Sonntag, 17. November 2019

Italien-Krise und Handelskrieg belasten Dax und Dow Jones rutschen erneut ab, Bayer-Aktie legt zu

Dax im Minus: Der Dax baut am Freitag seine Verluste aus

Der Dax gibt am Freitag wieder nach. Die Regierungskrise in Italien belastet. Widersprüchliche Berichte über einen möglichen Glyphosat-Vergleich lassen die Aktie von Bayer stark schwanken. In den USA starten Dow Jones und Nasdaq mit Verlusten.

Schwacher Dax, starke Bayer-Aktie: Der Dax hat am Freitag wegen der Regierungskrise in Italien wieder nachgegeben und ist nach seiner Vortagesrally wieder unter die Marke von 11.700 Punkten gefallen. Zuletzt notierte der Dax Börsen-Chart zeigen rund 1,3 Prozent im Minus bei 11.687 Punkten. Damit sind die Vortagesgewinne fast wieder aufgezehrt.

Gegen den schwächeren Trend legte die Aktie von Bayer Börsen-Chart zeigen um rund 4 Prozent zu: Auslöser dafür war ein Medienbericht, wonach der wegen Tausender Glyphosat-Klagen unter Druck stehende Bayer-Konzern einen Vergleich in den USA anstrebe. Allerdings teilte der vom Gericht bestellte Chef-Vermittler Kenneth Feinberg via Email mit, er wisse nichts von einem Vergleichsangebot Bayers. Die Aktie gab daraufhin einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab.

Zu den Verlierern im Dax gehörten am Freitag die Aktien von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen, Continental Börsen-Chart zeigen und Adidas Börsen-Chart zeigen mit einem Minus zwischen 2 und 3 Prozent. Bei der Aktie von Adidas Börsen-Chart zeigen setzten sich die Gewinnmitnahmen nach den enttäuschenden Quartalszahlen fort.

Bayer: 8 Milliarden Dollar für die 18.400 Glyphosat-Kläger?

Die Bayer-Aktien schossen nach der Meldung kurzzeitig um mehr als 11 Prozent nach oben. Zuletzt notierten sie aber nur noch 3 Prozent fester bei 65 Euro. Der Agrochemie- und Pharmakonzern schlage eine Zahlung von bis zu 8 Milliarden US-Dollar (7,15 Mrd. Euro) vor, um die Klagen der zuletzt 18.400 Glyphosat-Kläger beizulegen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Ein Bayer-Sprecher wollte den Bericht auf Anfrage der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX nicht kommentieren. Der vom Gericht bestellte Chef-Mediator Kenneth Feinberg dementierte, dass es ein Vergleichsangebot gäbe.

Italiens Populisten-Allianz nach 14 Monaten vor dem Aus

Nach nur 14 Monaten an der Macht ist die Populisten-Allianz aus rechter Lega und Fünf-Sterne-Bewegung in Italien gescheitert. Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini sieht keine Zukunft mehr für das Regierungsbündnis und forderte am Donnerstag eine Neuwahl. Regierungschef Giuseppe Conte warf dem Anführer der rechten Lega am Donnerstagabend in Rom vor, dass dieser aus der Zustimmung, die seine Partei gerade genießt, Kapital schlagen wolle. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und leidet unter einer schwächelnden Wirtschaft und einem hohen Schuldenstand

Neben dem ungelösten Zollstreit zwischen den USA und China rückt das zweite Dauerbrenner-Thema - der Brexit - wieder in den Vordergrund. Anleger werden genau analysieren, wie sich der drohende ungeregelte EU-Ausstieg ihres Landes auf die Industrieproduktion auswirkt.

Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq im Minus

An der Wall Street schlug eine neue Episode im US-chinesischen Handelsstreit auf die Stimmung der Anleger. Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen gab zuletzt 0,8 Prozent auf 26.100 Zähler nach. Der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen verlor 1,2 Prozent.

Fall Huawei: Washington spielt auf Zeit

Neuigkeiten aus dem Weißen Haus haben zuletzt daran erinnert, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China noch immer nicht geklärt ist. So hieß es in einem Medienbericht, dass die US-Regierung mit ihrer Entscheidung über eine Wiederaufnahme der Geschäfte amerikanischer Unternehmen mit dem Tech-Giganten Huawei nun doch noch länger warten will. Anlass sei die jüngste Ankündigung aus Peking, den Import von US-Agrarprodukten vorerst einzustellen. Dazu hatte Washington der chinesischen Regierung infolge der Yuan-Abwertung Anfang der Woche Währungsmanipulation vorgeworfen. China wies das zurück.

Uber deutlich im Minus

Unternehmensseitig rückt die Aktie des Fahrdienst-Vermittlers Uber nach einem Milliardenverlust im ersten Geschäftsquartal in den Blick. Die übliche Start-Up-Praxis, Mitarbeiter mit Aktien zu bezahlen, hatte das Unternehmen mit 5,2 Milliarden Dollar tief in die roten Zahlen gestürzt. Für die Papiere zeichneten sich deutliche Verluste ab. "Es war klar, dass die ersten Zahlen von Uber als offizielle Aktiengesellschaft ganz genau unter die Lupe genommen werden würden", schrieb CMC-Marktexperte Michael Hewson in einem Kommentar. "Auch bekannt ist, dass die Kosten eines Börsengangs die ersten Quartalszahlen oftmals belasten."

Symantec-Aktien dürften ihre Vortages-Gewinne von über 12 Prozent dagegen am Freitag noch etwas ausbauen. Der US-Chiphersteller Broadcom kauft das Firmenkundengeschäft von Symantec für 10,7 Milliarden Dollar. Die Symantec-Aktien notierten am Freitag vor Handelsbeginn mit 2,53 Prozent im Plus. Ebenfalls vorbörslich gefragt waren die Aktien des Verlagsriesen News Corp. , der sein Geschäftsjahr 2018/2019 mit einer Umsatzsteigerung von 12 Prozent beendet hatte.

Innogy und Hella nach Quartalszahlen schwächer

Innogy-Aktien sanken um 0,7 Prozent. Der Ökostromanbieter machte im ersten Halbjahr 26 weniger Nettogewinn. Das operative Ergebnis sank wie erwartet um 16 Prozent. Den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bestätigte das vor einer Übernahme durch den Wettbewerber Eon stehende Unternehmen.

Der Autozulieferer Hella verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende Mai) deutlich mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich kletterte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um 62 Prozent. Zudem bestätigte der Beleuchtungstechnik-Spezialist den Ausblick auf das neue Geschäftsjahr 2019/2020. Den Anlegern war dies offenbar nicht gut genug, denn die Hella-Anteilsscheine bildeten mit einem Verlust von 3,7 Prozent das Schlusslicht im MDax.

Asiens Börsen kaum verändert

Der japanische Aktienindex Nikkei Börsen-Chart zeigen legte am Freitag nach guten Vorgaben der New Yorker Wallstreet leicht zu zu. Allerdings wurde die Kauflaune durch einen Bericht über neue Volten im US-chinesischen Handelsstreit gebremst: Die USA verzögern die Erteilung von Lizenzen für den Netzwerkbauer Huawei, nachdem China Agrarimporte aus den USA gestoppt hat.

Der Nikkei Börsen-Chart zeigen legte um 0,5 Prozent auf 20.715 Punkte zu. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans kam auf ein Plus von 1,1 Prozent mit 491 Zählern. Dagegen gab die chinesischen Börse in Shanghai um 0,4 Prozent nach und sank auf 2784 Punkte.

Euro kaum verändert

Der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen hat am Freitag etwas zugelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Morgen mit 1,1196 US-Dollar gehandelt. Nach dem Scheitern der Regierung in Italien war der Euro am Donnerstagabend bis auf 1,1177 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1193 (Mittwoch: 1,1202) Dollar festgesetzt.

mit Nachrichtenagenturen

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