Sonntag, 26. Januar 2020

Börse Dax im Minus, nächster Kursrutsch bei Wirecard

Auf und Ab an der Börse: Bulle und Bär stehen für Gewinne und Verluste
picture alliance / dpa
Auf und Ab an der Börse: Bulle und Bär stehen für Gewinne und Verluste

Der US-chinesische Handelsstreit belastet erneut die Börsen. Der Dax fällt zeitweise unter die Marke von 13.100 Punkten. Die Aktie von Wirecard geriet nach einem Medienbericht erneut unter Druck

Die erneuten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump machen Anleger nervös. Kopfschmerzen bereitete ihnen zudem ein Gesetz des US-Senats zur Stärkung der Protestbewegung in Hongkong. Die Regierung in Peking kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an. "Dies droht einen Keil in die Handelsgespräche zu treiben und die Hürden für einen Deal anzuheben", erklärte Analyst Han Tan vom Online-Broker FXTM.

Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils etwa ein halbes Prozent auf 13.158,14 beziehungsweise 3686,54 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 0,3 Prozent ein. Im Gegenzug nahmen einige Anleger Kurs auf "sichere Häfen". Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um bis zu 0,4 Prozent auf 1478,80 Dollar je Feinunze. Bundesanleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen zeitweise auf ein Drei-Wochen-Tief von minus 0,384 Prozent.

Trump sagte in einer Kabinettssitzung, dass er die Strafzölle auf chinesische Waren "einfach noch höher" schrauben werde, sollte es zu keiner Einigung kommen. "Peking ist bekannt dafür, Trumps Druck nicht nachzugeben", sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Die Beziehungen werden dadurch sicher belastet."

"Das Ganze ist aber eher ein kurzfristiger Rückschlag als ein größeres Problem, das den Verhandlungsprozess aus der Bahn werfen kann", sagte Salman Ahmed, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Lombard Odier. Beide Seiten bräuchten eine Einigung. Trump wolle seine Wiederwahl 2020 nicht durch eine Rezession riskieren. Außerdem kühle sich die Wirtschaft Chinas bereits merklich ab.

Wirbel um Singapur-Testat bei Wirecard

Am deutschen Aktienmarkt rückte Wirecard ins Rampenlicht. Die Jahresbilanz 2017 der Singapur-Tochter wurde dem Zahlungsdienstleister zufolge von den Rechnungsprüfern nicht abgesegnet. "Singapur ist zwar eine kleine Einheit, und das Thema ist nicht neu, aber alles in allem schürt es Zweifel bei Investoren hinsichtlich Transparenz und Ehrlichkeit bei dem Unternehmen", sagte ein Händler. Wirecard ist wegen seiner Bilanzierungspraktiken wiederholt in die Kritik geraten. Die Aktie des Unternehmens verlor 3,3 Prozent. Vorbörslich hatte sich das Minus noch auf 8 Prozent belaufen.

Die Papiere von Rheinmetall fielen um sieben Prozent auf 96,02 Euro. Händlern zufolge trübt der zurückhaltende Ausblick des Rüstungskonzerns die Stimmung. Anfang November hatte Rheinmetall wegen der schwachen Autokonjunktur und Exportbeschränkungen für Rüstungsgüter seine Umsatzprognose für 2019 auf ein Plus von einem Prozent heruntergeschraubt.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Wall Street: Target springt um 14 Prozent

In London machten die Titel von Fevertree eine Achterbahnfahrt. Sie stürzten zunächst um knapp acht Prozent ab, schlossen aber neun Prozent im Plus. Die Senkung des Umsatzziels für 2019 auf umgerechnet 310 Millionen Euro komme nicht überraschend, konstatierte Analyst Nico von Stackelberg von der Investmentbank Liberum. Angesichts der starken Wachstumsaussichten im Ausland sei Fevertree deutlich unterbewertet.

An der Wall Street kletterten die Papiere von Target um knapp 14 Prozent auf ein Rekordhoch von 126,06 Dollar. Der Einzelhändler stellte einen höheren Gewinn in Aussicht. Die vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal seien durch die Bank überragend, lobte Analyst Charlie O'Shea von der Rating-Agentur Moody's.

Euro auf Berg- und Talfahrt

Der Eurokurs Börsen-Chart zeigen hat am Mittwoch eine kleine Berg- und Talfahrt hingelegt. Zwischenzeitliche Verluste wurden bis zum späten Nachmittag fast vollständig wettgemacht. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1075 US-Dollar und damit etwas weniger als am frühen Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1059 (Dienstag: 1,1077) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9042 (0,9028) Euro.

Der amerikanische Dollar erhielt zeitweise deutlichen Auftrieb durch Nachrichten zum politischen Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und China. Zum einen wurde auf neuerliche Drohungen von US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit verwiesen. Zum anderen nannten Marktteilnehmer einen Beschluss des amerikanischen Senats zu den Ausschreitungen in Hongkong, der auf chinesischer Seite Verärgerung hervorrief. Eine Einigung im Handelsstreit werde dadurch erschwert, lautete ein Argument.

Der Dollar profitierte von dieser Unsicherheit aufgrund seines Status einer faktischen Reservewährung, in die sich Anleger in unwägbaren Zeiten oftmals flüchten. Allerdings hielt die Kursbewegung nicht an. Als Grund für den am Nachmittag wieder nachgebenden Dollar wurden unter anderem Gewinnmitnahmen genannt. Wichtige Konjunkturdaten wurden zur Wochenmitte nicht veröffentlicht.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85715 (0,85573) britische Pfund, 119,96 (120,46) japanische Yen und 1,0977 (1,0979) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1471 Dollar gehandelt. Das war knapp ein Dollar weniger als am Vortag.

Ölpreise fallen

Die Ölpreise haben am Mittwoch etwas nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot Börsen-Chart zeigen kostete am Morgen 60,72 US-Dollar. Das waren 19 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um sechs Cent auf 55,15 Dollar.

Nach den jüngsten Kursverlusten haben sich die Ölpreise vorerst stabilisiert. Seit Beginn der Woche waren die Notierungen deutlich gefallen und hatten zeitweise den tiefsten Stand seit zwei Wochen erreicht. Im weiteren Handelsverlauf dürfte die Entwicklung der Ölreserven in den USA stärker in den Fokus rücken.

Am Vorabend hatte der Interessenverband American Petroleum Institute (API) bekannt gegeben, dass die amerikanischen Ölreserven in der vergangenen Woche um 5,95 Millionen Barrel gestiegen sind. Die offiziellen Lagerdaten der US-Regierung stehen am Nachmittag auf dem Programm. Hier rechnen Analysten ebenfalls mit einem Zuwachs der Reserven an Rohöl, aber nur um 1,5 Millionen Barrel. Steigende Ölreserven sorgen in der Regel für sinkende Ölpreise.

mit Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung