Börsenschluss Dax profitiert von Impfstoff-Hoffnung und VW-Frieden

Zu Börsenschluss baut der Dax seine Gewinne aus und schließt deutlich über 13.300 Punkten. Für Schub sorgte die Aussicht auf eine baldige Corona-Impfstoff-Zulassung in der EU - und der VW-Burgfriede.
Börsianer in Frankfurt: Der Dax legt deutlich zu

Börsianer in Frankfurt: Der Dax legt deutlich zu

Foto: Arne Dedert/ dpa

Mit Kursgewinnen hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag an den positiven Wochenstart angeknüpft. Der Leitindex Dax  baute die Gewinne im Verlauf des Handels kontinuierlich aus und schloss 1,06 Prozent höher mit 13 362,87 Punkten.

Dax

Auftrieb erhielt der Dax vor allem von den Aktien der Automobilbranche, allen voran von Volkswagen. Angetrieben wurden die Kurse zudem erneut von der Aussicht auf eine baldige Zulassung eines Impfstoffs gegen Covid-19 in der EU. So könnte das Vakzin der Unternehmen Pfizer und Biontech noch vor Weihnachten auch in der EU zugelassen werden. «Zwar dürfte das Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen noch ein Bremsklotz für die Aktienkurse bleiben, aber es überwiegt die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie und eine starke wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr», sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Der MDax  der 60 mittelgroßen Werte schloss am Dienstag mit 0,05 Prozent knapp im Plus bei 29 743,89 Punkten, nachdem er am Vortag abermals ein Rekordhoch erreicht hatte. Dies gelang am Dienstag dem SDax  der kleineren Werte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann ein halbes Prozent auf 3521,50 Zähler.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Ceconomy einigt sich mit Familie Kellerhals

An die Spitze des Dax setzten sich die Vorzugsaktien von Volkswagen . Sie bekamen Auftrieb von einer Beilegung des Streits um die Führungsrolle von Konzernchef Herbert Diess (62). VW-Papiere gewannen 7,6 Prozent. Analysten werteten die Rückendeckung des Aufsichtsrats für Diess als eine gute Nachricht, sie beende die Führungsunsicherheit bei den Wolfsburgern. Mit Daimler , BMW  und Continental  zählten drei weitere Branchentitel zu den größten Dax-Gewinnern.

Am Markt standen zudem die Einzelhändler Metro  und Ceconomy  im Blick. Analysten lobten unisono, dass Ceconomy die Elektronikkette Media Saturn komplett übernimmt. Damit zieht Ceconomy auch einen Schlussstrich unter eine seit Jahren schwelende Aktionärsfehde bei der Media-Saturn-Holding. Damit zieht der Elektronikfachhändler einen Schlussstrich unter eine seit Jahren schwelende Aktionärsfehde bei der Media-Saturn-Holding. Der Aktienkurs kannte daraufhin kein Halten mehr: Ceconomy schossen um 25 Prozent nach oben.

Metro  rückten trotz eines schwachen Ausblicks um 6 Prozent vor. Ein Händler vermutete eine Erholungsbewegung, nachdem die Aktien seit Mitte November deutlich nachgegeben hatten. Auch bedeute die stabile Dividende von 70 Cent je Aktie eine attraktive Dividendenrendite.

Der Stahlhändler Klöckner & Co  verbreitete Optimismus für das bald zu Ende gehende Geschäftsjahr. Im Lauf des vierten Quartals habe sich die Stahlnachfrage stärker erholt als erwartet, hieß es aus Duisburg. Die Aktien gewannen 4 Prozent und zogen auch die Anteilsscheine von Salzgitter  mit, die mit plus 6,8 Prozent sogar noch stärker zulegten. Im MDax  lagen Thyssenkrupp  mit plus 6,8 Prozent an der Index-Spitze.

US-Indizes im Plus

Die Aussicht auf Bewegung im Streit über weitere Konjunkturhilfen gibt der Wall Street Auftrieb. Die Leitindizes Dow Jones Industrial , Nasdaq 100  und S&P 500  stiegen zur Eröffnung am Dienstag um jeweils etwa ein halbes Prozent.

Es sei wahrscheinlich, dass ein US-Hilfspaket verabschiedet werde, sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane. Investoren hofften darauf, dass es angesichts der wieder steigenden Coronavirus-Infektionszahlen eher größer ausfällt.

Gleichzeitig warteten Börsianer gespannt auf die Ergebnisse der geldpolitischen Beratungen der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch. Die Fed werde wohl die Laufzeit ihrer Anleihekäufe verlängern und erneut signalisieren, dass der Leitzins bis mindestens 2023 bei fast null Prozent verharren wird, prognostizierte Anlagestratege Francois Rimeu vom Vermögensverwalter La Francaise.

Euro beinahe unbewegt

Der Euro bewegte sich nur wenig von der Stelle. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,2142 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,2140 (Montag: 1,2162) US-Dollar fest. Der Dollar hatte damit 0,8237 (0,8222) Euro gekostet.

EUR/USD

Ölpreise legen leicht zu

Die Ölpreise haben am Dienstag etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete zuletzt 50,73 US-Dollar. Das waren 44 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 52 Cent auf 47,51 Dollar.

Ölpreis

Brent

Nach einem Bericht der Internationale Energieagentur (IEA) machten die Ölpreise anfängliche Verluste wieder wett und legten etwas zu. Die Erholung des Ölmarktes von der Corona-Pandemie wird nach Einschätzung der IEA langsamer als bisher prognostiziert verlaufen. "Die Nachfrage wird eindeutig längere Zeit niedriger sein als erwartet", so die IEA. Die Agentur reduzierte daher ihre Prognose für die Rohölnachfrage.

"Der Markt bleibt fragil", schreibt die IEA. Schließlich wurden zuletzt in Europa erneut viele wirtschaftliche Beschränkungen beschlossen, die die Nachfrage nach Rohöl dämpfen. Schon am Vortag hatte das Ölkartell Opec seine Nachfrageprognose für das erste Quartal 2021 gesenkt. Trotzdem wollen die Förderländer ihre Produktion im kommenden Jahr Schritt für Schritt anheben.

In den vergangenen Wochen haben die Ölpreise kräftig zugelegt, da Forschungserfolge im Impfstoffbereich die Hoffnung auf eine absehbare Eindämmung der Corona-Pandemie genährt haben. Gedämpft wurde dieser Optimismus zuletzt durch neue Beschränkungen in zahlreichen großen Volkswirtschaften, darunter Deutschland.

cr, mg/dpa-afx, Reuters
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