Impfstoff-Hoffnung beflügelt Börsen Dax fliegt, Dow auf Rekordhoch, Gold bricht ein

Die Aussicht auf einen Erfolg bei der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff hat die Anleger weltweit in Euphorie versetzt. Der Dax schließt rund 5 Prozent fester, auch an der Wall Street zeigen die Kurse steil nach oben.
Dax mit Kursrally: Die neuen Daten des Impfstoff-Entwicklers BioNTech sorgen für Gewinne. In den USA markierte der Dow Jones zwischezeitlich ein Rekordhoch

Dax mit Kursrally: Die neuen Daten des Impfstoff-Entwicklers BioNTech sorgen für Gewinne. In den USA markierte der Dow Jones zwischezeitlich ein Rekordhoch

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Kaufrausch an den Börsen: Ein voraussichtlicher Erfolg in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs hat den Börsen weltweit am Montag kräftig Auftrieb gegeben. Der Dax   eroberte erstmals wieder seit Mitte Oktober die 13.000-Punkte-Marke zurück. In der Spitze gewann der deutsche Leitindex rund 6 Prozent auf 13.221 Punkte bis er schließlich mit einem Plus von knapp 5 Porzent auf 13.095 Punkte aus dem Handel ging.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  schaffte sogar ein Plus von 6,4 Prozent auf 3409 Punkte. Die US-Börsen markierten Bestwerte, auch der MSCI-Weltindex stieg auf ein Rekordhoch. Alle Indizes konnten ihre Tageshöchststände aber nicht halten. So notierte der Dow Jones  zum Handelsschluss in Europa zwar mit 29.508 Punkten rund 4,3 Prozent im Plus, im frühen Handel war er aber bis auf über 29.900 Stellen gestiegen.

Die zuletzt hochfliegenden Technologiewerte konnten da nicht mithalten: Der Nasdaq 100  rückte zum Xetra-Schluss lediglich um 0,6 Prozent vor. Der Technologie-Index Nasdaq 100 gab dagegen leicht nach. Tech-Aktien waren in den vergangenen Monaten während der Corona-Pandemie gefragt, nun deutet sich ein Favoritenwechsel auf konjunktursensible Titel an.

Wie das Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech mitteilte, bietet sein Impfstoff nach Zwischenergebnissen in einer wichtigen Studienphase einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer wollen nun in Kürze die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

Die Ölpreise schnellten in der Spitze um fast zehn Prozent nach oben. Das Kalkül der Käufer: Die Wirschaft wird ohne Corona-Belastungen besser laufen und die Menschen werden wieder mehr mit Autos und Flugzeugen unterwegs sein.

Raus aus sicheren Häfen, Goldpreis bricht ein

Zugleich kehrten Anleger als sicher geltenden Papieren den Rücken. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg um 0,15 Prozentpunkte auf minus 0,496 Prozent, die der zehnjährigen US-Papiere auf 0,975 Prozent von 0,798 Prozent vor der Nachricht. Die Zinskurve in den USA ist inzwischen so steil wie seit März nicht mehr - ein Anzeichen für Optimismus, dass die weltweit führende Volkswirtschaft sich aus der durch die Pandemie ausgelösten Rezession befreien kann. Gold verbilligte sich um gut fünf Prozent auf 1852,53 Dollar.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Die steigende Risikofreude der Aktienanleger belastete vergleichsweise sichere Anlagen wie Gold dagegen stark. Eine Feinunze (31 Gramm) kostete am frühen Abend mit 1854,63 Dollar rund 5 Prozent weniger. "Der mögliche Durchbruch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs hat die Anleger in Euphorie versetzt. An den Aktienmärkten schossen die Kurse in die Höhe, der sichere Hafen Gold war in diesem Umfeld weniger gefragt", sagt Alexander Zumpfe, Goldhändler beim Edelmetallhandelshaus Heraeus.

Biontech-Aktien größter Gewinner an der Nasdaq

Die an der US-Tech-Börse Nasdaq gelisteten Biontech-Aktien schnellten um fast ein Viertel auf ein Rekordhoch von 114 US-Dollar nach oben. Das auf Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und anderen schweren Erkrankungen spezialisierte Unternehmen aus Mainz war erst vor etwas mehr als einem Jahr an die Nasdaq gegangen. Der Ausgabepreis damals: 15 Dollar je Aktie. Seither hat sich der Kurs inklusive der sich am Montag abzeichnenden Gewinne nun fast verachtfacht. Für die im Dow Jones notierte Pfizer-Aktien ging es vorbörslich um mehr als 11 Prozent auf 40,70 Dollar nach oben.

Bei McDonald's konnten sich die Aktionäre nach Geschäftszahlen immerhin über ein Kursplus von nahezu fünf Prozent freuen. Der Fastfood-Riese berichtete für das dritte Quartal im Vergleich zu den drei Monaten davor eine deutliche Erholung. Der bereinigte Gewinn je Aktie nahm um fünf Prozent zu und lag damit über den Erwartungen der Analysten.

Gewinnmitnahmen bei Krisengewinnern

Im Dax war die Verliererliste kurz. Aktien bisheriger Krisengewinner gaben deutlich nach. So büßten die Anteile des Online-Essenslieferanten Delivery Hero fast 6 Prozent ein. Im MDax verloren die Papiere der Shop Apotheke fast 19 Prozent, sie mussten zugleich eine um gleich zwei Stufen auf "Reduce" erfolgte Abstufung durch Kepler Cheuvreux verdauen. Die Anteilsscheine des Kochboxen-Lieferanten Hellofresh gaben mehr als 15 Prozent nach und die des Online-Modehändlers Zalando verloren noch fast 10 Prozent. Qiagen, Teamviewer oder auch Sartorius verloren wie die SDax-Unternehmen Stratec und Drägerwerk im hohen einstelligen Prozentbereich. Global Fashion Group sackten dort zugleich um knapp 13 Prozent ab. Allesamt haben bisher sehr stark von der Corona-Krise profitiert.

Trump könnte noch zum Belastungsfaktor werden

Die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten ist nach Ansicht des Finanzexperten Markus Schön überraschend. Solange Trump an seinem Glauben, doch noch siegen zu können, festhält, werde es keine Kooperation mit Joe Biden geben, so Schön. Dies wiederum führe dazu, dass mindestens einen Monat ein neues Hilfsprogramm in den USA nicht verabschiedet werden wird. Zudem dürften die ohnehin schon schwachen Bemühungen der Trump-Regierung, das Corona-Virus einzudämmen, völlig zum Erliegen kommen. Dann werden die Neuinfektionen dramatisch ansteigen und bis zu einer möglichen Amtseinführung von Joe Biden wird der tägliche Zuwachs an Neuinfektionen in den USA vermutlich über der Marke von 250.000 liegen. Dann müsse der neue US-Präsident Joe Biden ähnliche Maßnahmen wie in Europa ergreifen, was die US-Wirtschaft zusätzlich belasten wird. Entsprechend schwierig dürfte das Jahr 2021 wirtschaftlich  global und gesellschaftlich insbesondere in den USA beginnen.

mg/rei/la/dpa-afx/Reuter