt die Aktien der Hersteller. Die Papiere von Nikola, Tesla, Fisker, Lordstown oder Workhorse steigen um bis zu 21 Prozent. US-Präsident Joe Biden (78) will im Rahmen seines Besuchs einer Ford-Fabrik seine Pläne vorstellen, in deren Mittelpunkt Kaufprämien im Gesamtvolumen von 100 Milliarden Dollar stehen. Außerdem soll der Bau von Batteriewerken gefördert werden.

Grenke erhält uneingeschränktes Testat

Unter den Einzelwerten sorgten die Aktien von Grenke mit einem Kurssprung von mehr als 20 Prozent auf 39 Euro für Furore. Das war der höchste Stand seit dem Absturz der Papiere Anfang Februar. Auslöser der Rallye war ein uneingeschränktes Testat der Wirtschaftsprüfer KPMG für den Jahresabschluss 2020 des Finanzdienstleisters. Das uneingeschränkte Testat sei positiv, der nächste Kurstreiber könnte die Emission einer Anleihe sein, bemerkten die Experten der Commerzbank.

Grenke

Spekulation um Übernahme von Deutsche Wohnen

Im Dax sprangen Deutsche-Wohnen-Aktien kurz vor dem Handelsschluss kräftig an und gingen letztlich mit einem Aufschlag von 4,2 Prozent als Dax-Bester über die Ziellinie. Händler verwiesen auf vage Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch einen Konkurrenten, die für Kursfantasie gesorgt hätten. Vonovia hat Deutsche Wohnen immer wieder im Visier . Seit das Bundesverfassungsgericht im April den Berliner Mietendeckel kippte, gilt ein solcher Megadeal als leichter durchzusetzen.

Delivery Hero auf Erholungskurs

Papiere des Lieferdienstes Delivery Hero holten nach zuletzt herben Verlusten wieder auf und gehörten mit einem Plus von knapp 2,5 Prozent ebenfalls zu den Indexfavoriten. Zuvor waren sie vom jüngsten Hoch Ende April bei knapp 142 Euro um rund 27 Prozent abgesackt. Schlecht waren bei den Anleger zuletzt die Pläne des Unternehmens für eine Rückkehr auf den deutschen Markt angekommen. Inzwischen gesellt sich auch der US-Wettbewerber Doordash zu den zahlreichen Angreifern auf Platzhirsch Lieferando.

Turbulenzen um Siemens Gamesa

Medienberichte über eine mögliche Komplettübernahme durch die Muttergesellschaft Siemens Energy rückten Siemens Gamesa ins Rampenlicht. Der deutsche Kraftwerksbauer dementierte allerdings, seine spanische Windkrafttochter schlucken zu wollen. Gamesa-Aktien, die zeitweise wegen der Gerüchte vom Handel ausgesetzt waren, stiegen in Madrid dennoch als stärkster Wert im Leitindex Ibex 35 um 4,4 Prozent. Auch bei Aktien anderer Windenergiekonzerne bewegte der Bericht über ein mögliches Delisting von Siemens Gamesa die Kurse. In Kopenhagen zogen Vestas um 2 sowie Ørsted um 5 Prozent an und in Frankfurt gewannen Nordex 3 Prozent. Aktien des im Dax notierten Gamesa-Haupteigners Siemens Energy legten 2,1 Prozent zu.

Bitcoin stabilisiert sich

Spekulationen um Bitcoin-Verkäufe des Elektroauto-Bauers Tesla haben die Cyberdevise am Montagmorgen erneut auf Talfahrt geschickt. Sie fiel um mehr als 14 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 42.130 Dollar. Im Laufe des Tages und auch am Dienstag stabilisierte sich der Kurs aber wieder und notierte zuletzt bei 43.600 US-Dollar.

Bitcoin

Auslöser des Ganzen war eine Twitter-Nachricht des nicht verifizierten Accounts @CryptoWhale . "Bitcoiner werden sich im kommenden Quartal selbst ohrfeigen, wenn sie herausfinden, dass Tesla den Rest seiner Bitcoin-Bestände abgestoßen hat. Mit dem Ausmaß an Hass, der Elon Musk entgegenschlägt, würde ich ihm das nicht übelnehmen." Hierauf antwortete Tesla-Chef Musk, ebenfalls per Twitter: "In der Tat." Es blieb allerdings unklar, ob er sich dabei auf die Bitcoin-Verkäufe oder die Kritik an ihm bezog. Tesla hat nach eigenen Angaben Milliarden Dollar in die älteste und wichtigste Cyberdevise investiert und damit die Bitcoin-Rallye in den vergangenen Monaten mitbefeuert. Außerdem akzeptierte der Elektroautobauer die Digitalwährung zeitweise als Zahlungsmittel. In der vergangenen Woche rückte Firmenchef Musk hiervon aber ab. Er begründete diesen Schritt mit dem hohen Energieverbrauch zur Abwicklung von Transaktionen. Der hohe Energieverbrauch ist aber bereits seit Jahren bekannt und dürfte auch für Musk nicht neu sein.

Diplomatischer Fortschritt - Ölpreise fallen

Die Ölpreise sind am Dienstag stark gefallen. Nach Kursgewinnen im frühen Handel setzte im Tagesverlauf eine Gegenbewegung ein, wobei die Notierungen zuletzt stark unter Druck gerieten. Marktbeobachter verwiesen auf einen Medienbericht über Fortschritten bei den Iran-Gesprächen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent 67,80 US-Dollar. Das waren 1,66 Dollar weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,70 Dollar auf 64,57 Dollar.

Für Preisdruck sorgte ein Bericht des britischen Fernsehsender BBC. Demnach soll es bei Gesprächen in Wien zur Wiederbelebung des Atomabkommens bedeutende Fortschritte gegeben haben. Dabei geht es um eine Rückkehr der USA in das Atomabkommen. Ein Ende der Sanktionen könnte die Wirtschaft des Ölexporteurs Iran stabilisieren und das Ölangebot steigern.

Brent

Zuvor war der Brent-Preis noch bis auf 70,24 Dollar gestiegen. Die Notierung für Nordsee-Öl lag erstmals seit März wieder über 70 Dollar. Gestützt wurden die Ölpreise durch den schwächeren Dollar.

Euro steigt über 1,22 Dollar

Der Euro stieg erstmals seit Februar wieder über die Marke von 1,22 US-Dollar und wurde zuletzt mit 1,2206 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,2222 (Montag: 1,2143) Dollar festgesetzt.

mg, ak/dpa-afx, Reuters
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