Mittwoch, 20. November 2019

Börse Handelsstreit - Trump sorgt für Rücksetzer in Dax und Dow

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt

Vor dem Wochenende halten sich Anleger zurück. Der Dax steuert dennoch auf den fünften Wochengewinn in Folge zu. Unter den Dax-Werten stehen die Allianz, Wirecard und Lufthansa im Fokus. Auch in den USA starten die Indizes mit Verlusten - was auch mit Aussagen von Donald Trump zu tun hat.

Anleger gehen zum Ende der Handelswoche keine Risiken mehr ein. Der deutsche Leitindex Dax verlor am Freitag 0,4 Prozent auf 13.218 Punkte, steuert mit einem Plus von insgesamt knapp 2 Prozent aber auf den fünften Wochengewinn in Folge zu. Das ist die längste Gewinnserie seit vier Monaten. Als Grund für die Gewinnmitnahmen verwiesen Anleger auf wieder aufkeimende Zweifel an einer raschen Entspannung im Zollstreit zwischen den USA und China. Insidern zufolge formiert sich innerhalb des Weißen Hauses Widerstand gegen die geplante Rücknahme der gegenseitigen Strafzölle.

Seit dem Zwischentief von Anfang Oktober hat der Dax dank der Hoffnungen auf einen Etappenerfolg im Handelsstreit mittlerweile schon fast 12 Prozent gewonnen. Auch in den USA wird am Freitag zunächst mit Gewinnmitnahmen gerechnet. Die Wall Street hatte am Vorabend nach dem Handelsschluss in Frankfurt nicht weiter zulegen können, und an den asiatischen Börsen überwogen die Verluste.

Allianz-Aktie nach Quartalszahlen schwächer

Die Agenda in der Berichtssaison wird am Freitag mit Zahlen von der Allianz und Rhön-Klinikum merklich ruhiger. Größter Verlierer im Dax war die Allianz Börsen-Chart zeigen mit einem Kursminus von zwei Prozent. Der etwas besser als erwartet ausgefallene Betriebsgewinn im abgelaufenen Quartal werde durch die enttäuschende Solvenzquote überschattet, schreibt Analyst Philip Kett von der Investmentbank Jefferies.


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Wall Street leicht im Minus - Donald Trump schürt Nervosität

Nach den Höchstständen vom Vortag ist der Dow Jones Börsen-Chart zeigen mit leichten Verlusten in den Handel am Freitag gestartet. Am Vortag hatte er dank der Aussicht auf einen lang ersehnten Etappenerfolg im Handelskonflikt zwischen den USA und China mit 27.774 Zählern einen weiteren historischen Höchststand erreicht. Damit deutet sich für den US-Leitindex ein Wochengewinn von rund 1,3 Prozent an.

Donald Trump sorgte mit seinen jüngsten Äußerungen für Nervosität an der Börse. Er habe noch nicht zugestimmt, die Strafzölle auf chinesische Importe zum Teil zurückzufahren, sagte Trump am Freitag. Zwar sei das der Wunsch Pekings, das Zurückfahren der Zölle sei aber noch keine beschlossene Sache. Dennoch betonte Trump, dass auch er einen Deal wolle - und dass er ihn passend zum Wahlkampf auch in den USA unterzeichnen wolle.

Trump: "Habe noch nicht zugestimmt"

Die angestrebte Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile US (TMUS) mit dem Rivalen Sprint könnte neu verhandelt werden. Es gebe Gespräche, die sowohl den Zeitplan als auch die Bedingungen des Zusammenschlusses betreffen, sagte T-Mobile-Chef John Legere am Donnerstag bei einer Web-Konferenz. Das Volumen des Deals, bei dem die Bonner Telekom den größten Anteil am fusionierten Unternehmen übernehmen will, war bislang stets mit gut 26 Milliarden Dollar veranschlagt worden. Die Sprint-Aktien schwankten vorbörslich deutlich und zeigten sich zuletzt unverändert. Auch TMUS-Papiere stagnierten.

Walt Disney begeistert Anleger

Unter den Einzelwerten sollten die Aktien von Walt Disney Börsen-Chart zeigen im Mittelpunkt des Interesses stehen. Der Unterhaltungs-Gigant erlitt im vergangenen Quartal trotz erfolgreicher Kino-Produktionen einen Gewinneinbruch. Analysten hatten im Durchschnitt aber mit einem noch schwächeren Ergebnis gerechnet. Der Umsatz stieg dagegen - auch dank zugekaufter Geschäftsteile des Rivalen 21st Century Fox - um 34 Prozent. Die Disney-Papiere stiegen zuletzt um 5 Prozent.

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Alibaba kommt bei Börsengang in Hongkong voran

Der chinesische Internet-Riese Alibaba kommt Insidern zufolge mit seinem geplanten Börsengang in Hongkong voran. Anfang kommender Woche sei eine Anhörung vor der möglichen Notierung in der Finanzmetropole geplant, bei dem Alibaba nun bis zu 15 Milliarden US-Dollar erlösen wolle, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Es wäre der größte Börsengang in Hongkong seit dem Jahr 2010. Alibaba-Anteilsscheine verteuerten sich um 0,7 Prozent.

Infineon, Wirecard und Thyssenkrupp mit Verlusten

Anleger zogen sich dennoch aus konjunkturabhängigen Werten zurück, die in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich zugelegt hatten. So verloren die Chip-Hersteller STMicro und Infineon Börsen-Chart zeigen sowie die Stahlkonzerne Thyssenkrupp und ArcelorMittal bis zu 2,6 Prozent. Auch die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen gehörte mit einem Minus von rund 2 Prozent zu den größten Verlierern im Dax.

Im MDax Börsen-Chart zeigen gehörte die Deutsche Pfandbriefbank zu den Favoriten: Die Aktien stiegen um weitere über anderthalb Prozent und erreichten den höchsten Stand seit gut einem Jahr. Der Spezialist für Immobilienfinanzierungen habe mit dem Vorsteuergewinn im dritten Quartal die Konsensschätzung deutlich übertroffen, lobte ein Börsianer. Zudem liege der Mittelwert der angehobenen Jahreszielspanne für die Ergebniskennziffer etwas über der Konsensprognose.

Euro erholt sich etwas

Der Euro hat sich am Freitagmorgen etwas von seinen Vortagsverlusten erholt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1050 US-Dollar und damit etwas mehr als am späten Vorabend. Am Donnerstag war der Euro auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1077 Dollar festgesetzt.

Am Ende einer Woche mit zahlreichen Konjunkturdaten sind am Freitag etwas weniger Impulse zu erwarten. In der Eurozone dürften jedoch Zahlen vom deutschen Außenhandel beachtet werden, da sie einen Hinweis auf die Stärke der globalen Nachfrage und damit auch auf den Zustand der Weltwirtschaft geben. In den USA veröffentlicht die Universität Michigan die Ergebnisse ihres monatlichen Stimmungstests unter Verbrauchern.

Ölpreise minimal günstiger

Die Ölpreise sind am Freitag im frühen Handel leicht gefallen. Starke Impulse gab es zunächst nicht. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 62,09 US-Dollar. Das waren 20 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 28 Cent auf 56,87 Dollar.

In der laufenden Woche gab es sowohl Impulse für steigende als auch für fallende Erdölpreise. Für Preisauftrieb sorgten positiv aufgenommene Nachrichten zum Handelsstreit. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt haben sich auf einen schrittweisen Abbau von Strafzöllen geeinigt, falls ein erstes Handelsabkommen zustande kommen sollte. Über dieses "Phase-Eins"-Abkommen wird weiter verhandelt.

Preisdruck lösten hingegen steigende amerikanische Ölvorräte aus, zumal sie das Ölkartell Opec unter Zugzwang setzen. Aufgrund der hohen US-Produktion und einer konjunkturbedingt schwächelnden Rohölnachfrage sehen Fachleute die Erfordernis für Produktionskürzungen. Allerdings scheint es hierzu keine einheitliche Linie zu geben. Bremsend tritt vor allem Russland auf, das mit den Opec-Staaten im Verbund Opec+ zusammenarbeitet.

dpa-afx / reuters

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