Samstag, 25. Januar 2020

Börse Dax gibt Gewinne ab, Anleger nehmen Gewinne mit

Kursgewinne im Dax: Bulle und Bär an der Frankfurter Börse
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Kursgewinne im Dax: Bulle und Bär an der Frankfurter Börse

Die USA und China verkünden im Handelsstreit eine Teil-Einigung. Autowerte wie Volkswagen, BMW und Daimler legen zu. Allerdings nehmen Anleger in Europa und den USA auch erste Gewinne mit. Die Aktie von Wirecard rutscht erneut ins Minus.

Die Einigung auf ein Phase-1-Abkommen im Zollstreit zwischen USA und China hat am Freitag den Dax gestützt. Der deutsche Aktienindex kletterte zeitweise um 1,4 Prozent auf 13.408 Punkte in die Höhe, gab am Nachmittag aber auf Grund von Gewinnmitnahmen den größten Teil seiner Gewinne wieder ab und fiel unter die Marke von 13.300 Punkten zurück. Vor allem die Automobilwerte Daimler Börsen-Chart zeigen, VW und BMW Börsen-Chart zeigen legten zu und gehörten zu den Gewinnern im Dax. Dagegen gerieten die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen und MTU Aero Engines Börsen-Chart zeigen erneut unter Druck.

US-Präsident Donald Trump hat eine Teileinigung im Handelsstreit mit China verkündet. Es sei ein "sehr großer Phase-Eins-Deal" mit Peking erzielt worden, schrieb Trump am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Präsident verzichtet deswegen auf neue Strafzölle gegen China, die am Sonntag in Kraft getreten wären. Die chinesische Regierung bestätigte die Teileinigung. China habe umfassenden "strukturellen Veränderungen" und einem Kauf von US-Landwirtschaftsprodukten, Energie und weiteren Gütern zugestimmt, schrieb Trump. Nun solle umgehend mit den Verhandlungen für ein Phase-Zwei-Abkommen begonnen werden.

Großbritannien: Populist Johnson triumphiert

Hoffnung auf ein Ende der Hängepartie gibt es auch beim Brexit. So gab es bei der Wahl in Großbritannien ein deutlicher Sieg der Konservativen Partei von Premierminister Boris Johnson ab. Populist Johnson hat damit freie Bahn für seinen Brexit-Deal und könnte Großbritannien wie geplant zum 31. Januar aus der Europäischen Union führen. Sein Wahlversprechen "Get Brexit done" bleibt damit aber immer noch falsch: Die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien werden erst 2020 beginnen. Im Dezember 2020 droht damit weiterhin ein harter Brexit.

Pfund Sterling nach Johnson-Sieg deutlich fester

Das Pfund Sterling kletterte dank des klaren Wahlsiegs des britischen Premierministers Boris Johnson auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 1,3514 Dollar. Zur Gemeinschaftswährung markierte es mit 1,2079 sogar den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Mit einem Plus von 2,1 Prozent steuerte das Pfund zudem auf den größten Tagesgewinn seit elf Jahren zu.

Wall Street: Gewinnmitnahmen bremsen Dow Jones und Nasdaq

Die Rally am US-Aktienmarkt wurde am Freitag von Gewinnmitnahmen gebremst. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen notierte kurz nach dem dem Start 0,26 Prozent höher auf 28 206 Punkten und damit nur wenige Zähler unter seiner im Vortagesverlauf erreichten Bestmarke bei 28.224 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen drehte dagegen leicht ins Minus, da Anleger nach dem Rekordhoch am Vortag Gewinne mitnahmen.

Oracle legt zu, Broadcom unter Druck

Unter den Einzelwerten gab es Bewegung bei den Softwareherstellern Oracle Börsen-Chart zeigen und Adobe Systems . Oracle hatte im zweiten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten an den Umsatz verfehlt. Vorbörslich ging es am Freitag um 2,3 Prozent nach unten.

Anders das Bild bei Adobe: Die Aktien gewannen nach einem besser als erwartet ausgefallenen vierten Geschäftsquartal vorbörslich 2,8 Prozent dazu. Die Analysten von Bernstein Research erhöhten zudem das Kursziel von 334 auf 367 US-Dollar und votieren weiter mit "Outperform".

Der Halbleiterkonzern Broadcom Börsen-Chart zeigen signalisierte mit seiner Prognose für den Jahresumsatz Optimismus, dass die negativen Auswirkungen des Handelskonflikts abgefedert werden können. Dennoch gaben die Papiere vorbörslich um 1,4 Prozent nach. Aussagen, wonach einzelne Sparten Aufträge verlören, belasteten.

Banken und Immobiliensektor sind die größten Profieure in Großbritannien

Haupt-Profiteure der schwindenden Unsicherheit seien der Immobiliensektor und die Banken, schrieben die Analysten der Barclays Bank. Der Immo-Branchenindex steuerte mit einem Plus von zeitweise 6,6 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit mehr als zehn Jahren zu. Die Baufirmen Persimmon, Berkeley, Barratt und Taylor Wimpey verbuchten allesamt Kursgewinne von mehr als zehn Prozent. Den Aktien der auf den Heimatmarkt fokussierten Royal Bank of Scotland (RBS) winkte mit einem Plus von gut 14 Prozent der größte Tagesgewinn seit Frühjahr 2009.

Investoren rissen sich außerdem um die Papiere britischer Versorger. Die Titel von Centria, SSE und National Grid verbuchten teilweise die größten Kurssprünge seit Jahren. Die unterlegene Labour Party hatte in ihrem Wahlprogramm die Verstaatlichung der Firmen gefordert.

Delivery Hero steigt nach Übernahme zweistellig

Derweil sorgen auch Übernahmen für Bewegung. Delivery Hero Börsen-Chart zeigen legten am Freitag um mehr als 15 Prozent zu. Der Essenslieferant kauft 87 Prozent des südkoreanischen Unternehmens Woowa, das insgesamt mit vier Milliarden US-Dollar bewertet wird. Beschlossen wurde derweil aber auch eine Kapitalerhöhung.

Deutlich kleiner fällt der Zukauf des SDax-Unternehmens Jost Werke aus. Der Lkw-Zulieferer Jost Werke hat den schwedischen Hersteller von landwirtschaftlichen Frontladern Ålö Holding für 250 Millionen Euro gekauft. Hier kommt der Schritt bei den Anlegern positiv an, die Titel legen vorbörslich 2,5 Prozent zu.


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Euro und britisches Pfund ziehen deutlich an

Der Euro Börsen-Chart zeigen und das britische Pfund haben am Freitag klar vom Wahlsieg der konservativen Partei in Großbritannien profitiert. In der Nacht auf Freitag stieg der Euro bis auf 1,1199 US-Dollar. Das war der höchste Stand seit Mitte August. Am Freitagmorgen waren es mit 1,1165 Dollar etwas weniger. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1137 Dollar festgesetzt.

Das britische Pfund legte noch deutlicher zu. Zum US-Dollar und dem Euro stieg es um jeweils gut zwei Prozent. Auch gegenüber vielen anderen Währungen erhöhte sich der Kurs der britischen Währung. Auslöser war der klare Sieg der konservativen Tories unter Premier Boris Johnson in der vorgezogenen Parlamentswahl. Johnson war unter anderem mit dem Versprechen angetreten, den EU-Austritt Großbritanniens bis Ende Januar über die Bühne zu bringen.

Angebliche Einigung im Handelskonflikt treibt Ölpreise

Die Ölpreise haben am Freitag an ihre Aufschläge vom Vortag angeknüpft. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 64,62 US-Dollar. Das waren 42 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) erhöhte sich um 30 Cent auf 59,48 Dollar.

Die Erdölpreise rangieren damit in der Nähe ihrer dreimonatigen Höchststände. Auslöser der jüngsten Gewinne waren Medienberichte, wonach sich die USA und China weitgehend einig sind und ein vorläufiges Handelsabkommen vereinbart haben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, US-Präsident Donald Trump habe die Vereinbarung bereits unterschrieben.

Der Handelsdisput zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt hat die Rohölpreise in den vergangenen Monaten häufig belastet. Grund sind Befürchtungen vor starken weltwirtschaftlichen Auswirkungen, falls der Streit immer weiter eskaliert. Dies würde der konjunkturbedingt ohnehin schwächeren Ölnachfrage einen zusätzlichen Dämpfer versetzen. Positive Nachrichten sorgen daher meist für Zuversicht und steigende Ölpreise.

mit reuters und dpa

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