Dienstag, 10. Dezember 2019

Börse Dax schwankt stark, wilder Ritt an der Wall Street

Dax unter Druck: Die Rezessionsangst geht um

Starke Schwankungen an den Börsen: Die drohende Rezession in Deutschland vertreibt Anleger. In den USA taucht der Dow Jones zum Handelsstart um 500 Punkte ab, der Goldpreis klettert auf Sechsjahreshoch. Doch dann greifen Schnäppchenjäger zu - der Dax schwankt stark.

Starke Schwankungen an den Börsen: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen hat am Mittwoch erneut eine Berg- und Talfahrt hingelegt. Zeitweise rutschte der Dax deutlich unter die Marke von 11.600 Punkten, konnte sich im späten Handel dank einer Beruhigung des Handels an der Wall Street aber wieder erholen. Kurz vor Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) notierte der deutsche Leitindex bei 11.638 Zählern.

Der deutliche Rückgang der Industrieproduktion und die steigende Rezessionsgefahr in Deutschland verschrecken Anleger. Binnen zehn Handelstagen hat der deutsche Leitindex rund 1000 Punkte (8 Prozent) an Wert verloren. Der Goldpreis kletterte dagegen über die Marke von 1500 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit sechs Jahren.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von 5 Prozent, während die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen nach Vorlage der Quartalszahlen um knapp 4 Prozent nachgab. Bayer verkauft seine Beteiligung Currenta - dies kam am Aktienmarkt gut an. Bei Wirecard nahmen Anleger dagegen nach Bekanntgabe der Quartalszahlen Gewinne mit.

Der Krisenkonzern Bayer Börsen-Chart zeigen kommt durch den Currrenta-Verkauf bei seinem Umbau voran. Der gemeinsam mit der ehemaligen Tochter Lanxess gehaltene Chemiepark-Betreiber Currenta gehe für 3,5 Milliarden Euro inklusive Schulden an Infrastrukturfonds (Mira) der australischen Bank Macquarie, wie Bayer und Lanxess am späten Dienstagabend mitteilten. Die Analysten Markus Mayer und Laura Lopez Pineda von der Baader Bank sprachen von einer "überraschend hohen Bewertung".

Wall Street: Dow Jones und Nasdaq geben nach

Nach der gestrigen Kurserholung in New York scheint es mit der Kauffreude schon wieder vorbei zu sein: Der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen gab zum Handelsauftakt mehr als 500 Punkte (2,1 Prozent) nach und fiel unter die Marke von 26.000 Punkten. Der Technologieindex Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen gab im frühen Handel um 1,6 Prozent nach. Kurz vor Handelsschluss in Deutschland setzte an den US-Börsen jedoch eine Erholung ein. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen konnte seine Verluste auf 300 Punkte begrenzen, während der Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen zuletzt nur noch 0,4 Prozent im Minus notierte.

Es sei angesichts der Ereignisse der vergangenen Woche noch zu früh, die jüngste Stabilisierung mit irgendeiner Art von Optimismus in Verbindung zu bringen, schrieb Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Sie könnte sich vielmehr als nur kurze Pause vor weiteren Kursverlusten erweisen.

Disney-Aktie unter Druck, Boeing bremst US-Wirtschaft

Von den Unternehmen kamen am Mittwoch keine positiven Impulse. Dass Walt Disney die Erwartungen für das vergangene Geschäftsquartal trotz des Erfolgsfilms "Avengers: Endgame" klar verfehlte, ließ die Aktien des Unterhaltungsriesen vorbörslich um rund fünf Prozent absacken. Als Belastung erweisen sich vor allem Sonderkosten durch die Integration zugekaufter Geschäfte von 21st Century Fox und hohe Investitionen in den Auf- und Ausbau von Streaming-Diensten.

Für die Anteilsscheine des Flugzeugbauers Boeing ging es um 0,7 Prozent nach unten. Kurz nach Handelsbeginn spricht Unternehmenschef Dennis Muilenberg auf einer Analystenkonferenz. Der amerikanische Airbus-Konkurrentkämpft immer noch mit den Folgen zweier Flugzeugabstürze mit hunderten von Todesopfern. Auch weil die Baureihe 737 Max nach dem zweiten Unglück mit Flugverboten belegt worden war, hatte Boeing vor kurzem einen Rekordverlust für das zweite Quartal berichtet.

Bei Twitter zeichnet sich ein Kursrückgang von knapp 1,3 Prozent ab. Der Kurznachrichtendienst hatte mitgeteilt, dass einige Daten von Nutzern ohne deren Wissen mehr als ein Jahr lang mit Werbekunden des Dienstes geteilt worden sein könnten. Das Online-Netzwerk Facebook war jüngst wegen eines Datenskandals zu einer Rekordstrafe von fünf Milliarden US-Dollar verdonnert worden

Continental meldet Gewinneinbruch, Aktie steigt dennoch

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental Börsen-Chart zeigen musste im zweiten Quartal kräftig Federn lassen. Der Nettogewinn sackte um 41 Prozent ab. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds", stellte Finanzchef Wolfgang Schäfer klar. Im Juli hatte Conti den Jahresausblick bei Umsatz und Gewinnmarge gekappt. Die Aktien stiegen zuletzt dennoch um 1,7 Prozent.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hält trotz eines knappen Milliardengewinns im zweiten Quartal an seinen Jahreszielen fest. Die Aktien rückten um 1,6 Prozent vor.

MDax: Commerzbank unter Druck, ProSiebenSat1 gefragt

Mit einem Verlust von 4,3 Prozent reagierten die Anleger auf den Quartalsbericht der Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Die Ergebnisse im Handel seien schwach, die Gebühren niedriger als erwartet, die Rückstellungen dagegen höher als angenommen, kritisierte Analyst Jernej Omahen von Goldman Sachs.

Die Aktien von ProSiebenSat.1 notierten zuletzt 1,3 Prozent fester. Der Medienkonzern hatte bei Vorlage der Quartalszahlen den Jahresausblick bestätigt. Zudem hatte das Bundeskartellamt das angestrebte Gemeinschaftsunternehmen von ProSieben und RTL für Werbekunden genehmigt.

Morphosys: Die Erholung geht weiter

Spitzenreiter im MDax waren die Morphosys-Aktien mit plus 8,4 Prozent. Das Biotechnologie-Unternehmen hatte neben seinen Quartalszahlen mitgeteilt, einen Zulassungsantrag für das hauseigene Blutkrebs-Medikament Tafasitamab in Europa eingereicht zu haben. Goldman-Sachs-Analyst Graig Suvannavejh merkte an, dass das zweite Quartal die Erwartungen klar geschlagen habe.

Hapag-Lloyd steigt zweistellig, Kursrally von Varta setzt sich fort

Um mehr als 10 Prozent ging es für die Papiere von Hapag-Lloyd nach oben. Die Container-Reederei kämpfte sich im zweiten Quartal dank höherer Frachtmengen und gestiegener Preise in die Gewinnzone zurück.

Einen Tag nach der Erhöhung des Unternehmensausblick stiegen die Aktien des Batterieherstellers Varta auf ein Rekordhoch. Zuletzt führten die Papiere den Nebenwerte-Index SDax noch mit einem Plus von knapp 8 Prozent an. Analysten reagierten mit Hochstufungen und Kurszielerhöhungen auf die am Vortag vorgelegten Quartalszahlen.

Asiens Börsen schließen im Minus

Auch in Asien ist der Kursrutsch noch nicht ausgestanden Äußerungen der US-Regierung, wonach sie den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen und an der nächsten Verhandlungsrunde im September festhalten wolle, konnten den Kursen nur wenig Halt geben. An der Tokioter Börse gab der Nikkei Börsen-Chart zeigen bis zum Mittag 0,8 Prozent auf 20.417 Punkte nach. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,7 Prozent. Auch die chinesischen Börse in Shanghai lag im Minus.

Yuan wertet erneut gegen den Dollar ab

Die Anleger verunsicherte auch, dass die chinesische Währung erneut etwas nachgab. Am Montag war der Yuan auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren gefallen, und die USA warfen daraufhin China eine Manipulation der Währung zugunsten unlauterer Handelsvorteile vor. Dies schürte Sorgen, dass es nun auch zu einem Währungskrieg der beiden weltgrößten Volkswirtschaften kommen könnte.

Euro kaum verändert

Der Euro notierte im Devisenhandel in Fernost wenig verändert bei 1,1210 Dollar. Zur japanischen Währung gab der Dollar 0,4 Prozent nach auf 105,98 Yen nach, was auch die Aktien exportorientierter Unternehmen an der Tokioter Börse unter Druck brachte.

mit Nachrichtenagenturen

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