Börse Dax schließt im Plus, Dow legt wieder zu

Nach dem Ausverkauf am Freitag legt der Dax am Montag wieder leicht zu. Trumps sanfte Töne in Richtung China können Anleger jedoch nicht wirklich beruhigen. Der geplante Berliner Mietendeckel belastet Immobilien-Aktien wie Vonovia.
Dax im Plus: USA und China geben sich wieder gesprächsbereit

Dax im Plus: USA und China geben sich wieder gesprächsbereit

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Wem gehört der Dax: Diese Dax-Konzerne sind fest in ausländischer Hand

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Atempause nach dem Kursrutsch: Der Dax  hat sich am Montag von seinen jüngsten Kursverlusten wieder etwas erholen können. Nachrichten vom angeblich ungebrochenen Verhandlungswillen der USA und von China sorgten für leichte Entspannung. Der deutsche Leitindex Dax  gab bis zum Nachmittag einen Großteil seiner Gewinne wieder ab und schloss auf Xetra dann noch 0,4 Prozent im Plus bei 11.662 Punkten.

An der Wall Street in New York tendierten die Börsen ebenfalls im Plus. Der Dow Jones  legte ebenso wie der Nasdaq Stock Market  zuletzt um 0,8 Prozent zu. Trump begrüßte zwar ein Gesprächsangebot aus China und sagte, er erwarte, dass es einen Deal geben werde. Doch nach den jüngsten Eskalationen aus dem Weißen Haus trauen Anleger dem Frieden nicht und halten sich mit Käufen zurück.

Apple, Intel und Nvidia gefragt

Zu den Gewinnern gehörten die Aktien der Firmen, die besonders viel Geschäft in China machen: Boeing  -Papiere legten 2,9 Prozent zu, Apple  1,8 Prozent. Auch Chiphersteller wie Intel, Qualcomm, Advanced Micro Devices oder Nvidia  gewannen bis zu 2,1 Prozent.

Die Papiere des Pharmaherstellers Celgene stiegen um 3,3 Prozent. Amgen  kauft das Schuppenflechte-Mittel Otezla und räumt damit eine wichtige Hürde für die 74 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers Squibb aus dem Weg. Die Bristol-Myers-Titel notierten 3,7 Prozent fester.

Chinas Vizepräsident und Chef-Unterhändler Liu He sagte, China sei dazu bereit, den Streit durch "ruhige" Verhandlungen zu lösen. "Wir glauben, dass die Eskalation des Handelskriegs nicht gut für China und die USA ist und auch nicht im Interesse der Völker der Erde liegt", sagte er. Experten warnen aber vor allzu großen Hoffnungen auf einen Durchbruch.

Kampf um die 200-Tage-Linie im Dax

Mit dem aktuellen Anstieg ist der Dax wieder zurück über der 200-Tage-Linie, sie gilt Indikation für den längerfristigen Trend im Leitindex. Noch am Freitagnachmittag war der Index darunter gerutscht, Auslöser waren die von China angekündigten neuen Zölle auf Waren aus den USA gewesen, worauf US-Präsident Donald Trump gleich zum Gegenschlag ausholte. An den Börsen in Europa, den USA und am Montag noch in Asien waren die Anleger daraufhin in Deckung gegangen und hatten für teils massive Kursverluste gesorgt.

Der Handelskrieg belastet unterdessen die deutsche Wirtschaft weiter. Nachdem sich bereits im Juli die Stimmung stark eingetrübt hatte, fiel der Ifo-Geschäftsklimaindex im August nunmehr auf den tiefsten Stand seit November 2012. "Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Das setzt den Euro unter Druck: Die Gemeinschaftswährung gab 0,2 Prozent nach auf 1,1118 Dollar.

Goldpreis auf Rekordhoch - in Euro

Dies trieb die "Antikrisen-Währung" Gold auf ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch von 1,554,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). In Euro kostete sie mit 1393,22 Euro so viel wie noch nie. Auch die ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen blieben gefragt: Die Rendite der zehnjährigen Titel lag zeitweise mit minus 0,704 Prozent in Reichweite ihres Rekordtiefs.

Am Devisenmarkt wertete die chinesische Währung weiter ab. Der Dollar stieg im Gegenzug an den chinesischen Festlandbörsen um 0,7 Prozent auf ein Elfeinhalb-Jahres-Hoch von 7,1500 Yuan. An ausländischen Handelsplätzen wie Singapur notierte der Dollar mit 7,1858 Yuan so hoch wie noch nie. China könnte den Yuan weiter abwerten lassen, um die Auswirkungen der US-Zölle zu verringern, und "die Währung zur Waffe machen, um Trump zu ärgern", schrieben die Fachleute der Commerzbank. Allerdings dürften sie vor einer unkontrollierten Abwertung zurückschrecken, weil das massive Kapitalabflüsse auslösen könnte.

Mietendeckel belastet Immobilienwerte

Zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt zählten die Immobilienwerte. Die Titel von Vonovia , Deutsche Wohnen  oder Adler Real Estate  fielen um bis zu 5 Prozent. Die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) plant für die Hauptstadt eine Deckelung der Monatsmiete auf maximal 7,97 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen, die bis 2013 gebaut wurden. "Dies könnte eher als Mieten-Kürzung denn als Mieten-Deckel enden", schrieb Analyst Thomas Rothäusler von der Investmentbank Jefferies. Er rechne allerdings nicht damit, dass der Entwurf in seiner jetzigen Form umgesetzt werde.


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Beim Werbevermarkter Ströer (Kurswerte anzeigen) sorgte unterdessen eine gestrichene Kaufempfehlung durch die US-Bank Goldman Sachs für einen Abschlag von mehr als fünf Prozent. Analystin Katherine Tait sieht nach dem starken Kursanstieg sämtliche positiven Aspekte bereits eingepreist.

In der Hoffnung auf einen Konzernumbau griffen Anleger bei dem weltgrößten Brillen-Hersteller EssilorLuxottica zu. Die Aktien des "Ray Ban"-Anbieters kletterten um bis zu 1,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 133,45 Euro. Insidern zufolge ist der Hedgefonds Third Point bei dem Unternehmen eingestiegen.

Charttechnik: Rutsch auf 11.100 Punkte denkbar

Die Bären haben dem Dax  nach Einschätzung der UBS mit seinem Rutsch unter eine wichtige Chartunterstützung einen Schlag versetzt. Gelinge nun kein schneller Konter, drohe die Wiederaufnahme des Abwärtstrends aus dem Juli, hieß es am Montag im Morgenkommentar der Chartexperten der Schweizer Großbank. Unterhalb von 11 726 Punkten bleibe der aktuell bei 11 585 Punkten notierende Dax  in "gefährlichem Terrain" und würde unter 11 430 Punkten den Abwärtstrend reaktivieren. Ein Rutsch in Richtung 11 266 oder gar 11 150 Punkte wäre dann denkbar.

Nachdem China am Freitagnachmittag neue Zölle auf Waren aus den USA angekündigt hatte und US-Präsident Donald Trump zum Gegenschlag ausholte, war der Dax wieder unter die 200-Tage-Linie abgerutscht.

mit Nachrichtenagenturen