Börse Geldflut der Fed lässt Dax und Dow steigen

Der Dax schließt im Plus. Auch an der Wall Street setzt der Dow Jones seine Erholung fort. Die US-Notenbank hat ein weiteres billionenschweres Hilfsprogramm beschlossen.
Dax-Kurve an der Frankfurter Börse

Dax-Kurve an der Frankfurter Börse

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Erholung am Aktienmarkt nach dem Corona-Crash geht zunächst weiter: Der Dax  hat am Donnerstag Nachmittag seine Gewinne ausgebaut und notierte zuletzt wieder klar im Plus. Den Xetra-Handel beendete der Dax am Donnerstag (17.30 Uhr) mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 10.564 Punkte. Anschließend baute der Dax bis kurz vor Handelsschluss an der Wall Street seine Gewinne weiter aus und kletterte über die Marke von 10.700 Punkten.

Grund für die starken Schwankungen: In den USA sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zwar um 6,6 Millionen und damit deutlich stärker als erwartet gestiegen. Erwartet worden waren 5,2 Millionen. Binnen drei Wochen haben sich somit knapp 17 Millionen Amerikaner arbeitslos gemeldet. Doch die Fed verkündete am Donnerstag zeitgleich, dass sie ein 2,3 Billionen Dollar schweres Notfallpaket auflegen werde, um eine Rezession zu bekämpfen.

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Gespannt warten die Marktakteure auch auf die Fortsetzung der Verhandlungen der Euro-Gruppe über ein Hilfspaket zur Bewältigung der Corona-Krise. "An den Börsen rechnen alle mit einer schnellen Einigung", sagte Analyst Thomas Altmann von QC Partners. Sollte diese allerdings ausbleiben, wäre das ein harter Schlag für die Aktienmärkte.

Von großem Interesse dürfte auch die Videokonferenz der "Opec+"-Staaten zur angespannten Lage auf dem Ölmarkt sein. Im Raum stehen drastische Produktionskürzungen - sofern denn auch die USA mitziehen. Die Folgen der Corona-Krise und der Preiskampf zwischen Russland und Saudi-Arabien hat den Ölpreis in den vergangenen Wochen abstürzen lassen.

Wall Street: Fed-Notprogramm stützt Dow Jones und Nasdaq

Die US-Börsen schwankten am letzten Handelstag vor dem Osterwochenende stark. Der Dow Jones  notierte zeitweise 2,5 Prozent im Plus bei 24.000 Punkten. Anschließend gab der Index einen Teil seiner Gewinne jedoch wieder ab. Die starken Schwankungen des Ölpreises ließen auch die Aktienmärkte schwanken.

Dominiert wird die Nachrichtenlage weiter von der Corona-Pandemie. Im Blickpunkt steht zudem das Treffen der Ölförderländer (Opec+) zur geplanten Reduzierung der Fördermenge.

Angesichts düsterer Aussichten für den US-Jobmarkt springt die Notenbank der angeschlagenen Wirtschaft in der Corona-Viruskrise erneut bei und legt ein 2,3 Billionen Dollar schweres Programm für Firmen, Bundesstaaten und Bezirke auf. Fed-Chef Jerome Powell versicherte, die Notenbank könne die Wirtschaft so lange wie nötig über Wasser halten: Zeitlich gebe es dafür keine Grenzen.

SAP-Aktien geben Großteil der Gewinne ab

Aktien von RWE , Volkswagen  und Infineon  führen die kürzer werdende Gewinnerliste an. SAP (Kurswerte anzeigen) geben eine Großteil ihrer Gewinne wieder ab und notieren noch ein halbes Prozent im Plus. Wegen der Corona-Krise hängte der Software-Entwickler die Ziele für Umsatz und Gewinn in diesem Jahr niedriger. Die Analysten der Bank RBC sind jedoch der Meinung, die niedrigeren Ziele seien immer noch besser als am Markt befürchtet.


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Euro-Kurs nur wenig verändert

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Donnerstag nur wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0867 US-Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,0871 (Dienstag: 1,0885) Dollar festgesetzt.

Ölpreise erholen sich weiter, Opec-Staaten beraten Förderkürzung

Die Ölpreise haben ihre Erholung am Donnerstag trotz der anhaltenden Nachfrageschwäche fortgesetzt. Im asiatischen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Lieferung im Juni 33,14 US-Dollar und damit 30 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI mit Lieferung im Mai stieg um 72 Cent auf 25,81 Dollar.

Die "Opec+"-Staaten wollen sich heute möglicherweise über Produktionskürzungen verständigen. "Sollte das Treffen keine Resultate bringen, droht ein erneuter Kollaps der Ölpreise unter die psychologisch wichtige Marke von 20 Dollar", warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. "Dies hätte schwerwiegende Folgen für die Ölproduzenten weltweit und dürfte auch zu einer erneuten Verkaufswelle am Aktienmarkt führen."

Der Nachfrageausfall infolge der Corona-Epidemie hält an. Marktbeobachter sprachen in einigen Weltregionen von einem Rückgang um 70 Prozent. In den USA werden zur Zeit laut Angaben der Regierung nur noch 14,4 Millionen Barrel am Tag nachgefragt, das wäre das niedrigste Niveau seit 1990. Der starke Einbruch der Nachfrage aufgrund der Beschränkungen in zahlreichen Ländern zeige sich laut Aussage von Händlern auch in der Gesamtschau: Normalerweise verbrauche die Welt ungefähr 100 Millionen Barrel Öl am Tag, einige Händler sprachen zuletzt jedoch nur noch von 65 Millionen Barrel täglich.

Am Markt hielt sich der Optimismus angesichts der Entspannung im Preiskrieg daher in Grenzen. "Der Nachfrageausfall, der weit größer ist als die optimistischste Förderkürzung durch die OPEC und ihre Verbündeten, wird die Preise wahrscheinlich weiter drücken", hieß es von Ölmarkt-Experte Bjornar Tonhaugen von Rystad Energy.

Asiens Börsen überwiegend mit Gewinnen

Gestützt von deutlichen Gewinnen der US-Börsen am Vortag haben Asiens wichtigste Aktienmärkte am Donnerstag mehrheitlich im Plus tendiert. An der Wall Street hatte der Dow-Jones-Index am Mittwoch um fast 3,5 Prozent zugelegt.

In Hongkong stieg der Hang Seng  am Donnerstag im späten Handel um 0,67 Prozent auf 24.130,54 Zähler. Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen wurde zuletzt mit einem Plus von 0,37 Prozent bei 3794,51 Punkten gehandelt.

Die Börse in Tokio gönnte sich hingegen nach drei gewinnträchtigen Handelstagen in Folge eine Ruhepause. Der japanische Nikkei  schloss 0,04 Prozent tiefer bei rund 19.345,77 Punkten, nachdem in dieser Woche bereits um rund 9 Prozent gestiegen war. Händler verwiesen auf negative Nachrichten zur Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie in Japan. Dort hat am Mittwoch die Zahl der Neuinfektionen erstmals die Marke von 400 überschritten.

So sind die Vorgaben der Wall Street

Dow Jones und Nasdaq schließen fest im Plus

Die Wall Street hat am Mittwoch wieder an ihren jüngsten Erholungskurs angeknüpft. Nachdem die wichtigsten Aktienindizes am Vortag noch zwischenzeitliche Gewinne komplett abgegeben hatten und leicht ins Minus gerutscht waren, ging es mit den Kursen zur Wochenmitte letztlich deutlich nach oben. Börsianer verwiesen als Antrieb auf erneut aufgekommene Spekulationen, wonach US-Präsident Donald Trump die von der Virus-Krise schwer gebeutelte Wirtschaft wieder zum Teil hochfahren möchte.

Der Dow Jones  gewann nach einem verhaltenen Start 3,44 Prozent auf 23.433 Punkte. Vom erst Mitte Februar bei rund 29 569 Punkten erreichten Rekordhoch aber ist der US-Leitindex noch immer weit entfernt. Der breit gefasste S&P 500 stieg um 3,41 Prozent auf 2749 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 (Kurswerte anzeigen) ging es um 2,24 Prozent auf 8229 Punkte in die Höhe.

Weitere Impulse für den Aktienmarkt kamen von der Geldpolitik: Die Notenbank (Fed) hatte angesichts der Corona-Krise eine länger anhaltende Nullzinspolitik signalisiert. Niedrige Zinsen lassen Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Anleihen in einem besseren Licht erscheinen.

Zudem war der linke Senator Bernie Sanders aus dem Präsidentschaftsrennen der US-Demokraten ausgestiegen und hatte damit den Weg frei gemacht für eine Kandidatur des Ex-US-Vizepräsidenten Joe Biden. Dieser gilt als wirtschaftsfreundlicher als Sanders, der die Wall Street und die Konzerne in die Schranken weisen wollte.

Unter den Einzelwerten standen Aktien von Logistikkonzernen hoch in der Gunst der Anleger. So zogen FedEx (Kurswerte anzeigen) unter den Favoriten im S&P 500 um gut 8 Prozent an. Die Anteilscheine des Wettbewerbers UPS  stiegen um mehr als 6 Prozent. Börsianer verwiesen auf Medienberichte, wonach der Online-Riese Amazon (Kurswerte anzeigen) seine Pläne für einen hauseigenen Lieferdienst aussetzt, der mit den Platzhirschen der Branche konkurrieren würde. Die Anteilscheine von Amazon lagen lediglich 1,6 Prozent im Plus.

mit Nachrichtenagenturen