Samstag, 25. Januar 2020

Börse Wall Street hängt Dax ab

Händler an der Wall Street: Neue Rekorde am Mittwoch

Der Dax schließt am Mittwoch im Minus - und koppelt sich damit von den starken US-Börsen ab. Aktien von Wirecard sind gefragt, Bankentitel verlieren nach dem Gewinneinbruch von Goldman Sachs deutlich. Autoaktien wie Volkswagen, BMW und Daimler zählen zu den größten Verlierern, weil Zölle auf Waren aus China vorerst bestehen bleiben.

Schwache Automobilaktien haben sich zur Wochenmitte als Bremsklotz für den deutschen Aktienmarkt erwiesen. Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen gab am Mittwoch um 0,18 Prozent auf 13.432 Punkte nach. Damit koppelte sich der Dax von den US-Börsen ab, wo sich die Rekordjagd großer Aktienbarometer wie Dow Jones Börsen-Chart zeigen und S&P 500 munter fortsetzte. Der MDax Börsen-Chart zeigen mittelgroßer Aktientitel gab um 0,19 Prozent nach und schloss mit 28.407 Zählern. Der EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen gab ebenfalls nach.

Die Zölle für in die USA exportierte Waren aus China sollen trotz der am Mittwoch anstehenden Unterzeichnung der ersten Handelsvereinbarung zwischen den USA und China zunächst nicht gestrichen werden. Dies sorge für einen Dämpfer, sagten Händler, denn Zölle seien gerade für die Autohersteller Gift.

"Hatte man sich lange über das Ausbleiben neuer Eskalationen gefreut, verlagert sich die Aufmerksamkeit jetzt auf die vielen offenen und ungeklärten Fragen zwischen den beiden Handelsmächten in diesem Konflikt", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. "Das dämpft die Stimmung, da zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand darauf die Antworten kennt."

Warten auf zweites Abkommen, Zölle bleiben vorerst bestehen

Nach monatelangen, zähen Verhandlungen wollen US-Präsident Donald Trump und der chinesische Vize-Premierminister Liu He am Mittwoch in Washington das Handels-Teilabkommen unterzeichnen. China soll dann wieder mehr US-Produkte abnehmen. Strittige Punkte wie der Diebstahl geistigen Eigentums, ein erzwungener Technologietransfer zwischen Unternehmen und Subventionen sollen aber wohl erst in einer zweiten Phase geklärt werden. Deswegen warteten Anleger auf weitere Details. Strategen hierzulande fürchteten indes, dass es lediglich eine Art Waffenstillstand zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften geben könnte.

"Wenn man bedenkt, wie viele positive Nachrichten an der Börse bereits in den Kursen berücksichtigt sind, müsste der Deal phänomenal sein, um eine nächste Runde von Käufen auszulösen", sagte Analyst David Madden vom Handelshaus CMC Markets.

Zudem sollen nach Aussagen von US-Finanzminister Steven Mnuchin die milliardenschweren Sonderzölle auf chinesische Importe bis zum Abschluss eines zweiten Abkommens beibehalten werden. "Eine solche Rhetorik klingt vertraut und spiegelt die Taktik wider, China zu weiteren Zugeständnissen zu zwingen", erklärten Experten der Commerzbank. Zweifel an einem Wachstumsschub für die Weltwirtschaft durch das Handelsabkommen trieb Anleger wieder verstärkt in das in Krisenzeiten begehrte Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1550 Dollar je Feinunze. Die Ölpreise gaben angesichts hoher US-Lagerbestände und einer US-Produktion auf Rekordniveau nach. Die führende Nordseesorte Brent verbilligte sich um ein Prozent auf 63,91 Dollar je Fass.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Wall Street: Dow Jones und S&P 500 klettern auf Rekordhoch

Goldman-Sachs-Gewinn bricht ein, Deutsche Bank und Coba unter Druck

Im Finanzsektor sorgten durchwachsene Bilanzen großer US-Geldhäuser teils für lange Gesichter: so enttäuschte die Investmentbank Goldman Sachs im Quartal mit einem Gewinnrückgang von 26 Prozent, während die Bank of America und der Vermögensverwalter Blackrock besser abschnitten als erwartet. In Frankfurt verloren Deutsche Bank 2,4 Prozent und die Commerzbank 3,9 Prozent.

Europaweit gerieten zudem Autowerte unter die Räder. Der Branchenindex gab um 1,7 Prozent nach. Volkswagen Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen verloren im Dax zwischen 1,4 und 2,5 Prozent. Ein Umsatz- und Gewinnrückgang setzte dem Zulieferer Hella zu: die Aktien des Scheinwerferspezialisten verloren 1,7 Prozent.

Wirecard im Plus, MTU auf Rekordhoch

Wie bereits an den beiden Vortagen eroberten dagegen die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen erneut den ersten Platz im Leitindex mit einem Aufschlag von 2,15 Prozent. Zwei Kurstreiber machen Marktbeobachter derzeit bei Wirecard aus: Zum einen der Wechsel an der Spitze im Aufsichtsrat, zum andern Übernahmemeldungen in der Branche.

Mit einem erneuten Rekordhoch ging auch die Erfolgsgeschichte des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen weiter. Das Kursplus belief sich zum Handelsschluss auf 2,14 Prozent. MTU profitiert insbesondere nach der Stilllegung der Boeing 737 Max von einem starken Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft mit Triebwerken. Die Papiere des Pharma- und Chemiekonzerns Merck KGaA Börsen-Chart zeigenkletterten im Verlauf ebenfalls auf ein Rekordhoch.

Zinsspekulationen drücken britisches Pfund

Sinkender Inflationsdruck heizte in Großbritannien die Spekulationen auf eine Zinssenkung weiter an. Das Pfund Sterling gab daraufhin bis zu 0,3 Prozent auf 1,2983 Dollar nach, stieg anschließend aber wieder über 1,30 Dollar. An den Märkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung Ende Januar nun bei 61 Prozent gesehen.

Die Preise stiegen im Dezember auf der Insel nur noch um 1,3 Prozent zum Vorjahr, nach 1,5 Prozent im November. Dies ist der niedrigste Anstieg seit rund drei Jahren. "Diese Zahlen stützen die Überlegungen des scheidenden Notenbankchefs Mark Carney, dass es offensichtlich Spielraum für eine Zinssenkung gibt, falls eine Stützung der Wirtschaft erforderlich wird", meint Ökonom Robert Alster vom Vermögensverwalter Close Brothers.

Der russische Rubel geriet nach dem Rücktritt der russischen Regierung kurzzeitig unter Druck. Die Devise konnte ihre Verluste aber schnell wieder wettmachen.

Bundesanleihen legen zu, Euro macht Verluste wieder wett

Die Kurse deutscher Bundesanleihen legten zu. Die Umlaufrendite sank im Gegenzug von minus 0,22 Prozent am Dienstag auf minus 0,25 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,15 Prozent auf 143,84 Punkte. Der Bund Future legte am Abend um 0,25 Prozent auf 171,46 Zähler zu.

Der Euro machte anfängliche leichte Verluste wett und kostete am Abend 1,1155 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1142 Dollar festgesetzt.

mit Nachrichtenagenturen

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