Samstag, 14. Dezember 2019

Verluste an der Börse Dax taucht ab, Trumps neue Zölle sorgen für Kursrutsch

Kurstafel im Frankfurter Handelssaal
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Kurstafel im Frankfurter Handelssaal

US-Präsident Trump hat die Importzölle auf Stahl und Aluminium aus Brasilien und Argentinien reaktiviert. Das belastet die Stimmung am Aktienmarkt, der Dax baut seine Verluste aus. Auch an der Wall Street geben Dow Jones und Nasdaq nach.

Rauf - und wieder runter: Am deutschen Aktienmarkt haben am Montag die Kursgewinne aus dem frühen Handel nicht gehalten. Der Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen , der nach soliden Konjunkturdaten aus China am Vormittag in der Spitze um 0,8 Prozent auf 13.334 Punkte gestiegen war, gab die Gewinne wieder vollständig ab und rutschte zum Handelsschluss deutlich in die Verlustzone. Zuletzt notierte der Dax mit minus 2,1 Prozent bei 12.964,7 Punkten und damit sogar unter der Marke von 13.000 Zählern. Binnen weniger Stunden hat der deutsche Leitindex rund 350 Punkte eingebüßt und folgte damit den Verlusten an den US-Börsen.

Die Abwärtsbewegung setzte mit der Nachricht ein, dass US-Präsident Donald Trump Importzölle auf Stahl und Aluminium aus Brasilien und Argentinien wieder in Kraft setzt. Zuvor hatten überraschend starke Konjunkturdaten aus China dem Dax Auftrieb gegeben und damit für einen freundlichen Start in den Dezember gesorgt. "Die chinesischen Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe senden ein starkes Lebenszeichen", sagte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Ob sie am Ende jedoch auch in ein höheres Wachstum mündeten, müsse abgewartet werden.

Trump ist Freund der Zölle - wenn nicht gegen China, dann gegen andere

Die USA werden laut Trump wieder Zölle auf Stahl und Aluminium aus Argentinien und Brasilien verhängen. Der US-Präsident begründete den Schritt mit der "massiven" Abwertung der Landeswährungen der beiden südamerikanischen Länder. "Der Schritt des US-Präsidenten zeigt, dass er ein Freund protektionistischer Handelspolitik ist", sagte ein Börsianer. Sollte Trump mit Blick auf den Wahlkampf in den USA auch einen Handelsdeal mit China abschließen, heißt das noch nicht, dass er nicht andere Länder - zum Beispiel Deutschland - mit neuen Zöllen überzieht, um seine "USA first" Politik zu unterstreichen.

China verhängt neue Sanktionen gegen die USA

Angesichts der positiven Konjunkturdaten geriet zunächst in den Hintergrund, dass China im Streit um Hongkong neue Sanktionen gegen die USA verhängt hat. "Ab sofort" dürften US-Kriegsschiffe nicht mehr in Hongkong Zwischenhalt einlegen, zudem seien Strafmaßnahmen gegen US-Organisationen in Arbeit, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying am Montag in Peking. Treffen könnte die demnach Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch und Freedom House.

Wall Street: Dow und Nasdaq eröffnen mit Verlusten

Die US-Börsen sind unterdessen mit leichten Verlusten in den Dezember gestartet. Am "Cyber Monday", an dem die Schnäppchenjagd der US-Verbraucher im Weihnachtsgeschäft weiter geht, gab der Dow Jones Börsen-Chart zeigen um 0,6 Prozent nach und fiel wieder unter die Marke von 28.000 Punkten. Der Technologieindex Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen gab um 1,6 Prozent nach.

Der Handelsstart fiel damit weniger positiv aus als einige Stunden zuvor noch erwartet. Wieder einmal bremste ein Tweet von US-Präsident Donald Trump die Stimmung, die zuvor an den Weltbörsen getragen war von aktuellen Konjunkturdaten aus China. Dort war ein wichtiger Einkaufsmanagerindex erstmals seit April wieder über die Wachstumsschwelle gestiegen. Trump machte der Freude jedoch einen Strich durch die Rechnung. Wie er auf dem Nachrichtendienst Twitter schrieb, werden die USA wegen der Abwertung der jeweiligen Landeswährungen "unverzüglich" wieder Zölle auf Stahl und Aluminium aus Argentinien und Brasilien verhängen.

Amazon am Cyber Monday leicht im Plus, Exxon gefragt

Auf Unternehmensseite war der Nachrichtenfluss vorweihnachtlich ruhig. Der "Cyber Monday" lenkt sicherlich etwas den Fokus auf die Online-Handelsbranche mit dem Platzhirschen Amazon Börsen-Chart zeigen. Bedeutende Kursauswirkungen gelten jedoch als unwahrscheinlich, solange das Abschneiden nicht in Zahlen messbar ist. Amazon-Aktien lagen vorbörslich aber immerhin mit 0,3 Prozent im Plus.

Einen Blick wert sein könnten ansonsten noch die Ölwerte, Papiere von Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen zum Beispiel rückten im frühen Handel um 0,6 Prozent vor. Der Ölpreis konnte sich am Montag von seinem jüngsten Preisrutsch erholen. Den Rutsch hatten vor dem Wochenende Hinweise auf die künftige Förderpolitik des Opec-Kartells ausgelöst. Marktbeobachter erklärten die wieder höheren Ölpreise unter anderem mit den China-Daten


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


RWE-Aktie unter Druck

Bei den Unternehmen rutschten die Titel von RWE Börsen-Chart zeigenmit 2,68 Prozent besonders deutlich ins Dax-Minus, was Beobachter auf die befürchteten Unsicherheiten aus der Vorsitzendenwahl der SPD zurückführten. Mit Esken und Walter-Borjans drifte die Regierung nun wieder nach links und werde gleichzeitig grüner, schrieb Kepler-Analyst Ingo Becker in einer ersten Reaktion am Montag. Damit würden auch die Erwartungen an die Kompensationszahlungen für den Austritt aus der Kohleverstromung kleiner werden.

Die Versorger-Branche verbuchte denn auch insgesamt europaweit die größten Verluste. Demgegenüber ging es für die Rohstofferzeuger deutlich bergauf - HeidelbergCement Börsen-Chart zeigenwaren etwa mit einem Plus von 2,27 Prozent größter Favorit im Dax.

Die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen gewann zudem 1,58 Prozent dazu, nachdem die britische Investmentbank HSBC ihr Kursziel für die Papiere hochgeschraubt hatte.

Direkt hinter der Post landete die Lufthansa Börsen-Chart zeigen, nachdem der Chef der staatlichen katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, am Wochenende Interesse an einer Beteiligungzum Ausdruck gebracht hatte. "Wenn es eine Möglichkeit gibt, in Lufthansa zu investieren, dann würden wir das gern machen", hatte der Manager am Rande eines Besuchs von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Doha gesagt. Die Lufthansa-Papiere gewannen zuletzt 1,57 Prozent dazu.

Im MDax Börsen-Chart zeigen stiegen die Aktien von ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigenebenfalls deutlich um 2,42 Prozent. Der Medienkonzern und sein Branchenkollege Mediaset Börsen-Chart zeigenwerden über den kürzlichen Einstieg der Italiener bei den Münchnern reden. "Wir treffen uns an diesem Montag und besprechen, wie Mediaset sich das Engagement insgesamt vorstellt", sagte Vorstandschef Max Conze der "Süddeutsche Zeitung" (Montagausgabe). Mediaset hatte zuletzt in zwei Schritten gut 15 Prozent der ProSiebenSat.1-Aktien erworben. Conze sagte weiter, ihn würde es nicht überraschen, wenn Mediaset den Anteil noch weiter aufstocken würde. Gleichzeitig rechnet er damit, dass auch andere Investoren einsteigen könnten.

Im SDax Börsen-Chart zeigengewannen die Papiere von Rib Software über 7 Prozent dazu. Der Bausoftwarehersteller wächst derzeit vor allem wegen seines starken Cloud-Geschäfts - im dritten Quartal hatte er seine Umsätze fast verdoppelt. Ende vergangener Woche hatte er denn auch den Abschluss eines Phase-II-Auftrags mit einer Tochter des skandinavischen Generalunternehmens Arcona AB über die Nutzung einer cloud-basierten Managementplattform bekanntgegeben. Der Batteriehersteller Varta setzte seinen Rekordlauf mit einem Aufschlag von 5 Prozent ebenfalls fort.

Asiens Börsen überwiegend fest

Die Wirtschaftsdaten aus China haben den asiatischen Börsen neuen Rückenwind gegeben. Sowohl in kleineren als auch in den großen chinesischen Industriebetrieben hatte sich die Stimmung im November überraschend aufgehellt. Dies sorgte dafür, dass der Aktienhandel in Fernost trotz des immer noch ungelösten Handelskonflikts mit recht positivem Grundtenor in den Dezember startete.

Der CSI-300-Index mit den wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen schaffte es moderat mit 0,19 Prozent ins Plus auf 3836,06 Punkte. In Hongkong gewann der zuletzt von den Unruhen in der Sonderverwaltungszone geplagte Hang Seng zuletzt mit 0,39 Prozent auf 26.448,37 Punkte etwas mehr.

Regional am deutlichsten ging es in Japan nach oben. Der Nikkei Börsen-Chart zeigen schloss 1,01 Prozent höher bei 23.529,50 Punkten. Laut Händlern erhielt die Tokioter Börse dabei auch etwas Rückenwind vom schwächeren Yen, der für die Exporte japanischer Unternehmen von Vorteil sein kann.

Cyber Monday verspricht Online-Händlern hohe Umsätze

Auch von der Wall Street kommen am Montag wieder mehr Impulse, nachdem am Brückentag Ende der vergangenen Woche nur verkürzt gehandelt worden war. Nach dem "Black Friday" ist nun "Cyber Monday" - ein erneut wichtiger Tag für den Einzelhandel mit Preisnachlässen im Online-Geschäft.

Euro kaum verändert

Der Kurs des Euro Börsen-Chart zeigen hat sich am Montag wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1018 US-Dollar gehandelt und damit nahezu auf dem gleichen Niveau wie am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Freitagnachmittag etwas tiefer auf 1,0982 (Donnerstag: 1,1005) Dollar festgesetzt.

Kupfer und Öl teurer, Gold verbilligt sich

Auch am Rohstoffmarkt spiegelte sich wieder wachsender Konjunkturoptimismus wider. Das wichtige Industriemetall Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 5897,50 Dollar je Tonne. Die Rohöl-Sorte Brent kostete mit 61,53 Dollar je Barrel (159 Liter) 1,7 Prozent mehr als am Freitag.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde die Opec bei dem Treffen mit ihren Verbündeten diese Woche eine Verlängerung der Förderbremse beschließen, prognostizierte Markets.com-Experte Wilson. Offen sei sie Frage, ob sich das Exportkartell zu einer Verschärfung durchringen könne, um dem staatlichen saudi-arabischen Ölkonzern Aramco für sein geplantes Börsendebüt Rückenwind zu geben.

Die "Antikrisen-Währung" Gold verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 1454,90 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch aus den ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen zogen sich Investoren zurück. Die trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,281 von minus 0,354 Prozent.

mit Nachrichtenagenturen

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