Dienstag, 16. Juli 2019

Börse Dax dreht ins Plus, Powell erfreut Anleger

Insel in der Südsee: An der Börse bietet das "Island Reversal" etwas weniger schöne Aussichten

Runter und wieder rauf: Der Dax dreht wieder ins Plus, nachdem er zeitweise deutlich unter die Marke von 12.400 Punkten gefallen war. Charttechniker sehen in dem "Island Reversal" ein Signal für ein mögliches Abrutschen des Dax. Doch Fed-Chef Powell lockt wieder Käufer hervor.

Auf und Ab am deutschen Aktienmarkt: Der Dax Börsen-Chart zeigen ist am Mittwoch vor dem Auftritt des US-Notenbankchefs Jerome Powell unter die Marke von 12.400 Punkten gefallen. Zeitweise notierte der Dax 0,6 Prozent schwächer bei 12 388 Punkten. Doch erste Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell sorgten dafür, dass die US-Futures und in Folge auch der Dax wieder ins Plus drehten und ihre Gewinne ausbauten.

An der Wall Street stehen am Mittwoch Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell zur Geldpolitik im Fokus. Nachdem erste Aussagen bereits veröffentlicht wurden, taxierte der Broker IG den US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen rund eine dreiviertel Stunde vor dem Börsenstart bei 26 827 Punkten - das war ein Plus von 0,14 Prozent.

Zuletzt hatten die überraschend guten US-Arbeitsmarktdaten die Zinssenkungsfantasien deutlich gedämpft. Laut dem Redemanuskript belasten Powell zufolge nun aber die Unsicherheiten um den Handel und die Weltwirtschaft weiter den wirtschaftlichen Ausblick. Diese Aussagen könnten darauf hindeuten, dass die Notenbank keine allzu strikte Geldpolitik anstrebt.

Unter den Einzelwerten stehen die Aktien von Levi Strauss (Levi's) im Fokus. Für den traditionsreichen Jeans-Hersteller lief es im zweiten Quartal nicht so rund wie erwartet. Wegen hoher Kosten für den Börsengang brach der Gewinn im Jahresvergleich überraschend deutlich ein, und der Umsatzanstieg enttäuschte ebenfalls. Im vorbörslichen US-Handel sackten die Papiere zuletzt um rund 7 Prozent ab.

Charttechniker: Dem Dax droht ein "Island Reversal"

Im Dax Börsen-Chart zeigen droht dem Chartanalysten Jörg Scherer von der HSBC zufolge eine Trendwende nach unten. Vorsichtig stimmt ihn die als "Island Reversal" oder "Inselumkehr" bekannte Formation aus dem Aufwärtssprung nach dem G20-Gipfel der vergangenen Woche und der tags zuvor gerissenen Kurslücke nach unten. "Bei dem beschriebenen Kursmuster handelt es sich um ein eher seltenes, dafür aber ein zuverlässiges Trendwendesignal", so der Experte. Endgültig bestätigen würde es sich mit einem nachhaltigen Rutsch unter das alte Hoch aus 2015 bei knapp 12 391 Punkten. Gebannt wäre die Gefahr erst bei einem nachhaltigen Anstieg zurück über 12 500 Punkte

Bewegung im Handelsstreit

In den Handelsstreit zwischen den USA und China kommt derweil wieder etwas Bewegung. Am Dienstagabend telefonierten die Unterhändler beider Seiten wieder miteinander, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch berichtete.

Aus Unternehmenssicht war die Anzahl fundamentaler Nachrichten am Morgen noch überschaubar. Im Anlegerfokus dürften die Aktien von Leoni stehen, die im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs vom Vortag zuletzt um 4 Prozent stiegen. Der in der Krise steckende Autozulieferer will sich von seiner Sparte Kabel und Verbindungslösungen WCS trennen. Dabei werden ein Börsengang und ein teilweiser oder vollständiger Verkauf vorbereitet. Leoni will sich künftig nur noch auf die Entwicklung des zuletzt defizitären Bordnetzbereichs (WSD) konzentrieren.


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Die Südzucker-Tochter Cropenergies profitierte im ersten Geschäftsquartal von einer Erholung der Ethanolpreise und verdiente deutlich mehr verdient. Vorläufige Zahlen hatten die Kurpfälzer bereits im Juni vorgelegt und dabei die Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach oben angepasst. Die Cropenergies-Papiere gewannen auf Tradegate 4,2 Prozent, Südzucker-Titel notierten unverändert.

Deutz-Papiere setzten ihre steile Talfahrt der vergangenen Tage gebremst fort und verloren weitere 0,9 Prozent an Wert. Die Privatbank Berenberg stufte die Anteilsscheine des Motorenbauers von "Buy" auf "Hold" ab und senkte das Kursziel von 9,60 auf 7,70 Euro. Am Montag und Dienstag hatten sie bereits mehr als 20 Prozent eingebüßt. Auslöser dafür waren Interview-Aussagen von Deutz-Chef Frank Hiller über eine nachlassende Nachfrage beim Motorenbauer.

Asiens Börsen vor Powell-Rede schwächer

Die Börsen Asiens haben am Mittwoch keine einheitliche Richtung gefunden. Gleichzeitig blieb das Handelsgeschehen an den meisten Aktienmärkten der Region verhalten. Viele Anleger wollen vor der Rede von US-Notenbankpräsident Jerome Powell vor dem US-Parlament kein Risiko eingehen. Die Investoren erhoffen sich von den Äußerungen des Notenbankers Hinweise, ob beziehungsweise wie stark die Fed den Leitzins Ende Juli senken wird.

Die Hoffnungen auf mehr Billiggeld hatten die Börsen in den vergangenen Wochen angetrieben, bis ein starker US-Arbeitsmarktbericht Ende letzter Woche sie etwas dämpfte. Seither geben sich die Investoren an den Aktienmärkten rund um den Globus zögerlich.

Zur Wochenmitte schleppte sich an der Tokioter Börse der japanische Leitindex Nikkei Börsen-Chart zeigen 225 im Handelsverlauf nur mit Müh und Not auf positives Territorium, doch selbst diese sehr moderaten Gewinne ließen sich nicht halten. Zum Schlussgong stand ein Minus von 0,15 Prozent auf 21 533,48 Punkten auf der Anzeigetafel.

Auch in China hielten sich die Anleger weiterhin bedeckt: Der CSI 300, der die 300 größten börsennotierten Unternehmen vom chinesischen Festland beinhaltet, trat zuletzt mit minus 0,03 Prozent nahezu auf der Stelle bei 3792,17 Zählern - es ist der dritte Tag infolge mit Verlusten. Marktbeobachter verweisen derzeit auch darauf, dass der Start der neuen Techbörse im Land viel Aufmerksamkeit von Investoren auf sich zieht. Angesichts einer Vielzahl neuer Börsengänge werden Gelder aus bereits notierten Aktien abgezogen.

In Hongkong lief der Handel immerhin etwas besser, dort stand der Hang Seng etwa um die gleiche Zeit mit 0,35 Prozent im Plus bei 28 214,90 Zählern. Wenig Beachtung fanden dagegen an Chinas Börsen die jüngsten Ereignisse im Zwist mit den USA: Nach der Einigung von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf eine Wiederaufnahme der Handelsgespräche am Rande des G20-Gipfels Ende Juni hatten am Vorabend Unterhändler beider Seiten miteinander telefoniert.

mit Nachrichtenagenturen

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