Börse Hoffnung im Handelsstreit hebt Dow und Dax

Gute Nachrichten aus Italien sowie neue Hoffnung im Handelsstreit zwischen USA und China stützen Dow und Dax. Der deutsche Leitindex klettert über die Marke von 11.800 Punkten.
Kursgewinne: Der Dax legte am Donnerstag deutlich zu

Kursgewinne: Der Dax legte am Donnerstag deutlich zu

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Die Erholung an der Börse setzt sich fort: Optimistische Töne aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China und gute Nachrichten aus Italien haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag merklich nach oben befördert. Börsianer verwiesen darauf, dass die Anleger vor allem die jüngsten Aussagen aus dem chinesischen Wirtschaftsministerium, man sei in Gesprächen mit der US-Seite, positiv interpretierten. Der Dax  notierte zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) 1,2 Prozent höher bei 11.838 Punkten und damit nahe Tageshoch. Der MDax  , in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen gebündelt sind, stieg ebenfalls 1,1 Prozent. Der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen)als Leitindex der Eurozone rückte zuletzt um 1,3 Prozent vor.

In Italien ist der Weg für eine Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten (PD) frei, nachdem Staatspräsident Sergio Mattarella den bisherigen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt hatte. Damit müsste der Rechtspopulist Matteo Salvini in die Opposition.

Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Thyssenkrupp (Kurswerte anzeigen), Covestro (Kurswerte anzeigen) und Infineon (Kurswerte anzeigen), die zwischen 3,2 und 2,4 Prozent zulegten. Die jüngsten Kursgewinne bei dem Stahlkonzern können nach der rasanten Talfahrt des Aktienkurses den Abstieg kaum noch verhindern: Der Aktie des Industriekonzerns ThyssenKrupp droht in Kürze der Abstieg aus dem Dax.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq legen zu

Weiter aufwärts geht es am Donnerstag auch mit den Aktienkursen an der Wall Street. Der Dow Jones  stieg im frühen Handel um 0,94 Prozent auf 26 277,95 Punkte und setzte die Erholung vom Mittwoch fort. Der Leitindex versuchte erneut den Ausbruch aus der Handelsspanne der vergangenen Wochen nach oben. Beobachter begründen die Aktienkäufe mit positiven Aussagen aus China zum Handelskrieg mit den USA.

Der marktbreite S&P 500 stieg um 1,03 Prozent auf 2917,55 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Stock Market (Kurswerte anzeigen) rückte um 1,41 Prozent auf 7695,44 Zähler noch etwas stärker vor.

Die Strafzölle hinterlassen teils tiefe Spuren in den Quartalsberichten und Jahresprognosen von Unternehmen - und in den Aktienkursen. Mit der Aussicht auf steigende Zölle auf Importe aus China kappte der Modekonzern Abercrombie & Fitch - bekannt nicht zuletzt durch die Marke Hollister - die Umsatzprognose für das laufende Jahr. Anleger schickten den Kurs um fast 15 Prozent auf Talfahrt und auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren.

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Dem standen jedoch hohe Kursgewinne anderer Einzelhändler gegenüber: So schnellte der Kurs von Burlington Stores um fast 17 Prozent nach oben auf den höchsten Stand der sechsjährigen Börsengeschichte. Die Warenhauskette mit mehr als 600 Filialen schraubte die Gewinnprognose für das Gesamtjahr nach oben und übertraf damit selbst die optimistischste Analystenprognose.

Neue Regierung in Italien: Salvini hat sich verzockt

In Italien sind die Weichen für eine neue Koalitionaus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten (PD) gestellt. Es wird erwartet, dass der Staatspräsident Sergio Mattarella am Morgen den bisherigen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte beauftragt, eine Regierung zu bilden. Vor allem in der EU dürfte eine Koalition mit Beteiligung der europafreundlichen Sozialdemokraten für Erleichterung sorgen. Denn mit der würde Rechtspopulist Matteo Salvini in der Opposition landen.

"In den italienischen Aktien- und Rentenkursen war die Einigung zwischen den beiden neuen Regierungsparteien bereits im Vorfeld eingepreist", kommentierte Thomas Altmann vom Investmentunternehmen QC Partners die Entwicklung. Mit der neuen Regierung dürfte die Zusammenarbeit zwischen Italien und der EU wieder harmonischer werden. Das sei positiv für Europa und den Euro.


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Bei den Unternehmen kam der größte Zuckerproduzent Europas Südzucker (Kurswerte anzeigen) nach einer Abstufung durch das Bankhaus Metzler etwas unter die Räder. Nach Einschätzung des Analysten Alexander Neuberger brauchen die Anleger angesichts der schlechten Entwicklung der Zuckerpreise Geduld mit einer weiteren Erholung dieses Geschäftsbereichs. Die aktuellen Marktbedingungen hält er für angemessen eingepreist und rät daher bei einem fairen Niveau von 15,90 Euro zu Gewinnmitnahmen. Die Aktie fand sich zuletzt auf den hinteren Rängen im Nebenwerteindex SDax  mit einem Abschlag von 2,06 Prozent wieder.

Die Optikerkette Fielmann (Kurswerte anzeigen) kann dagegen mit einem Gewinnanstieg auf eine positive Entwicklung im zweiten Quartal blicken. Das Unternehmen hatte schon zur Hauptversammlung vorläufige Zahlen vorgelegt, die sich nur noch marginal veränderten. Die Aktie gewann zuletzt 0,08 Prozent.

Nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am Mittwoch senkte zudem die britische Investmentbank Barclays ihr Kursziel für RTL (Kurswerte anzeigen) wegen der angekündigten Investitionen. Das Papier war zuletzt gänzlich unbewegt.

Ansonsten sind die jüngsten Indizes-Änderungen an der Deutschen Börse  am Donnerstag wirksam geworden. So zog das bisherige SDax -Unternehmen Cancom (Kurswerte anzeigen) in den Index für mittelgroße Werte MDax  ein und löste dort den Medienkonzern Axel Springer (Kurswerte anzeigen) ab, der seinen Platz aufgrund des zu geringen Streubesitzes nach der erfolgreichen Übernahmeofferte des Finanzinvestors KKR Private Equity Investors  räumen muss. Den frei werdenden Platz des IT-Dienstleisters erhielten die Papiere des Immobilienentwicklers Instone.

Euro wenig verändert, Pfund bleibt unter Druck

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich am Donnerstag kaum verändert. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1081 US-Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,1083 US-Dollar festgesetzt. Gestützt wurde der Euro durch die Aussicht auf ein schnelles Ende der Regierungskrise in Italien.

Das britische Pfund blieb im US-Devisenhandel unter Druck, es notierte zuletzt mit 1,2218 Dollar. Knapp zwei Monate vor dem geplanten EU-Austritt hatte Premierminister Boris Johnson eine vorübergehende Schließung des Parlaments beantragt. Die Königin stimmte dem Antrag zu. Vor diesen Nachrichten hatte das Pfund noch bei 1,2280 Dollar notiert.

Ölpreise geben etwas nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag leicht gesunken. Nach zum Teil deutlichen Gewinnen in den beiden vergangenen Handelstagen sprachen Marktbeobachter von einer leichten Gegenbewegung. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot  kostete am Morgen 60,17 US-Dollar. Das waren 32 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 23 Cent auf 55,55 Dollar.

Am Dienstag und Mittwoch hatte ein massiver Rückgang der Ölreserven in den USA den Preisen noch deutlichen Auftrieb gegeben. In der vergangenen Woche waren die amerikanischen Lagerbestände an Rohöl nach Angaben der US-Regierung vom Vortag überraschend deutlich gesunken. Außerdem waren die US-Bestände an Benzin und an Destillaten wie zum Beispiel Heizöl zurückgegangen. Experten sehen darin einen Hinweis auf eine stärkere Nachfrage in der größten Volkswirtschaft der Welt. Dies dürfte die Sorge vor einer sinkenden Nachfrage wegen einer schwächeren Konjunktur dämpfen, hieß es.

mit Nachrichtenagenturen