Dax auf 6-Monats-Hoch Warum Adidas und Telekom plötzlich wieder sexy sind

Der Dax steigt am Mittwoch über die Marke von 13.200 Punkten. Aktien von Adidas und der Deutschen Telekom steigen deutlich. Beide haben gute Nachrichten für Investoren.
Forsch und Freund der Investoren: Adidas-Chef Kasper Rorsted sammelt eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt ein

Forsch und Freund der Investoren: Adidas-Chef Kasper Rorsted sammelt eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt ein

Foto: imago images /Sven Simon

Die Börsenparty geht weiter: Der Dax  hat am Mittwoch kräftig zugelegt und ist zeitweise wieder über die Marke von 13.300 Punkten gestiegen. Am Nachmittag gab der Dax jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab und fiel bis zum Xetra-Handelsschluss (17.30 Uhr) auf 13.243 Zähler zurück, da Jobdaten aus den USA etwas schwächer ausgefallen waren als erwartet. Der Dax schloss dennoch mit einem Plus von 2 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 6 Monaten und ist nur noch rund 200 Punkte von seinem Rekordhoch entfernt, das er vor der Corona-Krise erreicht hatte. Neben dem wieder etwas schwächeren Euro stützt die Hoffnung auf eine Erholung der Konjunktur. Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktie von Adidas  und der Deutschen Telekom  mit Kursgewinnen von jeweils mehr als 4 Prozent: Die Telekom gilt nach einer Empfehlung des US-Bankhauses JP Morgan nicht mehr nur als langweiliger Dividendentitel, sondern wegen der Dynamik von T-Mobile US auch wieder als ein Unternehmen mit Wachstumspotenzial. Der Telekom-Konzern biete mittlerweile sowohl Wachstum als auch Wert, begründeten die Analysten von JP Morgan in ihrer Studie. Mit Wachstum wurden die Bonner schon lange nicht mehr in Verbindung gebracht.

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Adidas-Chef Rorsted kämpft sich aus dem Image-Tief

Ebenso erfreuliche Nachrichten bot Adidas seinen Aktionären: Der Sportartikelkonzern hat am Mittwoch zwei Anleihen in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro erfolgreich platziert. Damit entledigt sich Adidas des bösen Verdachts, der Konzern könne auf Grund der Corona-Krise auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Adidas-Chef Kasper Rorsted, dessen Image im Frühjahr gelitten hatte ("Adidas stoppt Mietzahlungen wegen Corona"), arbeitet mit Hochdruck daran, aus dem Umfragetief herauszukommen und seinen Ruf als Liebling der Investoren zurückzugewinnen. Dass Adidas inzwischen wieder mühelos Milliardensummen am Kapitalmarkt einsammeln kann, hilft dem forschen Dänen dabei - und hilft offenkundig auch der Aktie.

Trotz der etwas enttäuschenden Jobdaten aus den USA hielten sich  Dax  und EuroStoxx 50  am Mittwoch klar in der Gewinnzone. US-Firmen haben im August 428.000 neue Jobs geschaffen, wie aus Daten es Personaldienstleisters ADP hervorgeht. Experten hatten mit 950.000 neuen Jobs gerechnet. Am Freitag folgt der offizielle Arbeitsmarktbericht der Regierung, der auch die Jobs im öffentlichen Sektor einbezieht. Trotz der jüngsten Erholung am US-Jobmarkt klaffte zuletzt noch eine Lücke von rund 13 Millionen Arbeitsplätzen zum Niveau von vor der Corona-Krise. 

Deutsche Bank gegen den Trend schwächer - Sewing warnt

Wasser in den Wein goß auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der vor einer noch lange anhaltenden Wirtschaftskrise und gravierenden Folgen auch für die Banken warnte. "Das Vor-Krisen-Niveau werden wir noch eine ganze Weile nicht erreichen - nicht in diesem und auch nicht im nächsten Jahr", sagte er bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Viele Unternehmen müssten es schaffen, mit langfristig geringeren Umsätzen profitabel zu sein. Die Deutsche Bank selbst sei aber gut aufgestellt, die Krise zu meistern. Die Aktien von Deutschlands größtem Bankhaus lagen gegen den Trend 0,5 Prozent niedriger bei 7,92 Euro.

Vonovia schafft es in den EuroStoxx 50 - als einziger Immobilienwert

Vonovia-Aktionären gefiel der Sprung in den europäischen Auswahlindex EuroStoxx50. Vonovia wird damit der einzige Immobilienwert in dem aus den fünfzig wertvollsten börsennotierten Unternehmen des Euroraums zusammengesetzten Börsenbarometer. Die Papiere gewannen rund 2 Prozent. Den europäischen Index verlassen müssen zum 18. September nach Börsenschluss hingegen die Titel des Gesundheitskonzerns Fresenius.

Nasdaq auf Rekordhoch, Dow Jones im Plus

Anleger an der technologielastigen Börse Nasdaq  hatten auch am Dienstag wieder Rekorde gefeiert. Der Nasdaq 100 Index erklomm einen weiteren historischen Höchststand. Es war das zehnte Rekordhoch in den vergangenen zwölf Handelstagen. Zur Schlussglocke rückte der Nasdaq 100 um 1,50 Prozent auf 12.292 Zähler vor. Damit knüpfte das von den Tech-Giganten Apple , Microsoft  und Amazon  dominierte Börsenbarometer nahtlos an den starken Monat August an. Am Mittwoch werden Nasdaq 100 und Dow Jones zum Handelsauftakt erneut im Plus erwartet. Dem Dow Jones fehlen zum Rekordhoch von 29 568 Punkten aus dem Februar nur noch gut 200 Punkte (0,8 Prozent). Der marktbreite S&P 500 und vor die Indizes an der Technologiebörse Nasdaq stellen schon jetzt Bestmarken in Serie auf, was sich zur Wochenmitte fortsetzen dürfte.

Bisher sei die Erholung an den Börsen von den großen US-Technologieunternehmen als Nutznießern der Corona-Pandemie sowie der weltweit lockeren Geldpolitik getragen worden, kommentierte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda Europe. Doch nun könnten robuste Konjunkturdaten für noch mehr Optimismus sorgen. Der am Mittwoch veröffentlichte, monatliche Bericht des Arbeitsmarktdienstleisters ADP zur Beschäftigungsentwicklung in der Privatwirtschaft blieb zwar deutlich hinter den Markterwartungen zurück und sorgte so für einen kleinen Stimmungsdämpfer. Doch dessen Aussagekraft für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag gilt als begrenzt. Dass der Quartalsverlust der Handelskette Macy´s geringer als befürchtet ausfiel, ließ die Aktien des Warenhausbetreibers um mehr als fünf Prozent steigen.

Die Börsen Asiens haben am Mittwoch dagegen keine gemeinsame Richtung gefunden. Der CSI 300  mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen fiel zuletzt um rund 0,2 Prozent und der Hang Seng in Hongkong büßte rund ein halbes Prozent ein. In Japan stieg der Leitindex Nikkei 225  hingegen um etwa 0,3 Prozent.

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Dax-Bremse gelöst: Euro-Kurs fällt wieder unter 1,19 US-Dollar

Der Kurs des Euro hat am Mittwoch wieder nachgegeben. Im frühen Handel fiel die Gemeinschaftswährung zeitweise unter die Marke von 1,19 US-Dollar. Zuletzt stand sie etwas höher bei 1,1905 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1987 Dollar festgelegt.

Am Dienstag war der Euro erstmals seit gut zwei Jahren über die Marke von 1,20 Dollar gestiegen. Die Gewinne konnten aber nicht gehalten werden. Am Nachmittag sorgten solide Konjunkturdaten aus den USA für einen steigenden Dollar. Im Gegenzug wurde der Euro belastet.

Ölpreise geben wieder nach - obwohl die US-Reserven sinken

Die Ölpreise haben am Mittwoch ihre Vortagesgewinne zunächst ausgebaut, fielen am Nachmittag aber wieder klar in die Verlustzone. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 44,54 Dollar. Das waren 1,04 Dollar weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,15 Dollar auf 41,61 Dollar. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank wies darauf hin, dass die aktuellen Lagerdaten der US-Regierung nur eine geringe Aussagekraft hätten. In der vergangenen Woche waren die US-Ölreserven um 9,4 Millionen auf 498,4 Millionen Barrel gesunken. Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 2,0 Millionen Barrel gerechnet. Auch die Reserven für Benzin und Heizöl gingen zurück.

In der Regel sorgen fallende Reserven in den USA für steigende Preise am Ölmarkt. Wegen des Hurrikans "Laura" an der Südküste der USA wurden aber die Produktion und der Transport von Öl und Ölprodukten in der vergangenen Woche stark beeinträchtigt. Die Lagerdaten besitzen daher nicht die gewohnte Aussagekraft und konnten die Ölpreise nicht stützen.

la/dpa-afx, Reuters
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