Montag, 24. Februar 2020

Börse Sorgen um Coronavirus bremsen Dax-Rekordjagd

Verluste im Dax : Der deutsche Leitindex fällt am Donnerstag wieder unter die Marke von 13.700 Zählern. Am Vortag hatte er noch ein Rekordhoch erreicht

Zwei Tage lang hatte der Dax neue Rekordmarken gesetzt - am Donnerstag ist es damit vorbei. Bis zum Abend machte der Index seine Tagesverluste allerdings fast vollständig wieder wett.

Der drastische Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat Anleger am Donnerstag aufgeschreckt. Einige gingen am Donnerstag auf Nummer sicher und nahmen nach der jüngsten Rekordjagd Gewinne mit. Der Dax schloss knapp im Minus bei 13.745,43 Punkten und der EuroStoxx50 verlor 0,4 Prozent auf 3840,90 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 0,3 Prozent ein.

Die chinesische Regierung meldete für Mittwoch fast 15.000 Neuinfektionen mit dem Erreger COVID-19, knapp zehn Mal so viele wie am Tag zuvor. "Allerdings sei der sprunghafte Anstieg in erster Linie auf eine Überarbeitung der bisherigen Diagnoseergebnisse zurückzuführen", sagte Thomas Metzger, Chef der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer. "Nichtsdestotrotz befürchten nun viele Marktteilnehmer, dass man das Thema zu früh abgehakt hat und die makroökonomischen Auswirkungen der Krankheit doch stärker sein könnten als bisher vermutet."

Öl und Kupfer billiger - Sichere Häfen gefragt

Am Rohstoffmarkt setze sich allerdings die Einschätzung durch, dass neuen Infektionszahlen kein Anzeichen einer beschleunigten Ausbreitung seien, sagte Analyst Kieran Clancy vom Research-Haus Capital Economics. Nach anfänglichen Kursverlusten verteuerte sich das wichtige Industriemetall Kupfer um 0,5 Prozent auf 5790 Dollar je Tonne. Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee drehte ebenfalls ins Plus und stieg um 0,5 Prozent auf 56,05 Dollar je Barrel (159 Liter).

Dennoch flüchteten einige Anleger in "sichere Häfen". Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1575,81 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Nachfrage nach den ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf minus 0,414 Prozent. Am Devisenmarkt kletterte die Schweizer Währung auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch zum Euro. Dies bringe die Schweizer Nationalbank SNB in die Bredouille, warnte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Spekulanten dürften zunehmend Blut lecken und dazu verführt sein, den Willen der SNB zu testen, eine weitere Franken-Stärke zu begrenzen."

Auch mit Pfund Sterling deckten sich Investoren ein. Es stieg in der Spitze auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,2053 Euro. Der überraschende Rücktritt des britischen Finanzministers Sajid Javid schüre Spekulationen auf höhere Staatsausgaben, sagte Rabobank-Anlagestrategin Jane Foley. Dadurch wäre eine Zinssenkung der Bank von England (BoE) zur Ankurbelung der Konjunktur weniger dringlich.

Der Euro steht derweil an den Finanzmärkten weiter unter Druck. Am Donnerstag fiel der Kurs der Gemeinschaftswährung mit 1,0834 US-Dollar auf den tiefsten Stand seit April 2017. Ein ähnlicher Tiefstand vom Mittwochabend wurde nochmals unterboten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0867 (Mittwoch: 1,0914) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9202 (0,9163) Euro.


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Am deutschen Aktienmarkt stand die Commerzbank im Rampenlicht. Das Quartalsergebnis sei besser ausgefallen als erwartet, schrieb Analystin Martina Matouskova von der Investmentbank Jefferies. "Wenn man über die Abschreibungen und Einmaleffekte hinwegblickt, sieht es solide aus mit einer guten Kapitalposition." Commerzbank-Titel stiegen um 8,9 Prozent auf 6,43 Euro. Das ist der größte Tagesgewinn seit fast drei Jahren. In ihrem Windschatten notierten die Papiere der Deutschen Bank mit 10,25 Euro zeitweise so hoch wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Unter den Einzelwerten im Dax büßten die Anteile von HeidelbergCement nach Aussagen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2 Prozent ein und landeten damit auf dem vorletzten Platz im Index. Analyst Nabil Ahmed von der britischen Bank Barclays sprach mit Blick auf das vierte Quartal von einem "Fehlschlag". DZ-Bank-Analyst Thorsten Reigber rechnet zudem 2020 in Nordamerika und Westeuropa, den wichtigsten Märkten des Unternehmens, mit einer geringeren Wachstumsdynamik.

Die Papiere des weltgrößten Industriegase-Herstellers Linde schossen nach Vorlage der Jahreszahlen und überraschend starker Aussagen zum neuen Jahr dagegen mit plus 3 Prozent an die Dax-Spitze und erreichten ein Rekordhoch.

Bei der Barclays Bank überschatteten Ermittlungen gegen den Chef Jes Staley wegen dessen Verbindungen zum verstorbenen US-Banker und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein die Geschäftszahlen des Geldhauses, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Der Vorsteuergewinn habe die Erwartungen übertroffen. Die Barclays-Aktien verloren dennoch 1,6 Prozent.

An der Wall Street rutschten die Titel von Cisco nach Zahlen um 5,6 Prozent ab. Der Netzwerk-Ausrüster warnte vor einer anhaltenden Investitionszurückhaltung seiner Kunden. Grundsätzlich sei das Geschäft aber unverändert solide, urteilte Analyst George Notter von der Investmentbank Jefferies.

Der Technologieindex Nasdaq stieg um 0,1 Prozent und markierte mit 9732,87 Punkten den vierten Tage in Folge ein Rekordhoch. Der Dow Jones und der S&P 500 grenzten im frühen Handel ihre Anfangsverluste ein und blieben auf Tuchfühlung mit ihren Bestmarken.

mit dpa-afx und reuters

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