Börse Dax begrenzt Verluste, Wall Street stützt

Der Dax begrenzt im späten Handel seine Verluste, da die Indizes an der Wall Street ins Plus drehen. Dennoch bleiben Anleger nervös.
Dax-Kurve in Frankfurt

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Wem gehört der Dax: Diese Dax-Konzerne sind fest in ausländischer Hand

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Rezessionsängste und die altbekannten Risikofaktoren haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch ins Minus gezogen. Allerdings machten die Indizes dank einer Erholung an der Wall Street einen Großteil ihrer teilweise deutlichen Verluste im späten Handel wieder wett. Der Dax  beendete den Xetra-Handel (18.30 Uhr) mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 11.701 Punkten. Am frühen Nachmittag hatte er noch mehr als 1,3 Prozent hinten gelegen und war unter die Marke von 11.600 Punkten gefallen. Der MDax , der die Aktien mittelgroßer Unternehmen repräsentiert, büßte letztlich 0,31 Prozent auf 25 105,07 Zähler ein

Zu den Verlierern im Dax zählten am Mittwoch die Aktien von SAP , Wirecard  und Deutsche Börse  mit Verlusten zwischen 1 und 1,5 Prozent. Aktuell bewegt sich der Dax um die 200-Tage-Linie von 11.660 Punkten, die unter Charttechnikern als wichtige Unterstützung gilt. Fällt er nachhaltig unter diese Marke, drohen weitere Verluste.

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq drehen ins Plus

An der Wall Street treiben Konjunktursorgen die Investoren weiter um. Nachdem der US-Leitindex Dow Jones  bereits am Dienstag seine Anfangsgewinne nicht halten konnte und ins Minus drehte, startete er auch am Mittwoch mit Verlusten. Im Handelsverlauf konnte sich der US-Index.

Die Eskalation des Handelskriegs durch neue Zollankündigungen der USA gegen China hatte den Dow Jones  Anfang August binnen weniger Tage um mehr als sechs Prozent fallen lassen. Seither pendelt er mit deutlichen Ausschlägen zwischen rund 25.500 und etwa 26 400 Punkten. Auf der Unterseite hatte sich dabei mehrfach die einfache 200-Tage-Linie als Unterstützung erwiesen, auch nachdem China mit der Ankündigung höherer Zölle auf US-Waren reagiert hatte. Aktuell verläuft dieser längerfristige Trendindikator bei 25 616 Punkten.

Goldpreis legt zu, Autodesk bricht ein

Dazu passt, dass die Citigroup dem Goldpreis im Vergleich zu US-Aktien noch einiges zutraut. Der Aktienmarkt erscheine sehr verwundbar, gerade mit Blick auf die inverse Zinskurve mit Renditen auf kurzlaufende Staatsanleihen über jenen für Langläufer, erklärten die Experten. Solche eine Zinskurve wird von vielen Experten als möglicher Vorbote einer Rezession gesehen.

Unter den Einzelwerten stehen Autodesk mit einem heftigen vorbörslichen Verlust von 12 Prozent im Fokus. Der Spezialist für Planungssoftware schraubte sein Gewinnziel für das laufende Jahr zurück und liegt damit nun klar unter den Markterwartungen. Ein Credit-Suisse-Experte hält die neue Planung angesichts der im zweiten Quartal gezeigten allerdings für sehr konservativ.

Warten auf Regierungs-Poker in Italien

In Europa sowie am deutschen Aktienmarkt warten die Anleger unterdessen weiter auf positive Nachrichten zur Regierungsbildung in Italien. "An den Börsen ist eine Koalition aus den Fünf Sternen und der Partito Democratico bereits in den Kursen eingepreist", schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners in einem Morgenkommentar. "Ein Scheitern der Verhandlungen auf der Zielgeraden würde daher zu heftigen Kursverlusten sowohl bei italienischen Aktien als auch bei italienischen Staatsanleihen führen."

SAP und Infineon unter Druck

Auf Unternehmensseite im Dax standen am Morgen im Einklang mit dem schwachen Branchentrend in Europa vor allem Technologiewerte unter Druck: Infineon und SAP  verloren am Index-Ende jeweils mehr als ein Prozent, Lufthansa führten den Index hingegen mit Gewinnen von 0,61 Prozent an.

Zudem standen einige Nachzügler der Berichtssaison im Fokus. RTL -Aktien legten nach dem Halbjahresbericht und der Präsentation eines neuen Finanzchefs um rund ein halbes Prozent zu. Bei der Immobiliengesellschaft Aroundtown setzte sich nach einem zunächst schwächeren Start der Aktien doch noch die Freude über die angehobene Prognose durch - der Kurs legte im frühen Handel um ein halbes Prozent zu.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick 


Auf Unternehmensseite rücken zur Wochenmitte einige Nachzügler der Berichtssaison in den Blick, darunter der Medienkonzern RTL  , der für das erste Halbjahr einen Umsatzrekord präsentierte. Der Solar- und Windparkbetreiber Encavis hob seine Ziele für das Gesamtjahr ein weiteres Mal an - vorbörslich gab das der ohnehin bereits im Jahresverlauf stark gelaufenen Aktie weiteren Auftrieb. Auch die Immobiliengesellschaft Aroundtown erhöhte nach einem guten Lauf ihre Prognose für das operative Ergebnis im Gesamtjahr.

Aktien von RIB Software stehen wegen einer Übernahme im Fokus: Der Bausoftware-Spezialist erwirbt 60 Prozent am US-Bautechnologiespezialisten U.S. CAD. Aktien des Triebwerkbauers MTU könnten unterdessen unter einer gestrichenen Kaufempfehlung durch die britische Investmentbank HSBC leiden. Analyst Richard Schramm sieht nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate kaum noch positive Treiber für die Aktie.

Euro zunächst kaum bewegt

Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1086 US-Dollar und damit etwa gleich viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1104 (Montag: 1,1116) Dollar festgesetzt.

Im weiteren Tagesverlauf könnte die weitere politische Entwicklung in Italien für neue Impulse am Devisenmarkt sorgen. In dem Euroland wird eine Entscheidung des Staatspräsidenten über die neue Regierung erwartet. Staatspräsident Sergio Mattarella wird noch bis zum Abend Gespräche mit den großen Parteien führen. Danach will er entscheiden, ob es eine neue Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten (PD) geben kann oder ob eine Neuwahl notwendig ist.

Ölpreise steigen

Meldungen über einen vergleichsweise starken Rückgang der Ölreserven in den USA habe für Auftrieb gesorgt, hieß es von Marktbeobachtern. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 59,91 US-Dollar. Das waren 40 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 52 Cent auf 55,45 Dollar.

Der Interessenverband American Petroleum Institute (API) hatte in der vergangenen Woche laut Daten vom Vorabend einen Rückgang der amerikanischen Lagerbestände an Rohöl um 11,1 Millionen Barrel verzeichnet. Am Nachmittag werden die offiziellen Daten der US-Regierung zu den Ölreserven erwartet. Analysten gehen hier zwar ebenfalls von einem Rückgang aus, aber nur um knapp drei Millionen Barrel.

Sinkende Lagerbestände stützen in der Regel die Ölpreise, weil sie ein Hinweis auf eine hohe Nachfrage oder ein zu geringes Angebot sein können. Die wöchentlichen Daten zu den US-Ölreserven werden am Markt stark beachtet.

mit Nachrichtenagenturen