Rekordhoch an der Börse Dax schließt über 15.000 Punkten, Bitcoin nahe 60.000 US-Dollar

Der Dax geht mit einem Rekordhoch über 15.000 Zählern aus dem Handel. Die Aufregung um den Hedgefonds Archegos Capital hat sich gelegt. Bankaktien legten wieder zu, und auch die Kryptowährung Bitcoin steigt weiter.
Aufwärts: Der Dax notiert auf Rekordhoch und überspringt am späten Nachmittag die Marke von 15.000 Punkten

Aufwärts: Der Dax notiert auf Rekordhoch und überspringt am späten Nachmittag die Marke von 15.000 Punkten

Foto: STAFF / REUTERS

Der dritten Corona-Welle zum Trotz eilt der deutsche Leitindex Dax  von Rekord zu Rekord und hat am Dienstag erstmals die Hürde von 15.000 Punkten übersprungen. Mit einem Plus von 1,29 Prozent auf 15.008,61 Punkte beendete das deutsche Börsenbarometer den Handel. Im Verlauf war es bis auf 15.029,70 Zähler nach oben gegangen. Der MDax  der mittelgroßen Werte schloss am Dienstag 0,85 Prozent höher auf 31.727,97 Punkten. Auch europaweit ging es kräftig aufwärts.

Seit Jahresbeginn hat der Dax ein Plus von knapp 10 Prozent erzielt. Seit dem Zwischentief Ende Oktober beläuft sich das Plus sogar auf rund 30 Prozent. Erst am 7. Januar hatte der Dax die Hürde von 14.000 Punkten genommen.

Rückenwind kam Marktbeobachtern zufolge derzeit vor allem aus den USA. Zum einen sind die Impffortschritte gegen Covid-19 beachtlich, denn bis zum 19. April sollen 90 Prozent der Erwachsenen in den USA impfberechtigt sein, wie US-Präsident Joe Biden am Vortag angekündigt hat. Zum anderen wurden neue starke Stimmungsdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft veröffentlicht. So stieg das vom Marktforschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen von 90,4 Punkten im Februar auf 109,7 Zähler im März.

"Der Dax lässt sich in seiner dynamischen Aufwärtsbewegung auf neue Rekordhochs derzeit durch nichts aus dem Tritt bringen", kommentierte Frederik Altmann von der Alpha Wertpapierhandels GmbH. "Anleger sehen am deutschen Aktienmarkt besonders gute Chancen, weil Titel aus dem starken heimischen Autosektor und auch der zinssensitiven Versicherungs- und Bankenbranche stark nachgefragt werden." Zudem würden Anleger, die dem Dax nicht solch eine gute Entwicklung zugetraut und auf fallende Kurse gesetzt hätten, mit der aktuellen Rekordjagd zu Käufen gezwungen und damit in den Markt hinein gezogen.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Bankaktien erholen sich

Nach den Turbulenzen in der Finanzbranche am Montag griffen Investoren vor allem bei Bankaktien wieder zu, der europäische Banken-Index gewann zwei Prozent. "Es sieht alles danach aus, als würde der Schaden durch die Hedgefonds-Pleite auf die Institute begrenzt bleiben, die direkte Gegenparteien waren", sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Die Credit Suisse legte mehr als ein Prozent zu, nachdem sie am Montag rund 14 Prozent eingebrochen war. Zuvor hatte die japanische Investmentbank Nomura weitere Kursverluste auf ein knappes Prozent begrenzt. Am Vortag lag der Kursverlust bei 16 Prozent. Der Credit Suisse sowie Nomura drohen milliardenschwere Verluste durch den Ausstieg aus Positionen bei dem US-Hedgefonds Archegos Capital. Systemische Auswirkungen wurden von Börsianern nicht erwartet.

"Obwohl die Unsicherheiten von Archegos immer noch über den Märkten hängen, fühlten sich die europäischen Investoren beruhigt genug, um die Indizes der Region höher zu treiben", sagte Connor Campbell, Finanzanalyst bei SpreadEx. Den Dax trieben - neben einem Kursplus der Deutschen Bank von rund zwei Prozent - vor allem Autohersteller an.

Bitcoin nahe 60.000 US-Dollar

Die Kryptowährung Bitcoin setzte ebenso wie die Aktienmärkte ihre Kursrallye fort und nahm wieder die runde Marke von 60.000 US-Dollar in den Blick. Zuletzt notierte Bitcoin auf der Kryptobörse Bitstamp bei 59.450 US-Dollar. Damit notiert die Kryptowährung nur knapp unter Rekordhoch.

Bitcoin

Stimmung in der Euro-Zone hellt sich deutlich auf

Die Stimmung in der Wirtschaft der Euro-Zone hellte sich überraschend deutlich auf. Der Optimismus legte durch die Bank in den einzelnen Wirtschaftsbereichen zu - von den Dienstleistern, über den Einzelhandel bis hin zum Bau und zur Industrie. Auch die Verbraucherstimmung hellte sich auf, wobei sich insbesondere der deutlich gestiegene Optimismus in Deutschland bemerkbar machte. Auch in Frankreich stieg das Verbrauchervertrauen unerwartet stark, trotz neuer Restriktionen in weiten Teilen des Landes.

Nebenwerte: Scout24 gefragt

Den ersten Platz im MDax sicherten sich die Anteilsscheine von Scout24  mit einem Plus von fast 4 Prozent. Der Online-Immobilien-Marktplatz will nach dem Gewinn aus dem Verkauf seiner Autovermittlungsplattform eigene Aktien für fast eine Milliarde Euro zurückkaufen.

Im Nebenwerteindex SDax setzten die Aktien von Westwing  ein Ausrufezeichen und zogen um fast 8 Prozent an. Nach einem überraschend starken Schlussquartal setzt sich der Online-Möbelhändler nun für 2021 ehrgeizige Ziele. Im Kielwasser dessen stiegen die Papiere des Branchenkollegen Home24  um gut fünf Prozent.

Dow ebenfalls auf Rekordhoch

An der Wall Street hatte der US-Leitindex Dow Jones  am Vorabend einen Höchststand erreicht. Dem marktbreiten S&P 500  blieb dies wegen wieder schwächelnder Technologiewerte knapp versagt. Stützend wirkten beachtliche Impffortschritte in der Corona-Krise. Wie US-Präsident Joe Biden (78) sagte, sollen bis zum 19. April 90 Prozent der Erwachsenen in den USA impfberechtigt sein.

Auch an den asiatischen Börsen herrschte überwiegend gelöste Stimmung. In der Region reagierten die Anleger erleichtert auf den wieder angelaufenen Schiffsverkehr im Suezkanal, der als eine wichtige Handelsstraße für den Warenverkehr zwischen Asien und Europa gilt. Zuvor hatte ein quergestellter Riesenfrachter die Passage tagelang blockiert.

Nasdaq

Euro auf tiefstem Stand seit vier Monaten

Die Kursschwäche des Euro hat sich am Dienstag fortgesetzt. Nachdem sich die Gemeinschaftswährung im frühen Handel zunächst stabilisieren konnten, fiel sie im Mittagshandel bis auf 1,1729 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit vergangenen November. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1784 Dollar festgesetzt. "Prinzipiell bleibt der Euro unter Druck", erklärte Analystin You-Na Park-Heger von der Commerzbank. Sie verwies auf die angespannte Corona-Lage in der Eurozone. Während die Infektionszahlen in vielen Ländern des Währungsraums steigen, läuft die Impfkampagne nach wie vor schleppend. Dagegen wird in den USA das Impftempo weiter erhöht. Außerdem stärkte ein starker Anstieg der Renditen für US-Anleihen den Dollar.

USD/EUR

Ölpreise bewegen sich kaum

Die Ölpreise haben sich am Dienstag nur wenig verändert. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete am Morgen 64,85 US-Dollar. Das waren 13 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) fiel ebenfalls geringfügig um sieben Cent auf 61,49 Dollar.

Brent

Im Suezkanal beginnt sich die Lage wieder zu normalisieren. Tagelang hatte ein Riesenfrachter die Durchfahrt einer der wichtigsten Wasserstraßen versperrt. Die ersten Schiffe hätten bereits am frühen Montagabend Kurs aufgenommen, sagte Osama Rabie, Leiter der Kanalbehörde, nach Medienberichten in Kairo. Demnach sollen bis zum Morgen mehr als 100 Schiffe ihre Wartepositionen verlassen haben, um den Kanal zu durchqueren. Allerdings kann es nach Angaben von Reedereien noch Tage dauern, bis sich die gesamte Warteschlange aufgelöst haben wird.

Am Ölmarkt richten sich die Blicke mittlerweile verstärkt auf ein für diesen Donnerstag geplantes Online-Treffen der Opec mit den in der Opec+ verbündeten Förderstaaten, darunter Russland. Am Markt wird damit gerechnet, dass der Ölverbund an der bestehenden Förderbegrenzung festhält, um die Ölpreise zu stützen.

mit Nachrichtenagenturen