Börse Dow Jones schließt im Plus - und zieht Dax mit

Der Dax hat auf Wochensicht knapp 3 Prozent an Wert verloren. Aktien der Deutschen Bank und der Lufthansa geraten stark unter Druck. Im späten Handel drehen Dow Jones und Nasdaq jedoch ins Plus - und ziehen den Dax mit nach oben.
Dax im Minus: Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt am Main

Dax im Minus: Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt am Main

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Erneute Schwankungen am Aktienmarkt: Anleger haben zum Wochenschluss Vorsicht walten lassen. Nachdem in den zwei Wochen zuvor die Indizes weltweit deutlich zugelegt hatten, weist der Dax  für die laufende Woche wieder eine negative Wochenbilanz auf. Der Dax  verlor am Freitag bis zum Schluss des Xetra-Handels (17.30 Uhr) 1,7 Prozent auf 10.336 Punkte und verbuchte auf Wochensicht ein Minus von 2,7 Prozent. Zu den größten Verlierern gehörten die Aktien von Lufthansa  , Deutsche Bank  und Wirecard  mit Verlusten zwischen 3 und 7 Prozent.

Auch der Dow Jones  zeigte sich bis zum frühen Nachmittag etwas schwächer. Börsianer führten die Verluste unter anderem auf eine sich abzeichnenden Erfolglosigkeit des Medikaments Remdesivir des Pharmakonzerns Gilead Sciences im Einsatz gegen Covid-19 zurück. Am Freitag Abend jedoch starteten Dow Jones und Nasdaq jedoch einen Erholungsversuch und drehten jeweils in die Gewinnzone: Der Dax folgte prompt und kletterte am Abend wieder über die Marke von 10.400 Punkten.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union vertagten die Einigung auf ein Corona-Konjunkturprogramm. Vor allem die strittige Frage der Finanzierung ist weiterhin offen und soll wohl erst im Sommer geklärt werden. "Das Verschuldungsproblem der Europäischen Währungsunion wurde mit den Entschlüssen gestern nicht gelöst - ein Anpassungsmechanismus zwischen den Ländern im Norden und denen im Süden fehlt weiterhin", sagte Jan Viebig, Chefinvestor bei Oddo BHF.

Ifo-Index auf historischem Tief

Die Pandemie lähmt die Wirtschaft massiv. In Deutschland ist die Stimmung in den Chefetagen laut Ifo-Institut so schlecht wie nie zuvor. "Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Mit der Lockerung des Shutdowns steige zwar die Chance auf eine Stimmungsverbesserung, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq drehen ins Plus

Nach dem Dämpfer am Vortag wagt die Wall Street am Freitag einen vorsichtigen neuen Anlauf nach oben. Die Aussicht auf Lockerungen der Corona-Einschränkungen in einigen US-Bundesstaaten hat die Kurse an der Wall Street am Freitag gestützt. Richtige Kauflaune kam angesichts der insgesamt düsteren Wirtschaftsprognosen aber nicht auf.

Der Dow Jones  der Standardwerte legte bis kurz vor Handelsschluss in den USA um 1,1 Prozent zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg sogar um 1,6 Prozent und führte den Erholungsversuch an. Zu den Gewinnern gehörten am Abend die Aktien von Apple , Facebook  und Microsoft .

Die Lockerungspläne in den USA werden konkreter. Georgia will als erster Bundessstaat den Lockdown aufheben, obwohl Präsident Donald Trump den Zeitpunkt nicht befürwortete. Auch Gouverneure von beispielsweise Texas, Tennessee, Ohio und Montana kündigten Pläne an, die eine rasche Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit für einige Arbeitsplätze ermöglichen sollen. "Wir haben den Höhepunkt überschritten und langsam aber sicher werden alle Staaten, in denen es keine größeren Fälle gegeben hat, nach und nach wieder öffnen", sagte Thomas Hayes, geschäftsführendes Mitglied beim Vermögensverwalter Great Hill Capital. "Der Markt wertet dies als ein Signal, dass die Nachfrage zurückkommen wird."

Doch die Aussichten für die Konjunktur weltweit bleiben düster. Die US-Industrie verzeichnet im Zuge der Coronakrise einen massiven Auftragseinbruch. Die Bestellungen für Gebrauchsgüter wie etwa Flugzeuge oder Maschinen sackten im März um 14,4 Prozent ab. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Minus von 11,9 Prozent gerechnet. In Europa zeigten sich Anleger enttäuscht von den EU-Krisenplänen zur Bekämpfung der Folgen der Pandemie. Der Dax verlor 1,7 Prozent auf 10.336 Punkte, der EuroStoxx fiel um rund anderthalb Prozent.

Boeing und Intel im Abwärtssog

Zu den größten Verlierern am US-Aktienmarkt zählten die Aktien von Boeing, die rund sechs Prozent nachgaben. Einem Zeitungsbericht zufolge will der Flugzeughersteller die Produktion seines Dreamliner-Modells 787 um die Hälfte reduzieren. Zudem droht der geplante Kauf der kommerziellen Luftfahrtsparte der brasilianischen Airline Embraer angesichts des rapide gesunkenen Börsenwertes beider Konzerne zu platzen. Bei dem 4,2 Milliarden Dollar schweren Deal gebe es eine Blockade, das Schicksal sei ungewiss, wenn nicht schnell ein Durchbruch gefunden wird, sagten Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind.

Papiere von Intel fielen um 1,4 Prozent, nachdem der Chiphersteller für das zweite Quartal Gewinne unter den Erwartungen prognostiziert hatte. Es sei angesichts der allgemeinen Lage nicht verwunderlich, dass der Konzern auch seine Jahresprognose kassiert habe, urteilten die Analysten von Cowen und Company. Überraschend sei aber, dass sich die strukturellen Treiber für das Wachstum im ersten Quartal im zweiten Quartal offenbar nicht mehr vorhanden seien.

Facebook will Zoom angreifen

Explodierende Nutzerzahlen hievten Zoom zeitweise auf ein Rekordhoch. Die Aktien des Videokonferenzen-Anbieters stiegen um bis zu sieben Prozent auf 181,50 Dollar. Damit summiert sich das Plus seit Ausbruch der Coronavirus-Krise auf mehr als 75 Prozent. Trotz Sicherheits- und Datenschutz-Bedenken hat die Firma den Angaben zufolge aktuell 300 Millionen Nutzer.

Im späten Handel gab die Aktie von Zoom jedoch wieder deutlich nach: Angesichts des rasanten Wachstums von Videochats in der Corona-Krise will Facebook dieses Terrain nicht dem Aufsteiger Zoom überlassen und kontert mit einem eigenen Angebot. Bei "Messenger Rooms" können zunächst Videokonferenzen für rund 20 Teilnehmer aufgesetzt werden, später sollen es bis zu 50 werden. Die Nutzung soll ähnlich simpel sein wie bei Zoom. Facebook zogen nach dieser Ankündigung zuletzt um 2,3 Prozent auf 189,42 US-Dollar an. Zoom indes sackten um 5,0 Prozent auf 160,59 Dollar ab.


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Lufthansa Aktie stürzt auf 17-Jahres-Tief

Unter Druck standen die Aktien der Lufthansa, die 8,2 Prozent nachgaben und mit 7,16 Euro zeitweise so wenig kosteten wie seit der Sars-Pandemie vor 17 Jahren nicht mehr. Insidern zufolge will die Fluggesellschaft Anfang kommender Woche ein Hilfspaket mit einem Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro schnüren. Das Unternehmen leidet massiv darunter, dass im Zuge der Coronavirus-Bekämpfung der Flugverkehr fast vollständig eingestellt wurde. "Im Moment heißt es Staatshilfe oder das Ende", urteilten die Experten des Brokerhauses Bernstein.

S&P stuft deutsche Banken ab - Aktien von Deutscher Bank im Minus

Auch Banken standen auf der Verkaufsliste, nachdem die Ratingagentur S&P den Daumen über die Commerzbank, die Deutsche Bank und andere Geldhäuser wegen der Corona-Krise gesenkt hatte. Die Deutsche-Bank-Aktien gaben 4,6 Prozent nach, die Titel der Commerzbank knapp 4 Prozent. Auch die Aktie des Finanzdienstleisters Wirecard geriet nach der Kursrally vom Vortag wieder unter Druck, Anleger nahmen Gewinne mit.

Die Anteilsscheine des Chipherstellers Infineon (Kurswerte anzeigen)notierten noch 1 Prozent tiefer. Hier belastete insbesondere ein enttäuschender Gewinnausblick des Chipriesen Intel . Die Amerikaner befürchten für das zweite Halbjahr schlechtere Geschäfte durch einen Sparkurs von Unternehmen und Behörden.

Ölpreis bleibt unter Druck - WTI bei 15 Dollar

Beim Ölpreis zeichnete sich keine Entspannung ab. Ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl kostete mit 15,64 Dollar zeitweise 5,2 Prozent weniger als am Donnerstag, Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich um bis zu 3,9 Prozent auf 20.50 Dollar. Analysten geben keine Entwarnung nach dem historischen Preiskollaps vom Wochenauftakt. "Das geförderte Öl hat schlichtweg keinen Platz mehr, an dem es gelagert werden kann", sagte Bjornar Tonhaugen, beim Analysehaus Rystad Energy zuständig für den Ölmarkt. Wegen der Coronavirus-Pandemie ist die Nachfrage nach Öl um 30 Prozent eingebrochen. Zugleich sind die Lager insbesondere in den USA bis zum Bersten gefüllt.

Märkte in Asien mit Verlusten

Die Aktienmärkte in Asien haben sich am Freitag den schwachen Vorgaben der Wall Street angeschlossen. Nach zwei positiven Wochen hatten die Aktienmärkte weltweit in den vergangenen Handelstagen wegen schlechter Wirtschaftsdaten, den Turbulenzen an den Ölmärkten und nachlassender Hoffnungen auf sinkende Infektionsraten weitere Kurssprünge hinter sich. Einen weiteren Dämpfer hatte den Anlegern am Vorabend an der Wall Street der Bericht über die Erfolglosigkeit des Covid-19-Hoffnungsträgers Remdesivir verpasst.

In Tokio beendete der Nikkei  den Handel mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 19.262 Punkte. Der Index konnte damit seine Erholung vom Vortag nicht fortsetzen und verbuchte für die gesamte Woche einen Kursabschlag von mehr als 3 Prozent. Vor dem Wochenende fanden auch die jüngsten Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise Beachtung. Wie das japanische Innenministerium zuvor mitgeteilt hatte, näherte sich der Preisauftrieb aufgrund der niedrigen Energiepreise zuletzt weiter dem Deflationsbereich an.

An Chinas Börsen halfen da auch nicht die frischen Nachrichten der Notenbank, die die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mit weiteren moderaten Schritten abmildern will. So stellt die People's Bank of China (PBOC) den Banken weitere Milliardensummen zur Verfügung und senkt den Zinssatz für das Geschäft.

Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen rutschte gleichwohl um 0,84 Prozent ab auf 3797,76 Punkte. In Hongkong gab der Hang Seng  im späten Handel um 0,51 Prozent auf 23 855,42 Zähler nach.

Euro leicht gefallen

Der Euro -Kurs  ist am Freitag etwas gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Morgen mit 1,0767 US-Dollar gehandelt. Er notierte damit etwas niedriger als noch in der Nacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,0772 (Mittwoch: 1,0867) Dollar festgesetzt.

Die Ergebnisse des Gipfels der Europäischen Union zur Corona-Krise lagen im Rahmen der Erwartungen. Der Gipfel billigte am Donnerstag ein bereits verabredetes 500-Milliarden-Hilfspaket und die Gründung eines Wiederaufbaufonds, über den noch einmal 1000 Milliarden Euro oder mehr verteilt werden könnten. Details bleiben aber weiterhin umstritten.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann hat der EU-Gipfel dem Euro geschadet. Die Ergebnisse seien "Wischiwaschi". Wieder müsse die EZB die Feuerwehr spielen, um die Probleme der Euro-Zone zu lösen.

Mit Nachrichtenagenturen
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