Mittwoch, 1. April 2020

Börse Dax steigt, Hoffnung auf geordneten Brexit steigt

Kursgewinne: Der Dax hat die Marke von 12.000 Zählern zurückerobert

Der Dax hat am Mittwoch die Marke von 12.000 Punkten überwunden. Die Aussicht, dass Boris Johnson mit seinen Plänen für einen harten Brexit scheitern könnte und der Austritt der Briten aus der EU abermals verschoben wird, stützt die Kurse in Europa. Auch aus Hongkong und Rom kommen Zeichen der Entspannung.

Die steigende Hoffnung auf einen geordneten Brexit hat den Dax Börsen-Chart zeigen am Mittwoch auf das höchste Niveau seit Anfang August gehievt. Der deutsche Leitindex hatte die runde Marke von 12 000 Punkten bereits zu Handelsbeginn locker hinter sich gelassen und von seinen Gewinnen über den Tag nur einen kleinen Teil abgegeben. Zum Börsenschluss stand der Index mit 12 025,04 Punkten noch 0,96 Prozent im Plus.

Die Anleger blickten weiter vor allem nach London: Die Gegner eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) hatten Premierminister Boris Johnson zuletzt eine schwere Niederlage zugefügt. 328 Abgeordnete stimmten am Dienstagabend für einen Beschluss, der den Weg für ein Gesetz gegen einen No-Deal-Brexit ebnet - 301 waren dagegen. Bis zum Abend wurde das Gesetz durch das Unterhaus gepeitscht - jetzt muss es nur noch das Oberhaus passieren.

Johnson will derweil am 15. Oktober ein neues Parlament wählen lassen, sollten ihm die Abgeordneten den Weg zum No-Deal-Brexit versperren. Der Premierminister ist auf die Zustimmung der Opposition angewiesen, um eine Neuwahl auszulösen. Denn dafür ist eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig.

Dax testet 50 Tage Linie

Im Tagesverlauf testete der Dax am Mittwoch die 50-Tage-Linie, die als Indikator für den mittelfristigen Trend gilt. Die Chancen stünden aus charttechnischer Sicht nach wie vor gut, dass der Leitindex nun nachhaltig einen Richtungswechsel nach oben vollziehe, schrieb Analyst Andreas Büchler vom Börsenmagazin Index Radar. Zwar befinde sich diese Bewegung noch im Frühstadium und sei entsprechend unsicher, doch positive Zeichen für eine Erholung kämen gleich von mehreren Zeitebenen.

In Europa ging es für den EuroStoxx 50 um 0,88 Prozent nach oben. In Frankreich stieg der Cac 40 um 1,21 Prozent. Der Londoner FTSE 100 ging mit plus 0,59 Prozent aus dem Handel. In den USA stand der Dow Jones zum europäischen Börsenschluss mit 0,79 Prozent im Plus.

Autowerte legen zu

Bei den Unternehmen war die Autobranche als konjunktursensibler Sektor gefragt: So gehörten Daimler Börsen-Chart zeigen , VW und BMW im Dax Börsen-Chart zeigen zu den größeren Gewinnern.

Den ersten Platz im Dax Börsen-Chart zeigen hatten allerdings die Anteilsscheine von Wirecard inne, die ein Plus von gut viereinhalb Prozent schafften. Der Zahlungsabwickler erweiterte den jüngsten Reigen an Kooperationsmeldungen um die japanische Mizuho Bank. Zudem gab es von Analystenseite einigen Auftrieb.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,73 Prozent am Vortag auf minus 0,67 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,29 Prozent auf 147,02 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,21 Prozent auf 178,46 Punkte. Der Euro kostete zuletzt 1,1027 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1018 (Dienstag: 1,0937) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9076 (0,9143) Euro.

Wirecard mit Kursgewinnen

Zu den größten Gewinnern im Dax Börsen-Chart zeigen zählten die Aktien von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen und von Wirecard Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von mehr als 4 Prozent. Inzwischen sind sie über ihre 50-Tage-Linie und den seit Ende Mai gültigen Abwärtstrend geklettert. Zudem gab es von Analystenseite einigen Auftrieb. So rechnet der optimistische Experte Antonin Baudry von der Investmentbank HSBC mit Blick auf den Kapitalmarkttag in New York im Oktober und den Quartalsbericht Anfang November noch bis Jahresende mit einigen Kursimpulsen. Baudry geht davon aus, dass Unternehmenschef Markus Braun seinem jüngsten Twitter-Beitrag über drei große Vertragsabschlüsse Details folgen lässt. Seine Deutsche-Bank-Kollegin Nooshin Nejati lobte vor allem den jüngsten Softbank-Deal und blieb bei seinem Ziel von 200 Euro

Die Börse Hongkong verbuchte mit einem Plus von 3,9 Prozent den größten Tagesgewinn des Jahres. Dort zog Regierungschefin Carrie Lam nach monatelangen Protesten einen umstrittenen Gesetzentwurf endgültig zurück, der die Auslieferung Beschuldigter an China erlaubt hätte. "Es besteht aber das Risiko, dass es inzwischen um mehr geht als das verhasste Gesetz", warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Demonstranten fordern unter anderem das Recht der Hongkonger, ihre Führung selbst zu wählen.

Entspannung in Hongkong: Luxus-Aktien profitieren

Investoren griffen dennoch beherzt bei Luxusgüter-Werten zu, für die die ehemalige britische Kronkolonie ein wichtiger Absatzmarkt ist. In Zürich gewannen die Titel der Uhren-Anbieter Swatch und Richemont je etwa drei Prozent. Die Louis Vuitton-Mutter LVMH und der Gucci-Eigner Kering gewannen in Paris ähnlich stark. Die Modefirmen Burberry und Moncler zogen bis zu 3,8 Prozent an. Die in Asien stark engagierten britischen Banken HSBC und Prudential rückten um bis zu 4,3 Prozent an.

Boris Johnson in der Defensive - Pfund legt wieder zu

Gefragt war auch das Pfund Sterling, das sich um 0,9 Prozent auf 1,2195 Dollar verteuerte. Das britische Parlament wollte am Mittwoch ein Gesetz verabschieden, das eine dreimonatige Verschiebung des EU-Austritts bis zum 31. Januar 2020 vorsieht, sollte vorher kein Brexit-Vertrag zustande kommen. Premier Johnson kündigte für diesen Fall Neuwahlen an, denen das Unterhaus aber mit einer Zweidrittel-Mehrheit zustimmen müsste. Bislang sei unklar, ob die größte Oppositionspartei Labour dafür votieren würde, sagte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM.

Regierungsbildung in Rom

Im Rom wollte der amtierende Ministerpräsident Giuseppe Conte Staatspräsident Sergio Mattarella am Mittwoch seinen Vorschlag für ein Kabinett aus populistischer 5-Sterne-Bewegung und sozialdemokratischer PD unterbreiten. In der Hoffnung auf eine Haushaltspolitik innerhalb der EU-Richtlinien deckten sich Investoren mit Anleihen des südeuropäischen Landes ein. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Rekordtief von 0,803 Prozent.

Die Erleichterung der Anleger spiegelte sich auch im Goldpreis wider: Das in Krisenzeiten gefragte Edelmetall verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 1536,30 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen flogen auch aus den Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bonds auf minus 0,646 Prozent.

Konjunkturdaten aus den USA

Niederlage für Bojo: Die Opposition hat einen Gesetzesentwurf gegen einen No-Deal-Brexit auf den Weg gebracht
Matt Dunham/ AP
Niederlage für Bojo: Die Opposition hat einen Gesetzesentwurf gegen einen No-Deal-Brexit auf den Weg gebracht

Etwas Abwechslung vom Thema Brexit versprechen die anstehenden Konjunkturdaten. Auf dem Terminplan stehen unter anderem die Stimmungsbarometer der deutschen Einkaufsmanager und die europäischen Einzelhandelsumsätze. In den USA legt die Notebank Fed am Abend (MESZ) ihren Konjunkturbericht vor.

Aus dem sogenannten "Beige Book" versprechen sich Anleger Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinssenkungen.

Nach dem verlängerten Labor-Day-Wochenende ist die Wall Street schwach in den September gestartet. Nach einer starken Vorwoche fiel der Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen am Dienstag um 1,08 Prozent auf 26 118,02 Punkte. Dabei belasteten unter Druck stehende Boeing-Aktien sowie enttäuschende Stimmungsdaten aus der US-Industrie. Anleger zeigten sich außerdem weiter beunruhigt vom schwelenden Handelskrieg. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen fiel um 1,06 Prozent auf 7609,51 Zähler.

Volkswagen und Delivery Hero im Blick

Hierzulande schauen die Anleger unter anderem auf Delivery Hero Börsen-Chart zeigen. Der Essenslieferant wird wegen steigender Bestellungen und neuer Kunden etwas zuversichtlicher für den Umsatz im Gesamtjahr. Auf der Handelsplattform Tradegate notierten die Aktien gut 2 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Dienstag.

Zudem könnten Analystenkommentare die Kurse bewegen. So empfahl die Commerzbank die Papiere von Wacker Neuson zum Kauf. Auf Tradegate gewannen die Anteilsscheine fast 4 Prozent. Für die Vorzugsaktien von Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen ging es auf Tradegate um gut 1 Prozent nach oben. Hier stützte eine Empfehlung der US-Bank JPMorgan


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Wall Street mit Verlusten

Der vielbeachtete ISM-Index für die US-Industrie machte den Anlegern am Dienstag neue Sorgen, da er für August überraschend unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen war. Er erreichte den tiefsten Stand seit Januar 2016. "Die USA galten in den vergangenen Quartalen als Hort der Stabilität, doch wie der Index zeigt, kommt das verarbeitende Gewerbe nun spürbar ins Wanken", bewertete dies Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Euro kaum verändert, Börsen in China mit Gewinnen

Der Aktienmarkt in Tokio hat am Mittwoch uneinheitlich tendiert. Der 225 Werte umfassende Nikkei Börsen-Chart zeigen lag gegen Mittag wenig verändert bei 20.631 Punkten. Der breiter gefasste Topix verlor 0,3 Prozent auf 1506 Zähler. In China legten die Indizes überwiegend zu.

Insgesamt blieb die Stimmung an der Börse wegen zunehmender Furcht vor einer weltweiten Rezession gedrückt. Die US-Industrieproduktion schrumpfte im August erstmals seit drei Jahren, Neuaufträge und Einstellungszahlen brachen angesichts steigender Spannungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China ein.

Im asiatischen Devisenhandel gewann der Dollar 0,1 Prozent auf 105,97 Yen und gab 0,2 Prozent auf 7,1660 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er kaum verändert bei 0,9867 Franken.

Parallel dazu blieb der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen fast unverändert bei 1,0974 Dollar und notierte kaum verändert bei 1,0831 Franken. Das Pfund Sterling gewann 0,2 Prozent auf 1,2110 Dollar.

mit dpa und reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung