Neue Drohungen gegen China, Dax droht Sturz unter 12.000 Punkte Trump schickt Börsen tief ins Minus

Nach der US-Zinssenkung waren Dow Jones und Dax wieder klar ins Plus gedreht - doch dann drohte US-Präsident Trump mit neuen Strafzöllen gegen China und einer Eskalation des Handelskrieges. Die Börsen-Indizes tauchen ab. Dem Dax droht am Freitag der Sturz unter 12.000 Punkte.
Kursrutsch im Dax: Trump droht mit neuen Strafzöllen gegen China und lässt Dax, Dow Jones und Nasdaq einknicken

Kursrutsch im Dax: Trump droht mit neuen Strafzöllen gegen China und lässt Dax, Dow Jones und Nasdaq einknicken

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Die Börsen beben, denn US-Präsident Donald Trump setzt im Handelskrieg mit China auf Eskalation: Trump kündigt neue Strafzölle an und droht Peking sofort mit weiteren Schritten. Die für September angekündigten Strafzölle von 10 Prozent auf Güter im Wert von 300 Milliarden Dollar (270 Milliarden Euro) könnten auf 25 Prozent oder "deutlich darüber hinaus" erhöht werden, warnte Trump am Donnerstag Abend im Weißen Haus. Alles hänge vom Abschluss eines Handelsabkommens mit China ab. "Wenn sie nicht mehr mit uns handeln wollen, dann wäre das für mich auch in Ordnung", sagte Trump.

Unmittelbar nach Trumps Ankündigung der neuen Strafzölle in Höhe von 10 Prozent rutschte die US-Börse ins Minus. Die Indizes, die zuvor klar im Plus notiert hatten, tauchten ab: Der Dow Jones  verlor 1,05 Prozent und stand am Abend bei 26.583 Punkten. Damit schloss er rund 400 Punkte unter seinem zuvor erreichten Tageshoch. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) schloss ebenfalls im Minus.

Ab September werden damit Chinas gesamte Importe in die USA - 2018 waren es rund 540 Milliarden Dollar - von Strafzöllen erfasst.

Eskalation des Handelskriegs beschleunigt Abkühlung der Konjunktur

Die Eskalation des Konfliktes der größten Volkswirtschaften der Erde droht die globalen Konjunkturaussichten weiter einzutrüben. Das könnte auch die exportlastige deutsche Wirtschaft zusätzlich treffen. Zunächst blieb auch noch unklar, ob und wie China auf Trumps Frontalangriff reagieren wird.

Trump sagte, die neu verhängten Strafzölle könnten weiter angehoben oder wieder gestrichen werden, alles hänge vom Verlauf der weiteren Verhandlungen ab. Die jüngsten Gespräche zwischen den USA und China um ein Handelsabkommen waren am Mittwoch in Shanghai offenbar ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Es wurde eine weitere Gesprächsrunde für September in Washington vereinbart.

Doch Trump macht Chinas Präsident Xi Jinping Druck: "Er will ein Abkommen, aber ganz ehrlich gesagt, er macht es nicht schnell genug."

Der Handelskrieg und die damit einhergehende Unsicherheit zieht die Weltwirtschaft nach unten. Der Internationale Währungsfonds (IMF) hatte seine Prognose für das globale Wachstum deswegen jüngst erneut gesenkt. Chinas Export-orientierte Wirtschaft leidet besonders unter dem Handelskrieg, doch auch die US-Wirtschaft ist zunehmend betroffen. Am Mittwoch senkte die US-Notenbank Federal Reserve wegen der Handelskonflikte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte.

Dax droht Sturz unter 12.000 Punkte

Die Eskalation ist Gift auch für die deutsche Börse: Der Dax  hatte am Tag nach der Zinssenkung in den USA auf Xetra noch im Plus und über die Marke von 12.200 Zählern geschlossen. Vor allem der schwache Euro sorgte im Dax  für Unterstützung: Der Euro fiel zeitweise auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 1,1025 Dollar. Nun aber, da die US-Indizes im späten Handel abgetaucht sind, droht auch dem Dax am Freitag ein verlustreicher Handelstag und der Sturz unter die Marke von 12.000 Punkten. Binnen zwei Wochen hat der Dax bereits um rund 4 Prozent nachgegeben.

Die US-Notenbank senkte am Mittwochabend wie erwartet erstmals seit der Finanzkrise von 2008 den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt. Fed-Chef Jerome Powell betonte allerdings, dass dies nicht der Auftakt zu einer Serie solcher Schritte sei. Er rechne dennoch mit einer weiteren Zinssenkung vor dem Jahresende, sagt David Lafferty, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Natixis. "Grundsätzlich gilt die Ausrichtung der Fed in Richtung niedrigerer Leitzinsen; sie gehen vielleicht nur nicht so tief, wie es sich die Anleger erhofft haben."

Deutsche Aktien: Siemens bricht ein

Hierzulande machen bei den Einzelaktien weiterhin die Quartalsberichte der Unternehmen die Musik. An diesem Donnerstag lassen sich neben vielen anderen die drei Dax-Konzerne Siemens  , BMW  und Infineon  in die Bücher schauen.

Der Technologiekonzern Siemens  bekommt die Eintrübung in seinen Schlüsselmärkten zu spüren und zeigt sich für das laufende Geschäftsjahr etwas pessimistischer. Zuletzt rutschten die Titel von Siemens um bis zu 5,8 Prozent ab. Das ist der größte Kursrutsch seit drei Jahren. Angesichts eines enttäuschenden Quartalsergebnisses äußerte sich der Elektrotechnik-Konzern vorsichtiger zu den Aussichten für das Gesamtjahr. Das sei aber nicht überraschend, sagte ein Börsianer. "Der Auftragseingang ist allerdings gut, daher könnten Kursrücksetzer die Gelegenheit zum Einstieg bedeuten."

Die Reaktionen auf die Zinssenkung in den USA sehen Sie hier im Video:

Reuters

Infineon stärker als erwartet

Der Chiphersteller Infineon hingegen schlug sich angesichts schwieriger Bedingungen im Halbleitermarkt im dritten Quartal recht wacker. Trotz anhaltend schwieriger Marktbedingungen in der Halbleiterbranche hat Infineon  ein ordentliches drittes Geschäftsquartal erreicht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte das Unternehmen den Umsatz um 4 Prozent auf rund 2 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente der Dax-Konzern aus Neubiberg bei München weniger - 224 Millionen Euro nach 271 Millionen im Vorjahresquartal. Vorstandschef Reinhard Ploss stellte fest, die Nachfrage sei insgesamt solide gewesen. Er verwies allerdings auch darauf, dass größere Wachstumsimpulse von April bis Juni ausgeblieben seien. Infineon bekommt die Flaute an den Automärkten und das schwächere Wachstum in China zu spüren.

Der Manager bestätigte dennoch die im März gekappte Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2018/2019 (per Ende September). Demnach rechnet Infineon mit einem Gesamtumsatz von 8 Milliarden Euro.

BoJo bremst die Wirtschaft: Bank of England senkt Wachstumsprognose

Neben dem Euro fiel auch das Pfund Sterling auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief und kostete 1,2082 Dollar. Die Bank von England (BoE) sei derweil zum Zuschauen verdammt, sagte David Lamb, Chef-Händler des Finanzdienstleisters Fexco. Eigentlich müsste sie wegen der schwächelnden Konjunktur die Zinsen senken. Allerdings drohe wegen der Pfund-Schwäche vor dem Hintergrund eines möglichen ungeordneten Brexit ein weiterer Anstieg der Inflation. Bei der ersten geldpolitischen Sitzung nach Ernennung des Brexit-Hardliners Boris Johnson zum Premierminister tastete die Notenbank ihren Schlüsselsatz nicht an. Sie schraubte aber ihre Wachstumsprognose zurück.

Euro auf 26-Monats-Tief

Der Eurokurs ist am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung fiel im asiatischen Handel bis auf 1,1034 Dollar - so wenig hatte der Euro zuletzt im Mai 2017 gekostet.

Der Euro war bereits am Mittwochabend direkt nach der Fed-Zinsentscheidung unter Druck geraten und unter die Marke von 1,11 Dollar gefallen. Am Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,1151 (Dienstag: 1,1154) Dollar festgesetzt.

Grund für die Dollar-Gewinne waren Aussagen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, dass nach der erwarteten Leitzinssenkung keine Serie von Schritten dieser Art ansteht. Da auch in Europa mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zu rechnen ist, gab der Euro in den vergangenen Wochen bereits deutlich nach. Ende Juni lag der Kurs noch bei mehr als 1,14 Dollar.

mit Nachrichtenagenturen