Dienstag, 7. April 2020

Börse Wall Street setzt Rekordjagd fort - wie lange noch?

Die Börsenparty geht weiter: Dow Jones, Nasdaq und S&P haben 2020 bereits kräftig zugelegt - doch die Wahrscheinlichkeit von Gewinnmitnahmen steigt
Mark Lennihan/ AP
Die Börsenparty geht weiter: Dow Jones, Nasdaq und S&P haben 2020 bereits kräftig zugelegt - doch die Wahrscheinlichkeit von Gewinnmitnahmen steigt

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Handelsabkommens zwischen China und den USA erreicht der Dow Jones ein weiteres Rekordhoch. Der Dax wird dagegen von Autowerten ausgebremst. Die Aktie von Wirecard steigt deutlich.

Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen nahm am Donnerstag wieder Kurs auf die Marke von 13.500 Punkten. Zuletzt lösten sich die Gewinne jedoch wieder auf, der Leitindex schloss hauchdünn im Minus bei 13.429 Punkten. Das Rekordhoch bei 13.596 Punkten bleibt aber dennoch in Reichweite.

An die Spitze des Dax Börsen-Chart zeigen setzte sich die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von 5 Prozent. Allein in dieser Woche haben sich die Titel des Zahlungsabwicklers nun schon um rund 14 Prozent verteuert. Meldungen über einen Wechsel im Aufsichtsrat und zu Übernahmen in der Branche hatten die Aktie von Wirecard beflügelt.

Zudem wetten auch zahlreiche Short-Seller bei Wirecard auf fallende Kurse: Steigt die Aktie von Wirecard dennoch an, müssen die Short-Seller ihre Wetten schließen, um Verluste zu vermeiden. Ein solcher Short-Squeeze kann die Aktie noch weiter nach oben tragen.

RWE und Eon profitieren von Kohle-Kompromiss

Im Dax gewannen die Aktien von RWE Börsen-Chart zeigen mehr als 2 Prozent. Damit waren sie der zweitbeste Wert. Betreiber von Kohlekraftwerken bekommen Milliardenentschädigungen für das vorzeitige Abschalten ihrer Anlagen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, Betreiber westdeutscher Kraftwerke erhielten 2,6 Milliarden Euro, Betreiber von Anlagen im Osten 1,75 Milliarden. Eon Börsen-Chart zeigen gewannen im Kielwasser von RWE am Donnerstag 1,5 Prozent.

MDax: Varta-Aktie setzt nach Kursrutsch zur Erholung an

Der Batteriehersteller Varta Börsen-Chart zeigen baut wegen der ungebrochen steigenden Nachfrage nach Lithium-Ionen-Zellen seine Produktion schneller als ursprünglich gedacht aus. An der MDax-Spitze reagierten die Aktien darauf mit einem Plus von fast 7 Prozent und setzten damit ihre Erholung fort. In den vergangenen Wochen war Varta stark unter Druck geraten, weil Anleger wachsende Konkurrenz aus China fürchten.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Wall Street: Dow Jones und S&P 500 setzen Rekordjagd fort

Der Höhenflug an der Wall Street dauert an. Zum einen herrscht weiter Erleichterung, nachdem die zwei größten Volkswirtschaften der Welt nach einem rund zweijährigen Handelsstreit ein erstes Teilabkommen unterschrieben haben. Zum anderen überzeugte die Investmentbank Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen Stanley mit ihrer Quartalsbilanz. Darüber hinaus fiel auch ein Teil der veröffentlichten US-Konjunkturdaten überraschend stark aus.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen erreichte mit einem Plus von 0,5 Prozent ein neues Rekordhoch bei 29.200 Punkten. Der marktbreite S&P 500 hat seit Wochenbeginn bereits Tag für Tag neue Höchststände erreicht und erreichte ein Rekordhoch von 3300 Zählern.

Konjunkturseitig überzeugte vor allem, dass sich das Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia im Januar deutlich stärker aufgehellt hatte als erwartet. Der Indikator der regionalen Notenbank (Philly-Fed-Index) stieg auf den höchsten Stand seit Mai 2019. Darüber hinaus sanken die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend. Die Einzelhandelsumsätze und die Einfuhrpreise im Dezember legen unterdessen wie erwartet leicht zu.

Morgan Stanley mit Kursrally nach Quartalszahlen

Unter den Einzelwerten verbuchten die Aktien von Morgan Stanley bereits ein vorbörsliches Plus von knapp 6 Prozent. Das Handelsgeschäft der Bank lief im vierten Quartal ausgesprochen stark und auch allgemein wurden die Erwartungen übertroffen, etwa bei den Nettozinserträgen, den Nettoerträgen oder auch dem Ergebnis je Aktie.

Anleger nehmen bei Tesla nach steiler Kursrally Gewinne mit

Tesla büßten indes nach einer Abstufung auf "Underweight" durch Morgan Stanley rund 5 Prozent ein. Am Dienstag noch hatten sie ein Rekordhoch bei etwas über 547 US-Dollar erreicht. Nach dem exorbitanten Kursanstieg der vergangenen vier Monate hält Analyst Adam Jonas die Bewertung der Aktie des Elektroautoherstellers nun für sehr hoch und das Chance-Risiko-Verhältnis für ungünstig. Risiken im langfristigen China-Geschäft dürften vom Markt noch nicht in ihrer Gesamtheit erfasst worden sein, schrieb er zudem.

Euro hält Tagesgewinne

Der Euro hat am Donnerstagmorgen seine am Vortag erzielten Gewinne weitgehend halten können. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1150 US-Dollar und damit kaum weniger als am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1142 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag stehen insbesondere in den USA zahlreiche Konjunkturdaten auf dem Kalender. Besonderes Augenmerk dürften Marktteilnehmer auf monatliche Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel werfen. Die Daten sind ein Gradmesser für die Konsumfreude der Verbraucher, die wichtig für die US-Wirtschaft ist.

Ölpreise gleichen Verluste aus

Die Ölpreise haben am Donnerstag ihre Abschläge vom Vortag weitgehend ausgeglichen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 64,50 US-Dollar. Das waren 50 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI stieg um 47 Cent auf 58,28 Dollar.

Für Auftrieb am Erdölmarkt sorgte die Unterzeichnung eines ersten Handelsabkommens zwischen den USA und China. Zum einen weckt dies die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft und die Ölnachfrage wieder etwas stärker wachsen werden. Zum anderen hat China zugesichert, mehr amerikanischen Rohöl und Ölprodukte wie Benzin zu kaufen.

Am Mittwoch waren die Rohölpreise dagegen unter Druck geraten, nachdem das US-Energieministerium einen starken Anstieg der landesweiten Reserven an Benzin und Diesel gemeldet hatte. Außerdem teilte die Behörde mit, dass die amerikanische Ölförderung auf einen neuen Rekordstand von 13,0 Millionen Barrel je Tag gestiegen ist. Der Produktionsboom geht vor allem auf die umstrittene Fracking-Technologie zurück.

la/rei/cr/dpa/rtr

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