Sonntag, 15. Dezember 2019

Kursrutsch an der Börse Dax knickt ein - Stimmung in US-Industrie so schlecht wie 2009

Börse in Frankfurt: Rückschlag am Nachmittag

Rückschlag an den Börsen: Der Dax näherte sich am Vormittag der Marke von 12.500 Punkten, stürzt dann aber unter 12.300 Punkte. Anlass sind enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA. Der Handelskrieg mit China setzt auch der US-Wirtschaft immer stärker zu.

Kursrutsch an den Börsen: Der Dax Börsen-Chart zeigen ist am Dienstag Nachmittag deutlich unter die Marke von 12.300 Punkten gestürzt, nachdem er am Morgen noch bei knapp 12.500 Punkten notiert hatte. Auf Xetra schloss der deutsche Leitindex 1,3 Prozent schwächer bei 12.263 Punkten. Grund für den Rückschlag sind enttäuschende Daten aus den USA: Der Einkaufsmanager-Index der Industrie (ISM) ist im September deutlich auf 47,8 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen und der Nasdaq Composite Börsen-Chart zeigen rutschten daraufhin ebenfalls ins Minus.

Trotz gegenteiliger Beteuerungen von US-Präsident Trump hat auch die US-Wirtschaft im Zollstreit mit China viel zu verlieren. Die US-Industrie leidet zunehmend unter dem Handelskrieg mit immer höheren Strafzöllen: Die Stimmung in der US-Industrie ist laut ISM so schlecht wie seit rund zehn Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index rutschte im September auf 47,8 Punkte von 49,1 Zählern im Vormonat, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Firmenbefragung des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Das ist der niedrigste Wert seit Juni 2009, als die USA unter den verheerenden Folgen der Finanzkrise litten.

Ökonomen wurden von dem Rückgang im September überrascht, da sie mit einem Anstieg des Barometers auf 50,1 Zähler gerechnet hatten. Es signalisiert bei Werten über 50 Punkten Wachstum. Da der Indikator weiter unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen ist, deutet er erneut auf eine Schrumpfung des Sektors hin. Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Zwar erwirtschaftet die amerikanische Industrie einen wesentlich kleineren Teil als der deutlich größere Dienstleitungssektor. Allerdings hängt das Geschäft vieler Dienstleiter vom Zustand der Industrie ab.

Trump braucht dringend einen Deal mit China

"Um die US-Wirtschaft ist es nicht mehr zum Besten bestellt", schrieb Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Die Handelskonflikte hinterlassen im Verarbeitenden US-Gewerbe nun auch tiefe Furchen." Dies mache abermals deutlich, wie dringend Donald Trump ein Handelsabkommen mit China benötige.


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Zudem drückten schwache Konjunkturdaten in Europa auf die Stimmung. Die Geschäfte der deutschen Industrie laufen so schlecht wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Mitte 2009 nicht mehr. "Der Abschwung hat sich verschärft", sagte Markit-Ökonom Phil Smith.

Gold geriet unter Druck, das Edelmetall verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1459,51 Dollar pro Feinunze (31 Gramm). Kurzfristig seien weitere Verluste bis auf 1430 Dollar möglich, sagte Alexander Zumpfe, Experte beim Goldhändler Heraeus.

Post Aktie unter Druck

Mit einem Abschlag von mehr als drei Prozent waren die Aktien der Deutschen Post unter den schwächsten Titeln im Dax Börsen-Chart zeigen . Das Unternehmen will in den kommenden Jahren sein Kerngeschäft stärken und den Gewinn steigern. Die Experten von Baader Helvea verwiesen darauf, dass die Ziele bis 2022 aber bescheidener seien als erwartet. Die Wachstumsrate von drei Prozent sei etwas vorsichtiger als angenommen, schrieben auch die Berenberg-Analysten.

Bieterschlacht um Osram endet

Vor Ablauf der Bieterfrist gaben die Osram-Aktien bis zu 2,2 Prozent nach und notierten mimt 39,45 Euro unter den 41 Euro, die der Chip- und Sensorhersteller AMS bietet. Die Österreicher müssen bis zur letzten Minute um en Erfolg ihres 4,5 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebots zittern. Bis Montagabend - 30 Stunden vor Ablauf der Frist - hatte AMS erst Zugriff auf 25,1 Prozent an Osram. Die Österreicher müssen bis Dienstag (24 Uhr) auf mindestens 62,5 Prozent an dem Münchner Lichtkonzern kommen, damit die Übernahme klappt. Die AMS-Papiere legen bis zu 4,7 Prozent zu.

Dow Jones testet 27.000 Punkte Marke - und sackt dann wieder ab

Die festere Eröffnung der Wall Street am Dienstag hat nicht lange Bestand gehabt. Nach der Bekanntgabe unerwartet schwacher US-Konjunkturdaten ging es rasant abwärts in die Minuszone. Der Dow Jones Industrial , der im frühen Handel noch die vielbeachtete Marke von 27 000 Punkten überwunden hatte, notierte zuletzt 0,49 Prozent tiefer bei 26 784,12 Zählern. Am Vortag hatte der Leitindex um knapp 0,4 Prozent zugelegt.

Der marktbreite S&P 500 verlor am Dienstag 0,28 Prozent auf 2968,33 Punkte. Der technologielastigen Nasdaq 100 stagnierte bei 7749,80 Zählern.

Die Stimmung in der US-Industrie hatte im September die Talfahrt der vergangenen Monate überraschend fortgesetzt und war auf den tiefsten Stand seit Juni 2009 gefallen. Der Einkaufsmanagerindex ISM sank auf 47,8 Punkte, während Volkswirte im Mittel mit einem leichten Zuwachs auf 50,0 Punkte gerechnet hatten. Da der Indikator weiter unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen ist, deutet er auf eine Schrumpfung des Sektors hin. Zudem waren die US-Bauausgaben im August geringer gestiegen als erwartet.

US Steel und Apple gefragt

Unter den US-Standardwerten sorgten US Steel mit einem Kursgewinn von mehr als 7 Prozent für Furore. Der Stahlkonzern hatte sich eine fast 50-prozentige Beteiligung am Branchenrivalen Big River Steel gesichert.

Gegen den Trend ging es auch für die Apple Börsen-Chart zeigen mit plus 1,3 Prozent bei 227 US-Dollar erneut merklich nach oben. Damit waren sie der Spitzenreiter im Dow und nähern sie sich ihrem Rekordhoch vom vergangenen Oktober von 233,47 Dollar. Apple-Chef Tim Cook hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, die Verkäufe der neuen iPhone 11-Modelle hätten einen starken Start gehabt.

Schlusslicht im Dow waren die Papiere von McDonald's Börsen-Chart zeigen mit minus 2,5 Prozent. Zuvor hatten die Analysten von JPMorgan geargwöhnt, dass der US-Absatz der weltgrößten Fastfood-Kette im dritten Quartal die durchschnittlichen Markterwartungen verfehlt haben könnte.

Euro bleibt angeschlagen

Der Euro hat am Dienstag weiter in der Nähe seines tiefsten Stands seit fast zweieinhalb Jahren notiert. Am Morgen kostet die Gemeinschaftswährung 1,0890 US-Dollar und damit etwas weniger als im asiatischen Handel. Zum Wochenstart war der Euro mit 1,0885 Dollar auf den tiefsten Stand seit Mai 2017 gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,0889 Dollar festgesetzt.

Am Dienstag stehen sowohl in der Eurozone als auch in den USA wichtige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Die Einkaufsmanagerindizes, eine Umfrage in Unternehmen, geben Auskunft über den Zustand der Wirtschaft. Veröffentlicht werden die Indikatoren für die Industrie, die auf beiden Seiten des Atlantiks unter dem Handelskonflikt zwischen den USA und China leidet. Zusätzliche Belastung kommt von der ohnehin schwachen Weltwirtschaft.

Ölpreise steigen leicht

Die Ölpreise sind am Dienstag im frühen Handel leicht gestiegen. Starke Impulse gab es zunächst nicht. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 59,67 US-Dollar. Das waren 43 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel stieg um 48 Cent auf 54,55 Dollar.

Vor rund zwei Wochen waren die Erdölpreise stark gestiegen, nachdem wichtige Produktionsanlagen des Olriesen Saudi-Arabien angegriffen wurden. Die Preisaufschläge sind mittlerweile verflogen. Als wesentlicher Grund dafür wird genannt, dass Saudi-Arabien seine Erdölproduktion wieder weitgehend hergestellt habe. Ein leitender Angestellter des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco beziffert die aktuelle Produktion auf rund 9,9 Millionen Barrel je Tag. Das entspricht in etwa dem Niveau von vor den Angriffen.

mit Nachrichtenagenturen

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