Mittwoch, 22. Januar 2020

Börse am Freitag Jobmotor in USA brummt - Dax und Dow ziehen an

Dax-Kurve in der Deutschen Börse

US-Unternehmen haben zuletzt 266.000 neue Jobs geschaffen. Der brummende Jobmotor lockt auch Anleger wieder hervor: Dow Jones, Nasdaq und Dax bauen ihre Gewinne aus.

Am letzten Tag einer vom Hin und Her im Handelsstreit geprägten Woche sieht es für den Dax im späten Handel gut aus. Positive Signale im Zollstreit zwischen den USA und China sowie robuste Arbeitsmarktdaten aus den USA heben die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Der Dax baute seine Gewinne am Freitag auf 0,7 Prozent aus und kletterte wieder über die Marke von 13.150 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet das aktuell allerdings einen Verlust von 0,5 Prozent.

Neue Daten vom US-Arbeitsmarkt trieben die US-Börsen an. Der US-Jobmotor läuft zum Jahresende auf Hochtouren. Im Dezember entstanden 266.000 neue Jobs, wie die Regierung in Washington am Freitag mitteilte. Dies ist der stärkste Stellenaufbau binnen zehn Monaten.

266.000 neue Jobs in USA

Volkswirte hatten lediglich 180.000 neu Arbeitsplätze vorhergesagt. Zugleich wurde die Zahl für November auf 156.000 von 128.000 nach oben revidiert. Üblicherweise gilt bereits ein Stellenaufbau von 100.000 im Monat als ausreichend, um mit dem Bevölkerungswachstum in den USA Schritt zu halten.

Die separat ermittelte Arbeitslosenquote fiel um einen Tick auf 3,5 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung bedeutet. Die US-Notenbank, die diesem Ziel verpflichtet ist, entscheidet am Mittwoch wieder über den Leitzins. Experten erwarten, dass sie nach drei Senkungen in diesem Jahr stillhalten und den geldpolitischen Schlüsselsatz vorerst in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent belassen wird.

Dow Jones und Nasdaq starten mit Gewinnen

Nach einem deutlichen Beschäftigungsanstieg im November zeichnet sich an der Wall Street am Freitag ein starker Handelsstart ab. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen kletterte im frühen Handel um 1,1 Prozent auf 27.960 Zähler. Der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen legte um 0,9 Prozent zu.

Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank sprach von einer positiven Überraschung. Im November habe der US-Arbeitsmarkt nochmals aufgedreht. Allerdings gebe es zahlreiche Vorboten einer Eintrübung der bislang guten Situation, goss er etwas Wasser in den Wein.

Uber meldet sexuelle Übergriffe

Schlechte Nachrichten kamen derweil von Uber: In einem ersten Bericht dieser Art musste der Fahrdienst-Vermittler fast 6000 von Nutzern gemeldete sexuelle Übergriffe in den vergangenen zwei Jahren eingestehen. Uber betont aber, 99,9 Prozent aller Fahrten seien ohne Probleme verlaufen. Nicht zuletzt habe man in den vergangenen zwei Jahren mehr Instrumente geschaffen, um die Sicherheit für Fahrer und Mitfahrer zu erhöhen sowie 44 000 Fahrer abgelehnt. Die Aktien gaben vorbörslich dennoch nach.

Im Auge behalten sollten die Anleger auch die Papiere von Tiffany nach einer gestrichenen Empfehlung der Credit Suisse. Analyst Michael Binetti geht angesichts der Übernahmegespräche zwischen Kering und Moncler nicht davon aus, dass Kering dem Konkurrenten LVMH bei Tiffany noch dazwischenfunkt. Für die Anleger bedeutet dies, dass es wohl bei den von LVMH gebotenen 135 Dollar bleiben wird.

Trump äußert sich zu China-Verhandlungen

Hoffnung schöpften Anleger dagegen aus der Äußerung von US-Präsident Donald Trump, die Verhandlungen mit China liefen gut. Die ermutigenden Äußerungen lockten die Anleger am Freitag an die asiatischen Börsen. Die jüngsten Aussagen Trumps, wonach sich die Handelsgespräche mit China "in die richtige Richtung bewegten", sorgten bei den Investoren für Zuversicht, sagten Börsianer. Die Börse in Tokio legte am Freitag zu. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg im Verlauf um 0,3 Prozent auf 23.361 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gewann ebenfalls 0,3 Prozent und lag bei 1711 Zähler.

Die Börse in Shanghai notierte 0,1 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen kletterte um 0,2 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gewann 0,8 Prozent.


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Euro hält Gewinne vom Vortag

Der Euro hat sich am Freitag wenig bewegt und damit die Kursgewinne vom Vortag gehalten. Am Morgen stand die Gemeinschaftswährung knapp über 1,11 US-Dollar und wurde bei 1,1105 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1094 Dollar festgesetzt.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hätten enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA den Dollar etwas belastetet und dem Euro im Gegenzug leichten Auftrieb verliehen. Am Nachmittag wird der Arbeitsmarktbericht der US-Regierung für November erwartet, der an den Finanzmärkten stark beachtet wird.

Wenig Bewegung gab es auch beim japanischen Yen. Damit zeigte ein neues Konjunkturprogramm der japanischen Regierung weiter wenig Wirkung am Devisenmarkt. Am Vortag war bekannt geworden, dass die Regierung in Tokio die lahmende Wirtschaft mit milliardenschweren Investitionen stärker in Schwung bringen will.

Ölpreise vor Opec-Beschlüssen kaum verändert

Die Ölpreise haben sich am Freitagmorgen wenig bewegt. Am Markt wurde weiter gespannt auf Ergebnisse eines Treffens des Ölkartells Opec mit verbündeten Ölstaaten gewartet, die im Lauf des Tages anstehen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 63,28 US-Dollar. Das waren elf Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um sechs Cent auf 58,37 Dollar.

Seit Donnerstag laufen Verhandlungen der Opec-Vertreter, die von Beobachtern als zäh beschrieben wurden. Das Ölkartell hat sich nach Angaben des iranischen Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh bei dem Treffen in Wien zwar auf eine gemeinsame Strategie zur künftigen Ölförderung geeinigt. Die Details der Übereinkunft wurden aber nicht veröffentlicht.

Ob sich die Ölminister der Opec-Staaten auf eine verschärfte Förderkürzung einigen konnten, ließ der Vertreter des Iran offen. Im weiteren Tagesverlauf wird gemeinsam mit den zehn kooperierenden Staaten in der sogenannten "Opec+"-Runde weiterverhandelt, darunter Russland. Bei den Gesprächen dürfte es um eine alle Staaten der Opec+ betreffende weitere Förderkürzung um zusätzlich 500 000 Barrel Öl pro Tag gehen, wie aus einer Empfehlung eines Expertengremiums der Opec hervorgeht. Russland hatte sich zuletzt zurückhaltend zu einer stärkeren Kürzung der Fördermenge geäußert.

luk/dpa/dpa-afx

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