Montag, 21. Oktober 2019

Börse Hoffnung im Handelsstreit - Dax schließt freundlich

Börsensaal in Frankfurt am Main

Anleger kehren an die Börse zurück, Dax und Dow legen wieder zu. Angeblich ist China zu einem partiellen Handelsdeal mit den USA bereit. Die Fed zeigt sich offen für eine weitere Zinssenkung.

Wieder aufkeimende Hoffnungen auf eine Annäherung im Zollstreit geben den Börsen Auftrieb. Ermutigende Nachrichten aus China schürten Optimismus, sagte Chris Scicluna, leitender Analyst beim Brokerhaus Daiwa am Mittwoch. Nach einem Medienbericht ist die Regierung in Peking trotz der jüngsten Spannungen weiter offen für eine Teileinigung mit den USA. Darüber hinaus bietet sie der "Financial Times" zufolge den Kauf zusätzlicher US-Agrarprodukte an.

Dax Börsen-Chart zeigen und EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen legten daraufhin jeweils etwa ein Prozent auf 12.094,26 und 3459,41 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,6 Prozent. Auch am Rohölmarkt übernahmen die Optimisten das Ruder. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 59,25 Dollar je Barrel (159 Liter).

Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader äußerte Zweifel an einer raschen Einigung. Schließlich habe US-Präsident Donald Trump mit den Beschränkungen für weitere chinesische Firmen und Regierungsorganisationen den Druck erhöht. "Diese Taktik dürfte jedoch wenig Chance auf Erfolg haben. Peking will zwar eine Eskalation des Handelsstreits verhindern, wird aber nicht mit der Pistole am Kopf verhandeln wollen."

Analyst Connor Campbell vom Brokerhaus Spreadex blickte dennoch verhalten optimistisch auf die anstehenden Gespräche. "Wenn es um Trump geht, gibt es stets Überraschungspotenzial. Daher werden die nächsten Tage alles andere als uninteressant."

Pfund stabil - Anleger setzen auf Brexit-Aufschub

Beim zweiten Dauerbrenner-Thema klammerten sich Investoren an die Hoffnung, dass der Brexit verschoben und ein chaotischer EU-Ausstieg Großbritanniens zumindest kurzfristig verhindert werde, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. "Was danach kommt, steht in den Sternen. Schließlich haben sich die meisten Kristallkugeln bei diesem Thema als ziemlich unzuverlässig erwiesen."

Für Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen ist allerdings unklar, ob Premierminister Boris Johnson nach einem endgültigen Aus für die Verhandlungen um einen Brexit-Deal den Aufschub beantragen wird, zu dem ihn das Unterhaus verpflichtet hat. "Auch wenn Johnson verbal zumindest noch an seinem Versprechen, den EU-Austritt am 31. Oktober zu vollziehen, festhält, der Markt scheint ihm nicht zuzutrauen, ausdrücklich gegen das Gesetz zu verstoßen." Das Pfund Sterling stabilisierte sich bei 1,2218 Dollar.

Adidas-Papiere legen deutlich zu

Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf die Veröffentlichung der Fed-Protokolle am Abend (MESZ). Da US-Notenbankchef Jerome Powell am Dienstag die Wiederaufnahme von Wertpapierkäufen signalisiert habe, könnten die Mitschriften der jüngsten geldpolitischen Beratungen Details hierzu liefern, sagte BayernLB-Volkswirtin Charlotte Heck-Parsch. "Das würde Powells Timing erklären."

Am deutschen Aktienmarkt griffen Investoren zu den Werten, die in den vergangenen Tagen und Wochen besonders unter den Konjunktursorgen gelitten hatten. Hierzu gehörten der Sportartikel-Hersteller Adidas, der Autobauer Daimler und der Anlagenbauer Dürr. Ihre Aktien legten bis zu 3,3 Prozent zu.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick.


Wall Street: Dow Jones und Nasdaq im Plus

An der Wall Street legten Dow Jones Börsen-Chart zeigen und Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen am Mittwoch jeweils um 0,6 Prozent zu. Ermutigende Signale rund um die anstehenden Handelsgespräche mit China ermuntern Anleger zum Einstieg in US-Aktien. "Es herrscht die Erwartung, dass bei diesem Treffen eine Art Zwischen-Einigung herauskommt", sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan.

Genährt wurden die Spekulationen von einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, dem zufolge die Regierung in Peking trotz der jüngsten Spannungen weiter offen für einen partiellen Deal mit den USA. Der "Financial Times" zufolge bietet China den Kauf zusätzlicher US-Agrarprodukte an.

Chipwerte in USA gefragt

Dies verhalf Chip-Werten wie AMD, Intel oder NVidia zu Kursgewinnen von bis zu 2,2 Prozent, da ihr Geschäft stark vom Handel mit China abhängt. Die an der Wall Street notierten Titel chinesischer Konzerne wie den Online-Händlern Alibaba und JD.com sowie des Suchmaschinen-Betreibers Baidu machten ihre jüngsten Kursverluste teilweise wett und gewannen bis zu zwei Prozent.

Johnson & Johnson unter Druck

Aus Unternehmenssicht dürften die Aktien von Johnson & Johnson im Anlegerfokus stehen. Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern ist wegen eines Medikaments, das Männern angeblich die Brüste wachsen lässt, zu milliardenschweren Strafzahlungen verurteilt worden. Eine Geschworenenjury sprach einem Kläger in Philadelphia Schadenersatz von 8 Milliarden US-Dollar zu, wie US-Medien übereinstimmend berichteten.

mit dpa und reuters

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