Sonntag, 15. Dezember 2019

Börse Zinssenkung? Anleger fiebern Fed-Entscheid entgegen

Der Dax hält sich trotz neuer Unsicherheiten über der Marke von 12.000 Punkten. Sollte die US-Notenbank Fed wie von Investoren erhofft am Mittwoch die ZInsen senken, dürfte die Erholung an den Märkten weitergehen.

Die Aktienmärkte stehen in der neuen Woche Experten zufolge ganz im Zeichen der Notenbankpolitik. "Mit der Fed, der Bank von England (BoE) und der Bank von Japan (BoJ) halten gleich drei der wichtigsten Notenbanken Treffen ab", sagte Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. "Im Fokus stehen dabei ganz klar die Fed und die Frage, wie sehr sie sich Leitzinssenkungen öffnet." Sollte die Fed die Zinsen senken oder eine Zinssenkung in ihrem Ausblick für Juli andeuten, könnten Dax Börsen-Chart zeigen und Dow Jones Börsen-Chart zeigen ihre vor zwei Wochen begonnene Erholung fortsetzen.

Investoren spekulieren seit längerem über einen solchen Schritt der US-Notenbank. Für die Sitzung am Mittwoch rechnen sie zwar nicht damit. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Fed-Sitzung im Juli dazu kommt, taxieren sie aber auf rund 90 Prozent. Allerdings könnte US-Präsident Donald Trumps wiederholte Forderung nach niedrigeren Zinsen eine Absenkung des Schlüsselsatzes auf absehbare Zeit verhindern, gab Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG zu bedenken. "Damit könnte der Verdacht einer Beeinflussung seitens der US-Regierung vermieden werden."

Fed-Entscheidung am Mittwoch - oder spätestens im Juli

Einen Tag nach ihren US-Kollegen berät die Führung der Bank von England (BoE) über ihre Geldpolitik. Zwar sei das überraschend hohe Lohnwachstum in Großbritannien Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer baldigen Zinserhöhung, führten die Analysten der BayernLB aus. Vor einer endgültigen Entscheidung über die Art des Brexit würden die Notenbanker aber sicher die Füße stillhalten. "Die Mehrheit möchte durchaus die Sicherheit haben, dass ein 'No-Deal'-Szenario umschifft werden kann."

Die BoJ wird am Donnerstag ihren Leitzins wohl auch nicht antasten. Ungeachtet der Zinssenkungsfantasien kam der Dax in der abgelaufenen Woche kaum vom Fleck. Der ungelöste Zollstreit zwischen den USA und China sowie die Furcht vor wachsenden Spannungen im Nahen Osten machten anfängliche Gewinne zunichte.

Spannungen im nahen Osten, Ölpreis steigt

Die Spannungen wurde geschürt von Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Da die USA den Iran beschuldigten, hinter den Vorfällen zu stecken, wachse die Gefahr einer ungewollten Eskalation der Lage, warnte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. An den Ölmärkten zogen die Preise bereits an. Solche von politischen Ereignissen getriebenen Kursausschläge seien aber meist nur von kurzer Dauer, sagte Norbert Rücker, Chef-Analyst der Bank Julius Bär.


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Zollstreit: Treffen zwischen Trump und Xi

Im Zollstreit zwischen den USA und China ist eine Lösung weiter nicht abzusehen. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, erwartet vom geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen chinesischem Kollegen Xi Jingping Ende Juni keine Einigung.

Weberbank-Analyst Jens Herdack äußerte sich dagegen optimistisch. Schließlich wolle Trump wiedergewählt werden - und eine US-Rezession würde seine Chancen schmälern.

Konjunkturdaten: ZEW-Index und Einkaufsmanager-Index

Aus den USA erwarten Investoren in der neuen Woche nur wenige Konjunkturdaten. Zu ihnen gehört das Konjunkturbarometer der Fed von Philadelphia (Donnerstag). In Deutschland wird am Dienstag der ZEW-Index veröffentlicht, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt. "Wir erwarten einen kräftigen Schritt nach unten", prognostizierte DZ-Bank-Analyst Michael Holstein. "Denn in den letzten Wochen hat sich das weltwirtschaftliche Klima deutlich abgekühlt."

Am Freitag folgen die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager. Diese dürften signalisieren, dass die Industrie in der Rezession verharre, während der Dienstleistungssektor weiter wachse, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Unabhängig davon laufen am Freitag Futures und Optionen auf Dax & Co. sowie Optionen auf einzelne Aktien aus. Zum sogenannten Hexensabbat schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

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