Freitag, 28. Februar 2020

Billiges Geld treibt die Börse Dax-Gewinne bröckeln ab - Deutsche Bank fällt ins Minus

Kursrally an den Börsen: EZB und Fed wollen die Geldpolitik weiter lockern, Dax und Dow steigen deutlich

Erst Mario Draghi, jetzt Jerome Powell - die Chefs der Notenbanken erfüllen die Erwartungen der Märkte. Der Dow Jones nähert sich seinem Rekordhoch. Die Gewinne im Dax bröckeln jedoch im späten Handel wieder ab.

Nach der Europäischen Zentralbank vor zwei Tagen hat nun auch die US-Notenbank den Anlegerwunsch auf lockerere geldpolitische Signale erfüllt. Im Dax ging die durch die Hoffnung auf noch niedrigere Zinsen getriebene Kursrally am Donnerstag weiter: Der Dax sprang am Donnerstag zeitweise um 1 Prozent auf 12.435 Punkte, gab im späten Handel jedoch einen Großteil seiner Gewinne wieder ab und schloss auf Xetra kaum verändert bei 12.355 Zählern. Auch MDax und TecDax gaben im späten Handel einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab.

Erstaunlicherweise habe es die US-Notenbank Fed geschafft, die ohnehin schon hohen Erwartungen der Märkte noch zu übertreffen, ohne mit Blick auf die US-Wirtschaft Alarmglocken zu läuten, sagte Stratege Stephen Innes von Vanguard Markets. So hatte die Fed am Mittwoch die Tür für eine Leitzinssenkung geöffnet und ihre Bereitschaft zur Unterstützung der US-Wirtschaft signalisiert. Nach der EZB - deren Präsident Mario Draghi am Dienstag Ähnliches in Aussicht gestellt hatte - könnte also bald eine zweite große Notenbank ihre Geldschleusen wieder weiter öffnen. Japan bleibt derweil bei seiner ohnehin schon extrem lockeren Geldpolitik.


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Wall Street im Vorwärtsgang, Dow Jones nahe Rekordhoch

Dank der Schützenhilfe der US-Notenbank Fed nimmt die Wall Street am Donnerstag weiter Kurs auf neue Rekordstände. Sie hatte bereits am Vortag ein wenig von den Signalen für baldige Zinssenkungen profitiert.

Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen kletterte kurz nach Börsenstart um 0,9 Prozent auf 26.751 Punkte. Damit nähert er sich seinem Rekordhoch von 26.951 Punkten aus dem Oktober. Auch der marktbreite S&P 500 ist nicht mehr weit von seinem historischen Rekord entfernt.

Dagegen hat der technologielastige Nasdaq 100 bis dahin noch eine etwas längere Wegstrecke vor sich. Seit Jahresbeginn hat er aber mit plus 20 Prozent von allen drei Indizes am besten abgeschnitten.

Oracle-Aktie mit Kursrally nach Zahlen

Grund zur Freude hatten am Donnerstag die Besitzer von Oracle-Aktien : Dank starker Quartalszahlen des Softwarekonzerns stiegen sie schon vorbörslich um über sechs Prozent auf fast 56 US-Dollar. Sie steuern damit ebenfalls auf eine Bestmarke zu. Der SAP-Konkurrent -Rivale konnte dank Zuwächsen bei seinen Cloud-Dienstleistungen seinen Gewinn deutlich steigern.

Dagegen büßten Tesla mehr als ein Prozent auf 223,76 Dollar ein. Analyst David Tamberrino von der US-Investmentbank Goldman Sachs ist mit Blick auf den Absatz des Elektroautobauers nun skeptischer als bisher. Daher senkte sein Kursziel für die Aktie von 200 auf 158 Dollar und rät weiterhin zum Verkauf.

FMC legt deutlich zu

Die Aktien des Dialysespezialisten FMC setzten sich nach einer Empfehlung der britischen Barclays Bank mit plus 1,8 Prozent an die Dax-Spitze. Die Sorgen am Markt über die Nachhaltigkeit des Wachstums seien wohl übertrieben, schrieb Analyst Hassan Al-Wakeel. SAP gewannen nach guten Geschäftszahlen des Wettbewerbers Oracle 1,4 Prozent und schafften ein weiteres Rekordhoch.

Rocket Internet haussiert - Samwer denkt über Delisting nach

Im MDax Börsen-Chart zeigen schossen die Papiere des Essenslieferanten Delivery Hero nach Aufstockung ihrer Umsatzziele zeitweise um fast 16 Prozent nach oben, wovon aktuell 10 Prozent verblieben.

Die Aktien von Rocket Internet Börsen-Chart zeigen kletterten um rund 7 Prozent. Der Internet-Investor Oliver Samwer arbeitet laut einem Bericht von manager magazin an einem Plan zum Rückzug seiner Start-up-Holding.

Deutsche Bank - Ermittlungen in den USA

Es gab in der Zinseuphorie aber auch Verlierer - allen voran Bankaktien, bei Niedrigzinsen unter schwachen Erträgen leiden. Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen sanken als schwächster Dax-Wert gut ein Prozent, auch weil neuer rechtlicher Ärger in USA droht. Die US-Justizbehörden gehen der "New York Times" zufolge einem Verdacht wegen möglicher Verstöße gegen Anti-Geldwäschegesetze nach. Die Aktie schloss gegen den freundlichen Gesamttrend im Minus.

Auch die zuletzt unter politischen Druck geratenen Immobilienwerte laufen weiter hinterher. Analyst Jonathan Kownator von der Investmentbank Goldman Sachs kappte angesichts des in Berlin drohenden Mietdeckels seine Kursziele und strich zudem Vonovia von der Favoritenliste. Der Experte sieht ein gewisses Risiko für ähnliche Debatten auf nationaler Ebene.

SDax: Übernahme-Spekulationen lassen KlöCo-Aktie springen

Spekulationen um eine Übernahme durch Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen beflügeln Börsianern zufolge Klöckner & Co. (KlöCo). Die Aktien des Stahlhändlers stiegen am Donnerstag um 14 Prozent auf 5,57 Euro und steuerten auf den größten Tagesgewinn seit sechseinhalb Jahren zu. Thyssen-Titel bauten ihre Gewinne ebenfalls aus und gewannen bis zu 4,8 Prozent. "Thyssen hat zwar genügend eigene Probleme, aber vielleicht wollen sie mit einem solchen Schritt die Flucht nach vorn antreten", sagte ein Aktienhändler. Dem "Manager Magazin" zufolge liebäugelt Thyssen mit dem Kauf von KlöCo, sobald wieder Geld in der Konzernkasse sei. Es habe bereits erste Kontakte gegeben.

Euro-Kurs legt nach Fed-Entscheid deutlich zu

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank gestiegen. Der Euro kostete am Morgen 1,1265 US-Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag noch auf 1,1207 Dollar festgesetzt.

Wegen Aussagen von Währungshütern in der Eurozone und den USA hatte sich der Euro in den vergangenen Tagen stärker als üblich bewegt. Am Mittwochabend hatte US-Notenbankchef Jerome Powell eine lockerere Zinspolitik in Aussicht gestellt. Daraufhin zog der Euro deutlich an. Die Federal Reserve senkte den Leitzins zwar nicht, Powell verwies aber auf die Unsicherheit durch die Handelskonflikte und das nachlassende Weltwirtschaftswachstum. An den Märkten werden derzeit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr als wahrscheinlich eingeschätzt.

Die Blicke richten sich aber auch schon auf den großen Verfall an den Terminbörsen am Freitag. Der kann im Vorfeld immer mal wieder zu größeren Kursausschlägen führen, da Spekulanten versucht sind, sich entsprechend zu positionieren. Im Feiertagshandel kann dies sogar leichter gelingen, weil weniger Akteure aktiv sind. Für etwas Verunsicherung könnten die weltpolitischen Spannungen sorgen. So bestätigten Irans Revolutionsgarden den Abschuss einer US-Drohne.

Mit Blick auf die Unternehmen sollten die Anleger die zuletzt unter politischen Druck geratene Immobilienbranche genau im Auge behalten. Analyst Jonathan Kownator von der InvestmentbankGoldman Sachs kappte angesichts des in Berlin drohenden Mietdeckels seine Kursziele und strich zudem Vonovia von der Favoritenliste. Der Experte sieht ein gewisses Risiko für ähnliche Debatten auf nationaler Ebene.

Die Aktien des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigen könnten derweil von einer Empfehlung der britischen Barclays Bank profitieren. Die Sorgen am Markt über die Nachhaltigkeit des Wachstums seien wohl übertrieben, schrieb Analyst Hassan Al-Wakeel.

Papieren von Delivery Hero Börsen-Chart zeigen winken ebenfalls Kursgewinne. Der Essenslieferant machte seinen Aktionären Hoffnung auf höhere Erlöse.

Ölpreise steigen nach Spannungen in Golfregion

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 62,69 US-Dollar. Das waren 87 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 68 Cent auf 54,44 Dollar. Nach dem einseitigen Ausstieg der USA letztes Jahr aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 und Verhängung neuer Sanktionen gegen den Iran sind auch die Spannungen zwischen den beiden Ländern gewachsen.

Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten am Morgen den Abschuss einer US-Drohne. Eine amerikanische "Global Hawk"-Drohne sei in den iranischen Luftraum in Kuh-Mobarak in der Provinz Hormozgan eingedrungen und von den Revolutionsgarden abgeschossen worden. Diese Provinz liegt direkt am Persischen Golf und ist für Beobachter auch der eventuelle Schauplatz einer militärischen Konfrontation zwischen den beiden Erzfeinden.

mit Nachrichtenagenturen

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