Börse Dax mit höchstem Schlusskurs seit zweieinhalb Monaten

Der Dax setzt seine Kursrally am Dienstag fort und schließt bei über 11.500 Punkten, auch die US-Börsen finden mit deutlichen Gewinnen zurück zum Niveau vor dem Corona-Crash.
Erholungsrally treibt Dax über 11 500 Punkte

Erholungsrally treibt Dax über 11 500 Punkte

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Lockerungen in der Corona-Krise und die damit einhergehende Hoffnung auf eine Wirtschaftsbelebung haben deutsche Aktien am Dienstag weiter angeschoben. Der Dax (Kurswerte anzeigen) knüpfte mit einem Zugewinn von 1,00 Prozent auf 11.504,65 Punkte an sein fast dreiprozentiges Vortagsplus an. Der MDax (Kurswerte anzeigen) der mittelgroßen deutschen Werte rückte um 1,44 Prozent auf 25.446,60 Zähler vor. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50  kletterte um 0,94 Prozent auf 2999,22 Punkte und ließ zwischenzeitlich erstmals seit Ende April die runde Marke von 3000 Zählern wieder hinter sich.

Stück für Stück erholt sich der Dax vom Corona-Crash, der im Februar mit dem Virusausbruch in Europa begonnen hatte. Erstmals seit Anfang März, als dieser seine Hochphase hatte, schaffte es der Leitindex wieder über die Marke von 11.500 Punkten - und schloss damit im Chart eine große Lücke, die damals mit dem zunächst größten Tagesverlust seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 geklafft hatte.

Auch in den USA ist der Dow Jones  auf Erholungskurs. Fortschritte bei der Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs ermuntern Anleger zum Einstieg in den US-Aktienmarkt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones stieg am Dienstag um 2,4 Prozent auf 25.053 Punkte - erstmals seit dem 10. März überschritt er damit wieder die Marke von 25.000 Punkten. Auch der breit gefasste S&P 500  übersprang erstmals seit gut zweieinhalb Monaten wieder die psychologisch wichtige Marke von 3000 Zählern.

Andrew Cuomo

Andrew Cuomo

Foto: Johannes Eisele / AFP

Investoren setzten darauf, dass schon vor dem Jahresende ein Impfstoff marktreif sein werde, sagte Art Hogan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters National Securities. Außerdem erwarteten sie eine Erholung der Konjunktur, da immer mehr Bundesstaaten ihre Pandemie-Restriktionen lockern. Ein Symbol hierfür war die Wiedereröffnung des New Yorker Parketthandels. Zu diesem Anlass läutete der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, die traditionelle Glocke zum Börsenstart.

Patrick Fruzzetti, Geschäftsführer des Anlageberaters Rosenau, mahnte dagegen zur Besonnenheit. "Die Wirtschaft wird nicht binnen weniger Monate von null auf 100 beschleunigen." Die Erholung werde lange Zeit in Anspruch nehmen.

Impfstoff-Hoffnung bewegt die Kurse

Den allgemeinen Optimismus schürte eine Ankündigung von Novavax. Die Pharmafirma beginnt nach eigenen Angaben mit ersten Tests eines Corona-Impfstoffs am Menschen. Novavax-Aktien stiegen um 13 Prozent. "Der Markt reagiert, als ob wir den Impfstoff schon hätten", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Dabei befinden wir uns noch in einem frühen Stadium der Wirkstoff-Entwicklung."

Die Titel des Rivalen Moderna, der vergangene Woche Versuche mit seinem Impfstoff-Kandidaten an Menschen angekündigt hatte, büßten knapp elf Prozent ein. Gefragt waren auch die Papiere von Merck & Co. (Kurswerte anzeigen), die sich um 1,7 Prozent verteuerten.Der US-Pharmakonzern übernimmt den österreichischen Impfstoffhersteller Themis Bioscience und steigt damit auch in die Covid-Impfkampagne ein.

Stark gefragt waren auch die Aktien von Hotelketten wie Hilton  oder Marriot, Online-Reisebüros wie Expedia  oder Booking.com sowie Casino-Betreibern wie Wynn, Las Vegas Sands oder MGM. Sie gewannen bis zu 15 Prozent.

EZB will Krisenstaaten helfen

Ein Stimmungsaufheller seien auch die jüngsten Aussagen des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau, sagte Nick Kounis, Chef-Analyst der ABN Amro Bank. Villeroy habe angedeutet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) verstärkt Anleihen derjenigen Länder aufkaufen werde, die von der aktuellen Krise besonders gebeutelt seien. "Frankreichs Notenbankchef ist ein einflussreiches Mitglied des EZB-Rats. Wir bezweifeln, dass er bei diesem Thema allein auf weiter Flur steht."

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren verstärkt zu Bonds aus Italien, die besonders stark von den EZB-Käufen profitieren. Dadurch fielen die Risikoaufschläge zu Bundesanleihen zeitweise auf ein Sieben-Wochen-Tief.

Deutsche Bank surft weiter auf der Corona-Welle

Im Dax legten die Aktien der Deutschen Bank  mit über acht Prozent am stärksten zu. Konzernchef Christian Sewing sagte auf einer Konferenz in New York, nach dem überraschenden Ertragssprung im ersten Quartal sehe er weiterhin einen schwungvollen Handel mit festverzinslichen Papieren und Währungen. Die Dynamik in dem Segment habe sich im April und Mai fortgesetzt.

Die Aktien der Deutschen Börse (Kurswerte anzeigen) hingegen waren mit minus 2,75 Prozent größter Verlierer im Dax.

Details zu Lufthansa-Staatshilfe

Lufthansa-Aktien (Kurswerte anzeigen) zählten mit plus 6,83 Prozent auf 9,23 Euro zu den stärksten Gewinnern - obwohl das staatliche Rettungspaket noch immer nicht unter Dach und Fach ist und die nun bekannt gewordenen Details zur Zinslast kaum positive Resonanz unter Analysten fanden. Die Experten bestätigten Kursziele zwischen 2 und 10 Euro.

Wirecard verkraftet abermaligen Schock

Die Anteilsscheine von Wirecard (Kurswerte anzeigen) konnten sich der anhaltenden Erholungsrally nicht anschließen. Nach Anfangsverlusten von gut sechs Prozent spielte sich das Minus lange Zeit zwischen einem und zwei Prozent ab. Erst in der Schlussauktion gelang ihnen ein Sprung auf ein Tageshoch nahe der 87-Euro-Marke. Letztlich gaben sie so nur noch leicht um rund 0,3 Prozent nach. Am späten Vorabend hatte der Zahlungsdienstleister die Anleger mit einer abermaligen Verschiebung der Termine für Jahresbilanz und Hauptversammlung geschockt, weil das Urteil der Wirtschaftsprüfer von EY noch auf sich warten lasse. Nach Informationen von manager magazin steht der Job von Vorstandschef Markus Braun nun unter dem Vorbehalt eines uneingeschränkt positiven Testats.

Im Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50  waren Aktien der Luftfahrt- und Tourismusbranche am stärksten gesucht - in der Hoffnung auf eine Sommerurlaubssaison trotz Coronavirus. Immer mehr Urlaubsländer heben mit dem Beginn der Sommerreisesaison ihre Einreisestopps auf und öffnen Strände, Hotels und Restaurants. In Paris stieg der Cac 40 um 1,46 Prozent auf 4606,24 Punkte. Der britische Leitindex FTSE 100 gewann 1,24 Prozent auf 6067,76 Zähler. Die Londoner Börse war zum Wochenbeginn wegen eines Feiertags ebenso geschlossen geblieben wie die Aktienmärkte in den USA.

Der Reise- und Freizeitsektor hatte mit einem Plus von fast sieben Prozent die Nase vorn. Tui-Aktien  schossen in London um mehr als 50 Prozent nach oben. "Die Papiere von Reiseanbietern und Fluggesellschaften hatten heute einen richtig guten Tag", sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets. So schnellten die Papiere von Air France-KLM um knapp elf Prozent in die Höhe, die von Ryanair  legten sogar um fast zwölf Prozent zu. Für die Anteilscheine der Fluggesellschaften Easyjet  und IAG  ging es gar um gut 19 beziehungsweise 22,5 Prozent steil nach oben.

Dazu passend, nahmen im EuroStoxx 50 die Aktien des Flugzeugbauers Airbus  mit einem Plus von gut sieben Prozent den dritten Platz ein. An der Index-Spitze kletterten die Anteilscheine des französischen Triebwerksbauers und Technologiekonzerns Safran um fast acht Prozent nach oben. Größter Kursgewinner im Cac 40 waren die Papiere des Hotelbetreibers Accor  mit einer Rally von mehr als elf Prozent. Sie hatten bereits am Vortag stark zugelegt. In London zogen die Papiere von Intercontinental Hotels  ebenfalls kräftig an.


Kursübersicht: Hier sehen Sie Dax und Dow in Echtzeit 


Ölpreise erholen sich weiter

Auch an den Rohstoffmärkten waren die Konjunkturoptimisten in der Überzahl. Die Rohöl-Sorte Brent  aus der Nordsee verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 36,06 Dollar je Fass (159 Liter). Sie profitiere zusätzlich von Spekulationen, dass die großen Exportländer ihre aktuellen Förderbeschränkungen bis ins zweite Halbjahr hinein verlängern werden, sagte Bjarne Schieldorp, Chef-Anlagestratege für Rohstoffe der Bank SEB.

Kupfer gefragt, Angst-Investments Gold und Dollar nicht mehr so

Bei Kupfer treibe die Aussicht auf verstärkte Infrastruktur-Investitionen des weltweit größten Abnehmers China die Preise nach oben, sagte Analyst Kieran Clancy vom Research-Haus Capital Economics. Das Industriemetall  gewann 1,7 Prozent auf 5377 Dollar je Tonne.

Gleichzeitig verbilligte sich die "Antikrisen-Währung" Gold (Kurswerte anzeigen) um bis zu 0,5 Prozent auf 1720,68 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Auch aus der Weltleitwährung zogen sich Investoren zurück. Dies drückte den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, 0,8 Prozent ins Minus. Im Gegenzug gewann der Euro  0,6 Prozent auf 1,0969 Dollar.

Wegen der gestiegenen Risikofreude der Anleger gaben die Kurse deutscher und amerikanischer Staatsanleihen nach. Unter den Bundeswertpapieren gab es 65 Verlierer mit Kursabschlägen von bis zu 2,47 Prozentpunkten. Dem standen keine Gewinner gegenüber. Der Bundesbank zufolge stieg die Umlaufrendite von minus 0,47 Prozent am Montag auf minus 0,42 Prozent.

ak/dpa-afx/reuters