Mittwoch, 27. Mai 2020

Börse Verheerende US-Konjunkturdaten ziehen Dax und Dow in die Tiefe

Kursrutsch nach der Erholungsrally: Dax und Dow Jones geben wieder nach
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Kursrutsch nach der Erholungsrally: Dax und Dow Jones geben wieder nach

Nach der Kursrally der vergangenen Tage gibt der Dax am Mittwoch wieder deutlich nach. Aktien der Deutschen Bank und der Autobauer geraten deutlich unter Druck. Die erneut fallenden Ölpreise sowie desaströse US-Einzelhandelsdaten beenden auch die Erholung an der Wall Street.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Mittwoch nach der jüngsten Rally im großen Stil Kasse gemacht. Dass es die Bundesregierung in der Viruskrise mit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen nicht so eilig hat, ließ den Dax Börsen-Chart zeigen im Tagesverlauf deutlich absacken. Als Belastung hinzu kamen am Nachmittag desaströse Konjunkturdaten aus den USA, so dass der deutsche Leitindex 3,90 Prozent tiefer bei 10.279,76 Punkten schloss. Seit dem Tief des Corona-Crashs Mitte März hat er dennoch um rund ein Viertel zugelegt. Der MDax Börsen-Chart zeigen der mittelgroßen Werte fiel zur Wochenmitte um 2,91 Prozent auf 21.722,09 Zähler.

Zuletzt war steigender Optimismus, dass sich die Pandemie stabilisiert und Lockerungen der Virusmaßnahmen möglich werden, das Hauptthema an den Finanzmärkten. Nun sollen die seit Wochen geltenden Kontaktbeschränkungen für die Menschen in Deutschland grundsätzlich bis mindestens 3. Mai verlängert werden. Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern können unter Auflagen ab Montag wieder öffnen.

Belastet von der Corona-Krise waren im März die viel beachteten US-Einzelhandelsumsätze zum Vormonat so stark wie noch eingebrochen. Darüber hinaus trübte sich die Stimmung in der Industrie im US-Bundesstaat New York im April in einem noch nie dagewesen Ausmaß ein. Der Empire-State-Index sackte auf ein Rekordtief und signalisierte einen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität. "Die Konjunktursorgen werden durch die Daten größer", schrieb Analyst Patrick Boldt von der Landesbank Helaba.

Charttechnisch glauben Experten, dass die Luft nach dem jüngsten Anstieg für den Dax dünner geworden ist. Das Absinken unterhalb des Kursbereichs von 10.500 Punkten deutet laut dem Marktexperten Andreas Lipkow von der Comdirect Bank auf einen Bruch des zuletzt spürbaren kurzfristigen Erholungstrends hin.

Spuren der Pandemie zeigen sich am Mittwoch auch in der beginnenden Berichtssaison der US-Unternehmen, die laut Lipkow keine guten Signale an die Finanzmärkte sendet. So hatten erneut Großbanken von Gewinneinbrüchen im ersten Quartal berichtet, nachdem JPMorgan Börsen-Chart zeigen am Vortag schon keine positive Duftmarke gesetzt hatte. Papiere aus dem Bankensektor gehörten am Mittwoch europaweit zu den größten Verlierern, jene der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen knickten am Dax-Ende um mehr als 9 Prozent ein. Im MDax büßten die Anteilscheine der Commerzbank Börsen-Chart zeigen fast 10 Prozent ein.

In den wichtigsten Aktienindizes ebenfalls weit hinten tauchten auch die zuletzt bevorzugten Aktien aus zyklischen Branchen wie etwa dem Autosektor auf. Dort rechnet Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler in diesem Jahr mit dem vermutlich größten Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Papiere von BMW Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen (VW) , Daimler Börsen-Chart zeigen und dem Zulieferer Continental Börsen-Chart zeigen fielen um bis zu 7 Prozent.

Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen sackte um 3,75 Prozent auf 2808,20 Punkte ab. Der französische Leitindex Cac 40 schloss ähnlich deutlich im Minus, während der Londoner FTSE 100 rund 3 Prozent verlor.

Der Euro Börsen-Chart zeigen verlor im Zuge der Risikoscheu der Anleger an Boden. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0903 (Dienstag: 1,0963) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9172 (0,9122) Euro. Die Kurse deutscher Bundesanleihen stiegen, der Rentenindex Rex legte um 0,28 Prozent auf 144,64 Punkte zu. Die Umlaufrendite fiel im Gegenzug von minus 0,36 Prozent am Vortag auf minus 0,43 Prozent. Der Bund Future gewann 0,71 Prozent auf 172,58 Punkte.


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Wall Street: Dow Jones und Nasdaq geben deutlich nach

Desaströse Wirtschaftsdaten haben die Anleger am US-Aktienmarkt am Mittwoch verschreckt. Hinzu kamen hohe Kursverluste im Energiesektor. Bank-Aktien büßten ebenfalls teils deutlich ein, nachdem weitere Institute Quartalszahlen vorgelegt hatten. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen sank zuletzt um 2,18 Prozent auf 23.427,76 Punkte. Damit steht das Wall-Street-Barometer aber immer noch um fast 29 Prozent über seinem Corona-Krisentief vom 23. März.

Für den breiter gefassten S&P 500 ging es zur Wochenmitte um 2,35 Prozent auf 2779,16 Punkte abwärts. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq Börsen-Chart zeigen verlor 1,30 Prozent auf 8578,98 Zähler und schlug sich damit wie an den beiden Vortagen erneut besser als die Standardwerte.

US-Einzelhandelsumsätze brechen ein

Belastet von der Corona-Krise brachen im März die viel beachteten US-Einzelhandelsumsätze zum Vormonat so stark ein wie noch nie. Darüber hinaus trübte sich die Stimmung in der Industrie im US-Bundesstaat New York im April in einem noch nie dagewesen Ausmaß ein. Der Empire-State-Index sackte auf ein Rekordtief und signalisierte einen Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität. Schließlich fiel im März auch noch die Industrieproduktion der USA so stark wie seit dem Jahr 1946 nicht mehr und auch vom US-Häusermarkt kamen extrem trübe Stimmungsdaten.

"Es kam also wie befürchtet, und es wird auch erst einmal nicht besser", kommentierte Analyst Bernd Krampen von der NordLB die Daten. "Nur langsam kann ein Wiederhochfahren der Produktion erfolgen, will man nicht eine zweite Virus-Ausbreitungswelle riskieren." Der Rekordeinbruch des New Yorker Empire-State-Index verdeutliche das Ausmaß des ganzen Schreckens zusätzlich.

US-Banken mit hohen Rückstellungen

Nachdem am Vortag bereits die Zahlen der Banken JPMorgan und Wells Fargo nicht gut ankamen, folgten an diesem Tag nun mit Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, Bank of America Börsen-Chart zeigen(BofA) , Citigroup Börsen-Chart zeigen und U.S. Bancorp weitere Kredithäuser mit Quartalszahlen.

Auch sie bildeten angesichts der Corona-Krise hohe Rückstellungen für faule Kredite, was zu Lasten der Gewinne ging. Ihre Kurse gaben deutlich nach, wobei Goldman Sachs mit plus 0,6 Prozent die Ausnahme waren. Besonders hohe Abgaben von jeweils um die fünfeinhalb Prozent mussten die Anleger von U.S. Bancorp und Bank of America verkraften.

Ölaktien unter Druck

Ölaktien standen einmal mehr unter Druck. Marktbeobachter verwiesen auf eine Prognose der Internationalen Energieagentur, die einen massiven Einbruch der Nachfrage erwartet. Das drückte unter anderem den Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI unter 20 Dollar. Die im Dow notierten Aktien von Chevron Börsen-Chart zeigen und ExxonMobil büßten jeweils um die fünf Prozent ein. Die Anteile des Chemiekonzerns Dow Inc verloren als Index-Schusslicht fast neun Prozent.

Beim größten US-Gesundheitsdienstleister und Krankenversicherer UnitedHealth drückte die Corona-Pandemie im ersten Quartal hingegen nur leicht auf die Gewinne. Die Analysten der Credit Suisse lobten, dass UnitedHealth die Jahresziele bestätigte. An der Dow-Spitze trotzten die Titel mit plus drei Prozent dem schwachen Markt.

Die Aktien von Netflix Börsen-Chart zeigen stiegen gar auf ein Rekordhoch mit 434,12 Dollar. Zuletzt notierten sie 4,1 Prozent höher. Der Streaming-Anbieter und Filmproduzent gilt als einer der Nutznießer der Virus-Krise. Weil viele Menschen wegen der Einschränkungen des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens derzeit wenig oder gar nicht arbeiten, steigt das Interesse an von zu Hause verfügbarer Unterhaltung.


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Asiatische Aktienmärkte ebenfalls im Minus

Die asiatischen Aktienmärkte sind am Mittwoch trotz Gesprächen über vorsichtige Lockerungen in einigen Ländern zur Ankurbelung der Wirtschaft ins Minus gerutscht. Warnungen vor der schlimmsten globalen Rezession seit den 30er Jahren unterstrichen den wirtschaftlichen Schaden, den der Coronavirus-Ausbruchs bislang angerichtet hat. Auch Chinas Senkung des wichtigen mittelfristigen Zinssatzes auf Rekordtief, gab den Börsen nicht den nötigen Schwung.

Die Börse in Tokio hat sich am Mittwoch zunächst uneinheitlich gezeigt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index Börsen-Chart zeigen lag im Verlauf 0,6 Prozent tiefer bei 19.521 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,1 Prozent und lag bei 1435 Punkten.

Die Börse in Shanghai lag 0,2 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,3 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 1,6 Prozent.

Ölpreise setzen Talfahrt fort

Die Ölpreise haben am Mittwoch erneut nachgegeben. Marktbeobachter verwiesen auf eine Prognose der IEA, die einen massiven Einbruch der Nachfrage erwartet. Gegen Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen 28,36 US-Dollar. Das waren 1,24 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI sank um 56 Cent auf 19,55 Dollar.

Zwischenzeitlich fiel der Preis für US-Öl bis auf 19,20 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 2002. Zuvor hatte die Internationale Energieagentur (IEA) mitgeteilt, sie rechne wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mit einem beispiellosen Rückgang der Nachfrage nach Rohöl.

Nach Einschätzung der IEA-Experten dürfte die Nachfrage nach Rohöl im laufenden Jahr durchschnittlich um 9,3 Millionen Barrel pro Tag einbrechen. Für April geht die IEA im Vergleich zum Vorjahr gar von einem Einbruch um 29 Millionen Barrel täglich aus: Der weltweite Verbrauch läge damit auf dem Niveau von 1995. Bereits am Vortag hatte eine trübe Prognose des Internationale Währungsfonds (IWF) die Kurse an den Ölmärkten unter Druck gesetzt.

Darüber hinaus ist der Preiskrieg führender Rohölländer aus Sicht von Marktbeobachtern noch nicht ausgestanden. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, erwartet einerseits nicht, dass die vom Opec-Kartell mit seinen Partnern vereinbarten umfangreichen Förderkürzungen rigoros umgesetzt werden. "Und gleichzeitig deuten die gigantischen Rabatte Saudi-Arabiens - die anderen Golfstaaten dürften dem Beispiel folgen - für die Mai-Lieferungen auf einen anhaltenden Preiskrieg hin", sagte Weinberg.

Damit bliebe die Doppelbelastung des Ölmarktes unverändert. Daten des Interessenverbands American Petroleum Institute (API), die am Vorabend bekannt geworden waren, zeigten einen Anstieg der Lagerbestände für US-Öl in der letzten Woche um 13 Millionen Barrel. Die offiziellen Lagerdaten der US-Regierung werden am Nachmittag erwartet.

dpa/rtr/ap

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