Freitag, 22. November 2019

Börse Wirecard Aktie knickt erneut ein

Brexit: EU und Großbritannien haben sich auf einen "Deal" geeinigt - nun muss das britische Parlament am Samstag entscheiden
DPA/Francisco Seco
Brexit: EU und Großbritannien haben sich auf einen "Deal" geeinigt - nun muss das britische Parlament am Samstag entscheiden

Großbritannien und die Europäische Union haben im Brexit-Streit einen Durchbruch erzielt. Ob das britische Parlament am Samstag dem Deal zustimmt, ist jedoch offen. Dax-Anleger halten sich zurück, der Leitindex schließt am Freitag kaum verändert. Die Aktie von Wirecard bricht dagegen weiter ein.

Nach einer knapp zweiwöchigen Erholungsrally bis über die Marke von 12.800 Punkten hat sich der Dax Börsen-Chart zeigen am Freitag stabil gezeigt. Die Anleger hoffen nach wie vor auf einen geregelten Brexit und eine Einigung zwischen den USA und China im Zollstreit. Am Sonnabend wird das britische Parlament über den Brexit-Deal abstimmen, der Ausgang ist offen.

Am Freitag schloss der Dax auf Xetra (17.30 Uhr) kaum verändert bei 12.633 Punkten (minus 0,1 Prozent). Am Donnerstag war der Dax Börsen-Chart zeigen zeitweise bis auf 12.814 Punkte gestiegen. Im Wochenverlauf bedeutet dies inzwischen ein Plus von knapp 1 Prozent. Seit dem Start seiner Erholung vor etwas mehr als zwei Wochen ist er inzwischen wieder um 6 Prozent geklettert. Der MDax Börsen-Chart zeigen für mittelgroße Werte sank am Freitagnachmittag um 0,18 Prozent auf 26.056 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,17 Prozent.

Wirecard bricht erneut ein - trotz Aktienrückkaufs

Die Aktie von Wirecard setzte ihren Kurssturz am Freitag fort: Die Ankündigung eines Rückkaufs eigener Aktien im Wert von bis zu 200 Millionen Euro scheint Anleger von Wirecard Börsen-Chart zeigen nicht zu beruhigen. Die Papiere fallen nach der Mitteilung auf ein Tagestief und verlieren bis zu 7,6 Prozent auf 110,10 Euro. Im Vergleich zum Vorwochenschluss hat die Aktie rund 22 Prozent eingebüßt, nachdem die Zeitung "Financial Times" mit einem erneuten Bericht über angebliche Bilanzfälschungen für Unruhe gesorgt hatte.

Beim Blick auf die Branchen zogen einmal mehr die Autowerte erhöhte Aufmerksamkeit auf sich. Dass der französische Autobauer Renault seine Jahresziele kappte, belastete den ganzen europäischen Sektor. Mit einem Abschlag von etwas mehr als einem Prozent war er das Schlusslicht unter den insgesamt 19 Branchen. Die Vorzugsaktien von Volkswagen Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen gaben moderat nach, während sich die von BMW Börsen-Chart zeigen auf ihrem Vortagesniveau hielten.

Dow Jones und Nasdaq geben nach

Angesichts schwacher Konjunkturdaten aus China haben sich die Anleger an der Wall Street am Freitag zurückgehalten. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bekommt zunehmend die Folgen des Handelsstreits mit den USA zu spüren: Das Wirtschaftswachstum Chinas war im dritten Quartal deutlich zurückgegangen. Ferner ist weiterhin unklar, ob der britische Premierminister Boris Johnson an diesem Samstag den mit der Europäischen Union geschlossenen Brexit-Deal durch das Parlament bringt.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen gab um 0,4 Prozent auf 26 916 Punkte nach. Seit dem Zwischentief Anfang Oktober hat der US-Leitindex im Sog gestiegener Hoffnungen auf eine Einigung im US-chinesischen Handelskonflikt bereits um knapp 4 Prozent zugelegt. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor sogar 1,1 Prozent auf 7860 Zähler.

Auf der Unternehmensseite richteten sich die Blicke weiter auf die Quartalsberichtssaison. Beim Getränkeriesen Coca-Cola Börsen-Chart zeigen -Cola war es besser gelaufen als von Analysten erwartet, auch dank des Verkaufsschlagers "Zero Sugar". Die Papiere stiegen an der Dow-Spitze um rund 1,5 Prozent.

Am Dow-Ende fielen die Anteilscheine von Johnson & Johnson Börsen-Chart zeigen um mehr als 3 Prozent. Der Pharmakonzern ruft einen geringen Teil seines Pflegemittels "Baby Powder" wegen Asbestrisiken zurück. Das Unternehmen begründete den Schritt mit einem "Übermaß an Vorsicht" und betonte, dass es sich lediglich um eine einzelne Produktions-Charge handele, bei der die Gefahr einer minimalen Asbest-Kontamination bestehe. Allerdings ist Johnson & Johnson mit seinem "Baby Powder" wegen angeblicher Krebsrisiken ohnehin schon mit Sammelklagen konfrontiert, deshalb birgt der Rückruf hohe Brisanz

Munich Re rechnet mit steigenden Gewinnen

Aktien der Munich Re Börsen-Chart zeigen kletterten zuletzt noch um rund 0,7 Prozent auf 246,70 Euro, nachdem sie zuvor mit 249,60 Euro ein 17-1/2-Jahres-Hoch erreicht hatten. Der Rückversicherer rechnet angesichts eines Quartalsgewinns von etwa 850 Millionen Euro damit, sein Ziel eines Gesamtjahres-Ergebnisses von 2,5 Milliarden Euro zu übertreffen.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von minus 0,38 Prozent am Vortag auf minus 0,39 Prozent. Der Bund-Future verlor 0,23 Prozent auf 171,36 Punkte. Der Euro legte zu und kostete am frühen Nachmittag 1,1141 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1113 Dollar festgelegt.

Parlament stimmt am Samstag über Brexit-Deal ab

Mit Spannung erwarten die Anleger, ob sich das britische Parlament in seiner Sondersitzung am Samstag für oder gegen den von Premier und der EU ausgehandelten neuen Austrittsvertrag entscheiden wird. "Für Johnson ist vom großen Sieg bis hin zur vernichtenden Niederlage alles möglich", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.


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Waffenruhe in Nordsyrien

Mit Erleichterung reagierten Anleger auf die von den USA und der Türkei vereinbarten Waffenruhe in Nordsyrien. Der Leitindex der Istanbuler Börse stieg zeitweise um knapp vier Prozent. Die Nachfrage nach türkischen Anleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel um fast einen ganzen Prozentpunkt auf 14,1 Prozent. Die Währung des Landes war ebenfalls gefragt. Dollar und Euro verbilligten sich um jeweils etwa 1,5 Prozent auf 5,7425 und 6,3820 Lira.

Handelskrieg zwischen China und den USA

Auch Daten aus China machen den Anlegern keine Freude: Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich unerwartet stark auf den niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren verlangsamt. Als Ursachen nannten Experten insbesondere den Handelskrieg zwischen China und den USA - und auch hier gibt es bislang keinen Durchbruch.

Beim Blick auf die Branchen dürften mal wieder die Autowerte erhöhte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, nachdem der französische Autobauer Renault seine Jahresziele gekappt hatte. Die Aktien von BMW Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigenund Volkswagen Börsen-Chart zeigenverloren nach einem pessimistischen Ausblick des französischen Konkurrenten bis zu 2,3 Prozent. Schwerwiegender als die niedrigere Umsatzprognose sei das auf fünf von sechs Prozent gekürzte Margenziel, sagte ein Börsianer.

Die Anteilsscheine von Osram Börsen-Chart zeigenindes könnten wegen erneut aufgeflammter Übernahmehoffnungen steigen. Der Aufsichtsrat des österreichischen Sensorspezialisten AMS wolle an diesem Tag während seiner Sitzung auch über ein mögliches neues Gebot für den deutschen Lichtspezialisten sprechen, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Nachdem jüngst das Übernahmeangebot von AMS über 41 Euro je Aktie an der Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent gescheitert war, wäre es denkbar, dass die Schwelle gesenkt wird.

Euro stabil - Pfund schwächer

Der Euro hat sich am Freitag im frühen Handel stabil präsentiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1125 Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1113 Dollar festgelegt.

Etwas schwächer tendierte das britische Pfund. Am Donnerstag hatte die Währung Großbritanniens zusammen mit dem Euro zeitweise deutlich von dem Brexit-Kompromiss zwischen der EU und Großbritannien profitiert. Das Pfund war auf den höchsten Stand seit Mai gestiegen, während der Euro so viel kostete wie seit Ende August nicht mehr. Die Gewinne konnten aber nicht vollständig gehalten werden.

Öl gibt nach

Die Ölpreise sind am Freitag im frühen Handel leicht gesunken. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 59,57 Dollar. Das waren 34 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 15 Cent auf 53,78 Dollar.

Händler nannten vor allem die Aussicht auf eine schwächere Rohölnachfrage als Grund für die Preisabschläge. Verwiesen wurde auf das chinesische Wirtschaftswachstum im dritten Quartal, das schwächer ausfiel als erwartet. Unlängst hatte bereits die Internationale Energieagentur IEA ihre Erwartungen für die Erdölnachfrage reduziert.

mit dpa und reuters

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